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SP & VP einigen sich auf U-Ausschuss-Reform

Vorsitzfrage

SP & VP einigen sich auf U-Ausschuss-Reform

SPÖ und ÖVP haben der Opposition einen gemeinsamen Vorschlag übermittelt, wer künftig den Vorsitz in Untersuchungsausschüssen führen soll. Der Kompromiss sieht vor, dass die Nationalratspräsidenten den Vorsitz übernehmen und ihnen ein emeritierter Richter zur Seite gestellt werden soll, der auch Befragungen durchführen soll. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) ist skeptisch.

Reformverhandlungen
Die SPÖ war in den Reformverhandlungen bisher dafür eingetreten, dass die Präsidentin des Nationalrats den Vorsitz übernehmen soll (mit dem Zweiten und der Dritten Präsidenten als Stellvertreter), die ÖVP wollte einen Richter. Der Kompromiss sieht nun beides vor, wie der ÖVP-Abgeordnete August Wöginger der APA am Montag bestätigte: Die Nationalratspräsidentin als Vorsitzende soll für Geschäftsordnungsbelange wie die Tagesordnung zuständig sein, während ein emeritierter Richter als Leiter des Beweiserhebungsverfahrens eingesetzt werden soll. Das heißt, dieser würde auch Auskunftspersonen befragen.

Prammer nicht überzeugt
Prammer ist zwar grundsätzlich froh, dass bei den Reformgesprächen Fortschritte erzielt werden. Von der nun gemeinsamen Position der Regierungsparteien in der Vorsitzfrage ist sie aber nicht begeistert, wie sie bei einem Pressegespräch durchblicken ließ: Sie finde es nicht gut, wenn ein Richter die Befragungen durchführt, denn dann stelle sich die Frage nach der Rolle der Abgeordneten, meinte Prammer.

Sie würde den Vorsitz dagegen in die Hände eines Abgeordneten legen, bei dem dann die Verpflichtungen der Nationalratspräsidenten angewandt würden. Der "Mischmasch" zwischen Vorsitz, Richter und Verfahrensanwalt müsse jedenfalls noch aufgelöst werden, findet Prammer. Auch die Opposition sei skeptisch.

"Die Abgeordneten werden da nicht ausgebootet", versuchte Wöginger zu beruhigen. Der Richter würde eine Art Erstbefragung durchführen, dann wären die Mandatare an der Reihe, erklärte er.

   In nächster Zeit stehen laut Prammer bei den Verhandlungen jedenfalls die Immunität der Abgeordneten und Rechte der Auskunftspersonen am Programm. Man werde darüber reden, ob es in gewissen Bereichen, etwa bei Verleumdung, nicht eine Schwächung der Immunität geben solle - das werde noch eine "heiße Debatte", glaubt die Nationalratspräsidentin. In Deutschland sei es so, dass Abgeordnete auch am Rednerpult nicht hundertprozentig immun seien - das wäre für Prammer ein gangbarer Weg.

   Die Verhandlungsgruppe erwartet Ende Mai jedenfalls hohen Besuch, wie Prammer ankündigte. Da das deutsche Modell der Untersuchungsausschüsse nämlich oft als Vorbild für eine österreichische Reform genannt wird, aber ebenso oft unterschiedlich interpretiert wird, wird der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bei einem Wien-Besuch mit den heimischen Abgeordneten darüber diskutieren. Prammer hofft, dass damit auch Missinterpretationen ausgeräumt werden könnten.
 

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