Sarrazin:

ÖSTERREICH-Interview

Sarrazin: "Man muss aufhören zu heucheln"

Von seinem Buch Deutschland schafft sich ab wurden schon 1,3 Millionen Stück verkauft – Rekord. Seine Ansichten regen seit Monaten Deutschland auf. Nun war Thilo Sarrazin auch in Österreich. In Graz. Auf Einladung des Bauernbundes sprach der Ex-Bundesbank-Vorstand (er ist SPD-Mitglied) vor 700 ausgewählten Gästen.

Unter den Zuhörern: steirische Politprominenz, aber auch Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (VP) und natürlich FPÖ-Chef HC Strache: „Er spricht offen und fundiert das aus, worauf wir seit Jahren hinweisen – wir brauchen bessere Zuwanderungspolitik“, applaudiert Strache.

Der FPÖ-Chef kam mit einem Sarrazin-Buch unterm Arm. Wie ein Autogrammjäger stellte er sich nach der Rede fast demütig minutenlang an, um eine Signatur zu ergattern.

Nicht erkannt

Sarrazin ignorierte Strache. Er unterschrieb, drückte dem Politiker kommentarlos das Buch in die Hand und sagte später zu ÖSTERREICH: „Ach, der Strache von der FPÖ war das? Ich möchte aber nichts mit Parteien zu tun haben.“

Sarrazin war in Graz in seinem Element: Er eckte an, provozierte, sprach von „türkischen Wärmestuben“ und klagte über den „mangelnden Bildungsstand moslemischer Zuwanderer“. Er schimpfte über den schlechten Integrationswillen der vornehmlich türkischen und arabischen Bevölkerung: „Viele von ihnen wollen eben weiter ihren Stiefel leben, sich nicht integrieren.“ Er kritisierte aber auch die arabische Revolution in Nordafrika: „Tunesier haben laut PISA-Test einen Schnitt von 0,0 Prozent bei der Hochintelligenz. Und das sind die Menschen, die jetzt die arabische Revolution tragen.“

Demonstranten in Graz nannten die Äußerungen Sarrazins „rechtsradikal“ und „rassistisch“. An Sarrazin tropft das ab: „Ich nehme diese Angriffe hin“, sagt er, „weil mir meine Arbeit als Autor einfach wichtig ist. Wir dürfen die Realität nicht verschweigen.“

„Er hat ein Recht auf Fairness“, hieß es beim Bauernbund. Was er sagt und schreibt, müsse jemand sagen dürfen, ohne, dass er angegriffen wird. Außerdem zeigen die Reaktionen, dass das Thema Integration das brennendste Thema der Gegenwart ist.

Interview: "Auch Strache kann von mir lernen"

ÖSTERREICH: Mit Ihren Thesen gegen moslemische ­Zuwanderer haben Sie schon Deutschland gespalten – ist jetzt Österreich dran?
Thilo Sarrazin: Man muss aufhören, zu heucheln und die Realität zu verweigern. Ich bin Buchautor und damit frei, die Dinge so zu beschreiben, wie ich sie sehe. Es ist einfach so, dass es unterschiedliche Migrantengruppen gibt. Während sich Zuwanderer aus Osteuropa und Asien relativ schnell integrieren, fallen türkische Gruppen und Araber auffallend ab. Selbst in der dritten Generation haben viele keine Deutschkenntnisse, keinen Schulabschluss. Außerdem haben sie einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an ­Geburten. Das gilt für Deutschland ebenso wie für Österreich. Die Probleme sind somit vergleichbar, da wir es mit ähnlichen Migrantengruppen zu tun haben. Auch Österreich hat viele Migranten aus der Türkei, Nordafrika.

ÖSTERREICH: Weshalb verurteilen Sie ständig die moslemischen Migrantengruppen?
Sarrazin: Ich verurteile sie nicht, bin kein Rassist, vergleiche bloß Statistiken und analysiere Probleme. Tatsache ist, dass die meisten Zuwanderer mit einer niedrigen Bildungsleistung vornehmlich aus moslemischen Staaten kommen. Die unterschiedlichen Leistungen haben direkt mit der Religion zu tun, davon bin ich überzeugt.

ÖSTERREICH: Woher nehmen Sie diese kühne These?
Sarrazin: Schauen Sie, es hat bisher 840 Nobelpreisträger gegeben. 250 davon waren jüdisch, aber nur vier kamen aus dem moslemischen Teil der Welt. Das hat doch Gründe: Die arabische Welt lebt sowohl auf einer gesellschaftlichen wie auch wissenschaftlichen Insel. Aus diesen Gesellschaften kommen nun die meisten Migranten. Wir brauchen aber Zuwanderer, die besser sind als wir. Die gut ausgebildeten Inder, Chinesen zieht es aber eher nach Amerika oder Kanada. Zu uns kommen größtenteils Minderqualifizierte.

ÖSTERREICH: Sollte diese Theorie stimmen – woran liegt das?

Sarrazin: In den USA kann sich keiner halten, der nicht arbeitswillig ist, dort gibt es keinen Sozialtransfer wie bei uns. Ich nenne mal das Beispiel einer libanesischen Familie in Berlin: Vater arbeitslos, Mutter ebenso. Für die fünf Kinder erhält die Familie 3.500 Euro pro Monat vom Staat. Das ist ein Anreiz, den es nur bei uns so gibt und der sich natürlich herumspricht.

ÖSTERREICH: Wie wollen Sie das nun ändern?
Sarrazin: Ich will ja niemanden etwas wegnehmen, ich bin bloß dafür, dass sich Menschen in unser System integrieren. Das Geld, das der Staat der li­banesischen Familie gibt, müsste zweckgebunden in die Bildung gehen. Wer Bildung verweigert, darf kein Geld vom Staat bekommen. Keinen Cent. Außerdem müssten wir den Zuzug für Hochqualifizierte forcieren, alle Transferleistungen für Einwanderer stoppen. Wir dürfen nicht dulden, dass andere Kulturen und Verhaltensformen unsere Gesellschaft dominieren. Leider wollen viele keine Integration …

ÖSTERREICH: „… sondern bloß ständig neue kleine Kopftuchmädchen produzieren“, wie Sie es in Ihrem Buch zynisch beschrieben haben …
Sarrazin: Auch das ist kein Angriff meinerseits, sondern basiert auf statistischem Material. Während Österreich ebenso wie Deutschland mit einer ex­trem niedrigen Geburtenrate kämpft, gilt das für diese Zuwanderergruppen ganz und gar nicht. Je niedriger die Schicht, umso höher die Geburtenrate.

ÖSTERREICH: Man könnte fast glauben, dass Sie der Vordenker von Österreichs FPÖ-Chef HC Strache sind.
Sarrazin: Ich kenne Herrn Strache nicht, aber es freut mich immer, wenn Politiker mir zuhören, da können sie einiges lernen, natürlich auch der Herr Strache. Wer mir zuhört, ist nachher klüger als vorher. Von einer politischen Partei möchte ich mich nicht vereinnahmen lassen.

ÖSTERREICH: Ihrer radikalen Sprüche wegen wollte Sie die SPD aus der Partei werfen …
Sarrazin: Sie wollten es tun, und ich verstehe bis heute nicht, warum. Ich vertrete klare sozialdemokratische Werte wie Chancengleichheit für alle – nicht mehr.

ÖSTERREICH: Sie fordern aber nicht nur einen Finanzstopp für Migranten, Sie wollen auch ein bundesweites Kopftuchverbot durchsetzen.
Sarrazin: Ja, ein generelles Kopftuchverbot und Strafen für Eltern, die ihre Kinder von Bildung fernhalten oder es dulden, dass unser System unterwandert wird. Es ist doch noch heute so, dass türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören. Die Mädchen wiederum werden darauf getrimmt, einen Mann aus Kurdistan oder sonst wo zu heiraten, um bald mit diesem viele Kinder zu zeugen. Das ist doch die Realität. Wir müssen den Mut haben, uns gegen diese Entwicklungen zu wehren.

Karl Wendl
 

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