Schlammschlacht um Kärnten tobt

SPÖ gegen BZÖ

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Schlammschlacht um Kärnten tobt

In dreieinhalb Wochen wird in Kärnten gewählt - eine Monsterwahl: Gleichzeitig stimmen knapp 450.000 Wahlberechtigte über Landtag, Gemeinderat und Bürgermeister ab.

Das große Match heißt: Orange gegen Rot. Derzeit sprechen die Prognosen eher für das BZÖ, Jörg Haiders frühere Partei. Mit 41 zu 35 % liegen sie in der Gallup-Umfrage für ÖSTERREICH vor den Sozialdemokraten.

Kanzler-Unterstützung
Deswegen führt die Kanzlerpartei jetzt schwere Geschütze auf: Bundeskanzler Werner Faymann (SP) war gestern bereits zum zweiten Mal in Kärnten auf einer Wahlkampftour. Er besuchte das Holzforschungszentrum K-Wood im Industriepark St. Veit und sprach dort mit den Arbeitern – eine Aufgabe, die sonst die Landespolitiker übernehmen.

Auch die Orangen kämpfen mit allen Mitteln um Wählerstimmen. Dazu lassen sie sogar einen Toten wieder auferstehen: An erster Stelle auf dem Wahlzettel ist zu lesen: Die Freiheitlichen Kärntens, Liste Jörg Haider. „Das BZÖ versucht damit, die Wahl zu gewinnen“, analysiert der Politologe Peter Filzmaier. „In Wahrheit war seine Person der Grund, warum man diese Partei gewählt hat.“

Bundes-Trend
Klar ist: Die Landtagswahl ist auch der erste große Stimmungstest für die Große Koalition. Wenn die SPÖ das BZÖ überholt, so ist das auch ein positives Signal für Faymann.

Die Kärntner SPÖ nutzt derzeit jede Möglichkeit, die Performance von Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) breitenwirksam zu kritisieren. Witze über Roberto Blanco und Polizisten sollen vor dem Wahltag am 1. März so zum Bumerang werden. Auch die FPÖ schießt sich voll auf den Haider-Nachfolger ein. „Dörfler ist gut für die zweite Reihe, als Landeshauptmann ist er überfordert“, sagt etwa der Spitzenkandidat der FPÖ, Mario Canori. Die SPÖ hakt nach: „Es ist ja nicht nur die Beleidigung von ethnischen Gruppen. Er hat den Landesamtsdirektor beleidigt und pauschal alle Polizisten. Er muss selbst entscheiden, wie tragbar er noch ist. Dörfler sieht seine Aussagen gerechtfertigt: „Ich bin halt ein Witzekanzler.“

Mega-Kosten
Die Kärntner Parteien scheuen derzeit auch keine Kosten. Die FPÖ soll 800.000, die Grünen 300.000 Euro in den Wahlkampf stecken. Wie viel die großen Parteien in den Wahlkampf investieren, geben sie offiziell nicht bekannt. Es lässt sich aber an den Plakaten im Land ablesen: In Villach etwa hingen so viele, dass der Bürgermeister Anfang der Woche gleich 500 Stück wieder entfernen ließ.

Kanzler Werner Faymann rechnet sich in Kärnten eine Chance auf Platz eins aus.

ÖSTERREICH: Wie wichtig ist die Kärntner Wahl für Sie?
Werner Faymann: Es gibt keine Wahl, die nicht wichtig ist. Hier zeigt sich einerseits die Großwetterlage: Wie steht man zur Regierung, zur Sozialdemokratie. Aber natürlich ist das auch eine sehr landesspezifische Wahl, die abhängig ist davon, wie zufrieden man mit den Parteien im Land ist. Manchmal gehen Großwetterlage und lokale Wetterlage auseinander.

Wer wird die Wahl gewinnen?
Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen BZÖ und SPÖ.

Wenn Sie die Wahl gewinnen, fühlen Sie dann Ihre Linie im Bund bestätigt?
Durchaus. Ich habe das Gefühl, dass die Tatsache, dass wir nicht streiten, sondern arbeiten und dass wir die Wirtschaftskrise beantworten durch Ärmelaufkrempeln, in Kärnten sehr positiv gesehen wird.

Glauben Sie, dass Reinhart Rohr (SP) das Erbe Jörg Haiders in Kärnten weiterführen kann?
Schwierig ist, wenn man in so einem Vergleich steht. Für einen Politiker ist es immer wichtig, wenn er authentisch ist und nicht versucht, jemand anderer zu sein. Was ich glaube und erlebe: Wenn Reinhart Rohr auf die Menschen zugeht, dann haben sie das Gefühl, dass er jemand ist, der anpackt.

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