Schlammschlacht um das Bundesheer

Wehrpflicht

© TZ ÖSTERREICH/Trimmel/Bruna

Schlammschlacht um das Bundesheer

Die aktuelle Gallup-Umfrage für ÖSTERREICH zeigt: Die Frage, soll die Wehrpflicht bleiben oder nicht, spaltet Land.

Hier geht's zum Voting.

Lesen Sie mehr: Häupl: "Wir wollen Freiwilligen-Armee" >>>

■ Knappes Ja
Das Ergebnis der Volksbefragung ist derzeitig nicht vorherzusagen: (Hochgerechnete) 51 Prozent sind für den Plan von Verteidigungsminister Norbert Darabos, ein Profi-Heer einzuführen, 49 % dagegen. Die Befragung wird zum Thriller: Männer sind für die Beibehaltung der Wehrpflicht (56:44 %), Frauen für das neue Freiwilligen-Heer (43:57 % für das Berufsheer). In Wien gibt es eine Mehrheit für das Berufsheer (53:47 %), in Niederösterreich eine knappe Mehrheit für die Wehrpflicht (51:49 %).

■ 4,7 Millionen gehen hin
75 % wollen zur Befragung gehen – umgerechnet auf 6,3 Millionen Wahlberechtigte wären das 4,7 Millionen.

■ Katastrophenschutz klappt
Die ÖVP wettert, dass nicht nur der Katastrophenschutz gefährdet sei – sondern auch der Zivildienst. Die Österreicher sehen das gelassener: 50 % glauben, dass auch ein Berufsheer anstehende Katastrophen bewältigen kann – 42 % folgen der ÖVP-Argumentation.

Diashow ÖSTERREICH-Umfrage zur Wehrpflicht
Sind Sie für Wehrpflicht oder Berufsheer?

Sind Sie für Wehrpflicht oder Berufsheer?

Knappe 51 Prozent (hochgerechnet) sind für eine Berufsheer.

Werden Sie zur Volksbefragung gehen?

Werden Sie zur Volksbefragung gehen?

75 Prozent wollen bei der Volksbefragung abstimmen.

Schafft Profi-Heer Katastrophenschutz?

Schafft Profi-Heer Katastrophenschutz?

50 Prozent sagen: "Berufsheer bewältigt Katastrophenschutz."

1 / 3
  Diashow

In der Koalition wird der Ton in Sachen Berufsheer indes zusehends rauer: Im
Duell zwischen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und SPÖ-Verteidigungsminister Norbert Da­rabos fliegen die Fetzen. Mikl wirft ihrem Regierungskollegen vor, die Gesundheit der Bevölkerung mit seinem Modell zu gefährden: „Kommt die Rettung in zehn Minuten – oder halt erst in 30 Minuten? Da geht es um Menschenleben.“ Und Darabos prangert wieder „ÖVP-Untergriffe“ an.

Befragung am 13. Jänner, Berufsheer startet 2014
Schon kristallisiert sich ein Termin für die Befragung heraus: Darabos sprach sich für den 13. Jänner 2013 aus, kann sich aber auch den 20. Jänner vorstellen. Wenn die Volksbefragung positiv ausfällt, könne das Profi-Heer schon im Jahr 2014 starten, so der SPÖ-Minister.

Innenministerin: "Da geht es um Menschenleben"

ÖSTERREICH: Sie müssen mit Darabos die Fragen für die Volksbefragung festlegen. Ein Riesenstreit?
Johanna Mikl-Leitner: Nein, ich glaube, dass wir uns bis Mitte September einigen. Ich bin für eine einfache Frage, die für jeden zu verstehen ist. Sollen der Wehrdienst und der Zivildienst erhalten bleiben – ja oder nein?

ÖSTERREICH: In Ihrer Fragestellung soll auch der Zivildienst vorkommen?
Mikl-Leitner: Es soll den Leuten klar sein, worum es geht. Nämlich auch um den Erhalt der sozialen Dienste – angefangen von der Rettung, Krankenpflege bis hin zur Behindertenbetreuung. Es geht um die Frage: Kommt die Rettung in zehn Minuten – oder halt erst in 30 Minuten? Da geht es um Menschenleben.

ÖSTERREICH: Jetzt sagt aber Darabos, der Zivildienst ist durch ein Freiwilligenmodell zu ersetzen.
Mikl-Leitner: Ich glaube das nicht. Sehen Sie sich doch Länder an, die die Wehrpflicht abgeschafft haben: Dort werden bei Weitem nicht ausreichend Freiwillige gefunden – das ganze Ehrenamt ist doch in Gefahr.

ÖSTERREICH: Wie hält die Koalition den Streit aus?
Mikl-Leitner: So professionell sind wir schon: Auf der einen Seite führen wir die sachliche Auseinandersetzung – auf der anderen Seite arbeiten wir gut zusammen.

ÖSTERREICH: Ihr Kollege Schützenhöfer will auch Frauen zum Dienst verpflichten. Und Sie?
Mikl-Leitner: Das ist eine Einzelmeinung, die ich nicht teile und die keine Rolle bei der Volksbefragung spielt.
 

Verteidigungsminsister: "Erstaunt über VP-Untergriffe"

ÖSTERREICH: Erwarten Sie einen Streit über die Fragen der Volksbefragung?
Norbert Darabos: Ich will mich mit Ministerin Mikl-Leitner rasch einigen, wenn möglich noch in der kommenden Woche.

ÖSTERREICH: Die ÖVP will fragen, ob Wehr- und Zivildienst bleiben. Sie würden lieber 2 Modelle vorlegen?
Darabos: Genau. Es geht ja um die Alternative zur Wehrpflicht, also um die von mir geforderte Profi-Armee. Das sollte auf jeden Fall enthalten sein.

ÖSTERREICH: Wann soll die Volksbefragung konkret stattfinden?
Darabos: Ich würde meinen, der 13. Jänner wäre ein guter Termin, aber es ist auch der 20. möglich.

ÖSTERREICH: Droht bis dahin nicht eine Schlammschlacht? Ministerin Mikl-Leitner sagt, es gehe um Menschenleben.
Darabos: Ich bin schon überrascht über diese Untergriffigkeit. Es ist völliger Unsinn, dass dann die Rettung länger brauchen würde. Wir haben einen Ersatz für den Zivildienst vorgesehen. Ich sehe das als verzweifelten Versuch jener, die diese Reform verhindern wollen. Ich hoffe auf Sachlichkeit und nicht auf eine Horrorszenario-Kampagne, so wie es in den ersten Tagen leider gewirkt hat.

ÖSTERREICH: Sie garantieren: Rettung und Katastrophenschutz sind gesichert?
Darabos: Natürlich.

ÖSTERREICH: Treten Sie zurück, wenn Sie die Befragung verlieren?
Darabos: Ich werde niemanden den Gefallen machen, die Volksbefragung zu einer über meine Person zu machen. Ich werde es nach der Volksbefragung bekannt geben.

Interviews: G. Schröder

Diesen Artikel teilen:

Postings (0)

Postings ausblenden

Posten Sie Ihre Meinung

Anzeigen

Werbung

Top Gelesen 1 / 10
Wer siegt bei Neuwahl?
Umfrage: Gute Werte für Kern Wer siegt bei Neuwahl?
Die FPÖ liegt laut Umfrage 
unangefochten auf Platz eins. Dahinter erholt sich die ÖVP. 1
Kanzler Kern stoppt Pressefoyer
Erfindung Kreiskys Kanzler Kern stoppt Pressefoyer
Der Bundeskanzler will nicht mehr mit ÖVP-Chef Mitterlehner vor die Presse treten. 2
Präsidenten-Rave fiel der Hitze zum Opfer
5 Bühnen, 60 Künstler, aber wenig Zulauf Präsidenten-Rave fiel der Hitze zum Opfer
Van der Bellen sagte seine Teilnahme bei den ersten Veranstaltungen kurzerhand ab. 3
3.000 illegale Flüchtlinge pro Monat
Vor allem Afghanen 3.000 illegale Flüchtlinge pro Monat
Bis zu 150 illegale Flüchtlinge werden jeden Tag in Österreich aufgegriffen. 4
Kern: Harter Kurs gegen Erdogan
ÖSTERREICH-Interview Kern: Harter Kurs gegen Erdogan
Der Bundeskanzler im großen Interview: "Bleibe dabei: Türkei wird in diesem Zustand kein EU-Mitglied." 5
Auch Kurz war von Flugchaos betroffen
Auf dem Weg nach Innsbruck Auch Kurz war von Flugchaos betroffen
Facebook-Posting von Außenminister Sebastian Kurz. 6
Strache will "Einheits-Koran"
Deutsche Übersetzung verlangt Strache will "Einheits-Koran"
Der FPÖ-Obmann zu einem Koran-Verbot und der wechselnden FP-Linie zu einem EU-Austritt Österreichs. 7
Kommt Burka-Verbot "light"?
Kompromiss-Vorschlag an SPÖ Kommt Burka-Verbot "light"?
Der Integrationsminister zeigt sich beim Thema Burka gesprächsbereit. 8
Hofer lobt Kurz, Doskozil und Sobotka
Wahlkampf Hofer lobt Kurz, Doskozil und Sobotka
Der Freiheitliche will die Neujahrsansprache ins Seniorenheim verlegen. 9
Wirte-Aktion: Bier trinken für Van der Bellen
50 Cent Spende pro Getränk Wirte-Aktion: Bier trinken für Van der Bellen
Für jedes verkaufte "Domrep Pils" geben Wiener Wirte jetzt 50 Cent an VdB. 10
Die neuesten Videos 1 / 10
Gruppenvergewaltiger machen Siegerpose
  Gruppenvergewaltiger machen Siegerpose
Eine Freundin des Opfers hat die Schandtat mit dem Handy gefilmt.
Bauern verzweifeln nach Erdbeben
Italien Bauern verzweifeln nach Erdbeben
Sie machen sich Sorgen um die Tiere. Da fehlt einfach alles. Es gibt kein Futter, keine Ställe. Und sie können nicht gemolken werden.
Völkerrechtswidrige Kollektivstrafe
Westjordanland Völkerrechtswidrige Kollektivstrafe
Die israelische Armee hat das Haus eines Mannes gesprengt, der beschuldigt wird, an einem Attentat beteiligt gewesen zu sein.
Flüchtlingslager in Flammen
Kirkuk Flüchtlingslager in Flammen
In der Nähe der nordirakischen Stadt Kirkuk wurden rund 70 Flüchtlingszelte von Flammen zerstört.
Sexismus-Skandal um Wiener Konditorei
"Punschkrapferl" Sexismus-Skandal um Wiener Konditorei
Mitarbeiterinnen der bekannten Wiener Konditorei tragen nun Shirts mit Schriftzügen wie "Punschkrapferl" am Dekollete- der Vorwurf des Sexismus wird laut.
Apple soll 13 Mrd. Euro Steuern nachzahlen
EU hat entschieden Apple soll 13 Mrd. Euro Steuern nachzahlen
Nach den EU-Beihilfevorschriften sind gezielte Steuervorteile für einzelne Unternehmen unzulässig. Die Brüsseler Behörde hatte seit 2014 die Steuervereinbarungen Irlands mit dem US-Unternehmen genau unter die Lupe genommen.
Kern stoppt Pressefoyer
Politik Kern stoppt Pressefoyer
Die Regierung schraubt wieder an der medialen Inszenierung des wöchentlichen Ministerrats, und diesmal radikal. Das traditionelle Pressefoyer mit Bundes- und Vizekanzler im Anschluss an die Regierungssitzung ist ab heute Geschichte, gab Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) am Dienstag vor Sitzungsbeginn bekannt.
Kult-Konditorei sexistisch?
"Hallo du Cremeschnitte" Kult-Konditorei sexistisch?
Nur Frauen haben die neuen Shirts mit "Cremeschnitte"

  Diese Website verwendet Cookies. Durch die Verwendung dieser Website stimmen Sie dem damit verbundenen Einsatz von Cookies zu.