Schmied: 600 Neue Mittelschulen

50 Mio. mehr Budget

© TZ Österreich/Fally

Schmied: 600 Neue Mittelschulen

Kanzler Werner Faymann hat in ÖSTERREICH für 2011 eine Bildungsreform versprochen. Claudia Schmied will jetzt Nägel mit Köpfen machen. Im Interview mit ÖSTERREICH gibt die SPÖ-Unterrichtsministerin zwar zu, dass die von der SPÖ geforderte Gesamtschule derzeit wegen des ÖVP-Widerstands nicht möglich sei. Stattdessen will sie ihr Projekt der Neuen Mittelschule (NMS) vorantreiben. Konkret verlangt Schmied eine Verdoppelung der Neuen Mittelschule.

Neue Mittelschule – zwei Lehrer in Hauptfächern
Soll heißen: Derzeit gibt es 320 NMS-Standorte mit rund 75.000 Schülerinnen und Schülern. Bei einer Verdoppelung wären es also rund 600 NMS-Standorte, Schmied wörtlich in ÖSTERREICH: "Konkreter Vorschlag wäre eine Verdoppelung der Neuen Mittelschulen auf 20 Prozent. Teamteaching, zwei Lehrer in den Hauptgegenständen, soll dann für mehr Kinder möglich sein. Schließlich gibt es ja auch die Nachfrage durch die Eltern."

Allerdings: Ohne Zustimmung der ÖVP kann Schmied auch diesen Plan nicht umsetzen, weil die Zahl der Schulversuche mit 10 Prozent limitiert ist und für die Ausweitung eine Gesetzesänderung nötig wäre. Und: Schmied muss bei Finanzminister Josef Pröll anklopfen, damit er für den Ausbau 50 Millionen Euro herausrückt.

High Noon mit den Lehrern, Kritik an Erwin Pröll
Daneben will Schmied im Jänner die Verhandlungen über das Lehrerdienstrecht starten: Konkret geht es um ein neues Arbeitszeitmodell, und auch wenn Schmied es (noch) nicht sagen will: Neu angestellte Lehrer werden mehr arbeiten. Schmied fordert ein "entschlossenes Auftreten der gesamten Bundesregierung", also konkret Unterstützung der ÖVP.

Abgesagt ist für Schmied indes die Abschlankung der Schulverwaltung. Dass NÖ-LH Erwin Pröll im Sommer eine Verländerung der Lehrer gefordert hatte, findet Schmied heute noch "unfassbar".

Österreich-Interview mit Claudia Schmied:

ÖSTERREICH: Was werden Sie konkret im neuen Jahr in Sachen Bildungsreform angehen?

SCHMIED: Wünschenswert wäre natürlich die gemeinsame Schule, aber das ist mit dem Koalitionspartner derzeit offenbar nicht zu machen. Auf das Bildungsprogramm der ÖVP warten wir ja auch schon sehr lange. Also sollte zunächst die 10-Prozent-Grenze bei Schulversuchen aufgehoben werden. Konkreter Vorschlag wäre eine Verdoppelung der Neuen Mittelschulen auf 20 Prozent. Teamteaching, zwei Lehrer in den Hauptgegenständen, soll dann für mehr Kinder möglich sein. Schließlich gibt es ja auch die Nachfrage durch die Eltern.

ÖSTERREICH: Dazu brauchen Sie mehr Geld. Wie viel denn?

SCHMIED: Wenn man davon ausgeht, dass es 20 Prozent Neue Mittelschulen sind, rund 50 Millionen Euro zusätzlich.

ÖSTERREICH: Die Schulreform mit einer Verschlankung der Verwaltung ist geplatzt, nachdem Landeshauptmann Pröll die Lehrer für sich haben wollte?

SCHMIED: Ich war ganz weg, dass die Debatte in Richtung Verländerung der Lehrer lief, also genau dem Gegenteil von dem, was alle Experten und auch die OECD sagen. Ich finde das heute noch unfassbar. Angesichts dieser Situation ist eine Reform derzeit nicht möglich.

ÖSTERREICH: Was soll 2010 noch passieren?

SCHMIED: Teil zwei fällt unter das Kapitel „Schule verbessern“. Da geht es um Schulaufsicht und Qualitätsmanagement. Dazu wurden bereits zwei Gesetze in Begutachtung geschickt …

ÖSTERREICH: … gegen die die ÖVP schon Stellung bezogen hat.

SCHMIED: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ÖVP etwas gegen Leistung und Qualitätsverbesserung hat. Dritter Punkt ist jedenfalls der Ausbau der Ganztagsbetreuung. Dafür stehen pro Jahr 80 Millionen zur Verfügung.

ÖSTERREICH: Sie starten die Verhandlungen über ein neues Lehrerdienstrecht. Werden das schwierige Gespräche?

SCHMIED: Ja, ich rechne mit intensiven Verhandlungen. Wobei für mich wichtig ist: Ich führe diese Verhandlungen nicht alleine, sondern die Bundesregierung tut dies, das Bundeskanzleramt und das Finanzministerium sind dabei. Wir müssen als gesamte Regierung entschlossen auftreten.

ÖSTERREICH: Werden die – neu angestellten – Lehrer mehr arbeiten müssen?

SCHMIED: Ich werde der Gewerkschaft solche Dinge nicht über die Medien ausrichten. Die Druckpunkte sind aber klar: Es geht darum, die Gehaltskurve zu verflachen, die derzeit sehr steil ist. Die Anfangsgehälter sollen steigen. Zweiter Punkt: Es geht um mehr Autonomie am Schulstandort und um ein neues Arbeitszeitmodell.

ÖSTERREICH: Müssen Lehrer länger in der Schule bleiben, wenn es mehr Ganztagsschulen gibt?

SCHMIED: Es soll Kernzeiten geben, die mit den Kindern verbracht werden, es soll wie schon jetzt Vor- und Nachbereitungszeit geben. Wichtig ist mir, dass der Lehrereinsatz möglichst flexibel am Schulstandort entschieden wird.

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