Schmied bleibt trotz PISA-Wirbel gelassen

"Negative Atmosphäre"

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Schmied bleibt trotz PISA-Wirbel gelassen

Trotz der Vorbehalte der OECD über das Österreich-Ergebnis nimmt Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) die PISA-Studie 2009, deren Ergebnisse kommenden Dienstag (7.12.) präsentiert werden, "sehr ernst". Die Studie sei für sie "von sehr großer Relevanz", sagte Schmied am Donnerstag im Gespräch. Die Vorbehalte der OECD und die Verteidigung der Daten durch das Institut für Bildungsforschung (BIFIE) ist für die Ministerin "ein Methodenstreit, den ich auch gerne den Experten überlassen möchte".

   Aus diesem Grund habe sie auch das BIFIE beauftragt, gemeinsam mit der OECD hier noch mehr ins Detail zu gehen. Vielleicht könne man so doch noch "Validität für den Längsvergleich bekommen". PISA sei aber eine von vielen Befunden und Studien und "nicht das einzige Messinstrument".

"Negative Atmosphäre"
  Dass die OECD ihren Vorbehalt mit der "negativen Atmosphäre" zur Zeit der Testung im Frühjahr vergangenen Jahres begründet, kann Schmied nachvollziehen, schließlich sei sie damals "mittendrinnen im Konflikt" gewesen. Die Ministerin erwartet sich, dass die Ergebnisse der PISA-Studie "einmal mehr ein Appell an uns alle, die wir in der Bildungspolitik verantwortlich sind, sein werden, parteipolitische Grenzen zu überwinden und in der Bildungspolitik die notwendigen Reformen entschlossen fortzusetzen". Es müsse "ein Ruck durchs Land gehen, was Vorwärtsstrategie und Bildungspolitik betrifft". Auch in der Bevölkerung sei die Stimmungslage klar, "dass es weniger Bedarf an weiteren Diskussionen, Arbeitsgruppen und Kommissionen gibt, sondern dass wir jetzt die Umsetzung brauchen".

BIFIE-Chef
Dass die OECD angekündigt hat, die Österreich-Ergebnisse bei der internationalen Bildungsstudie PISA "nur mit Vorbehalt zu berichten", habe nichts mit der Qualität der Testungen zu tun, betonte der Direktor des für die Durchführung in Österreich zuständigen Instituts für Bildungsforschung (BIFIE), Günter Haider, am Donnerstag. "Die Daten sind über jeden Zweifel erhaben", so Haider. Dass die "bekannt nüchterne OECD" sich schon vor Veröffentlichung der Ergebnisse zu deren möglichen Hintergründen äußere, "lässt aber wenig Gutes erwarten".

Daten sind gut
Haider hob hervor, dass die Einschränkung der OECD nicht die Daten betreffe, sondern das Ergebnis. Schließlich habe der Boykott der PISA-Testungen keinen statistischen Einfluss gezeigt: Von 7.000 getesteten Schülern seien 218 Jugendliche an acht Schulen dem Aufruf der VP-nahen Schülerunion gefolgt und hätten die Fragebögen nicht ausgefüllt. Die betreffenden Schüler und Schulen seien aus der Datenbasis entfernt worden. Die Stichprobe sei so groß wie nie gewesen und die Tests korrekt durchgeführt worden. Die Daten seien somit "wissenschaftlich einwandfrei und uneingeschränkt in die Datenbasis der OECD aufgenommen worden".

Premiere
Interessant an der Einschränkung durch die OECD sei jedoch, dass diese sich seines Wissens nach zum ersten Mal zu den Ursachen eines Länderergebnisses äußere, so Haider. "In der Sache waren die Tests korrekt. Was die OECD beschreibt, ist, dass die negative Atmosphäre möglicherweise die Testteilnehmer negativ beeinflusst hat", so Haider. Die vielschichtigen möglichen Ursachen der Ergebnisse zu kommentieren sei allerdings nicht Aufgabe des BIFIE, sondern der Politik.

Kein Ruhmesblatt
Aus seiner Sicht ist der Vorab-Kommentar der OECD jedenfalls kein Ruhmesblatt für Österreich: Es sei "zumindest beunruhigend", dass der Lehrerstreit zu Motivationsverlust und schlechteren Schülerleistungen geführt haben könnte - auch wenn man nicht sagen könne, ob das tatsächlich zutreffe. Haider fürchtet: "Das könnte das Bild Österreichs in den anderen an PISA teilnehmenden Ländern negativ prägen."

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