12. November 2009 20:39
Arigona Zogaj (17) glaubte, in Österreich ein neues, sicheres Leben gefunden
zu haben. Donnerstagfrüh wurde diese Illusion mit dem Inhalt einer SMS
ausgelöscht. Es war 7 Uhr, Arigona zog sich gerade für den Schulweg an, als
die Nachricht ankam. Sie
und ihre Familie sollen in den Kosovo abgeschoben werden, warnte ein
Bekannter.
Es war ein Schock ohne Vorwarnung: Weder die Familie Zogaj noch deren Anwalt
Helmut Blum hatten den 140-Seiten-Bescheid vorher zu Gesicht bekommen. Das
Dokument wurde erst gestern Vormittag per Post zugestellt. Arigona brach
weinend zusammen. Sie versuchte mit letzter Kraft sich an ihr neues Leben in
Österreich zu klammern und so zu tun, als existiere der Bescheid nicht. Sie
packte ihre Tasche und ging tapfer in die Schule. Starke Medikamente
verhinderten dabei einen schlimmeren Zusammenbruch.
Suizidgefahr
Arigona muss schon seit längerer Zeit
Psychopharmaka nehmen. Dreieinhalb Wochen wurde sie wegen eines
Nervenzusammenbruchs und Suizidgefahr in der geschlossenen Anstalt der
Linzer Kinderklinik behandelt. Ihr Zustand wird nach wie vor als äußerst
labil beschrieben.
Pfarrer
Josef Friedl, der sich seit jetzt schon zwei Jahren um die Familie
kümmert: „Das ist eine menschliche Katastrophe.“ Er fürchte nun um das Leben
der 17-Jährigen und ihrer Mutter Nurie. Unterstützer der Familie wollen
jetzt weiterkämpfen: „Es gibt die Möglichkeit der Berufung in der zweiten
Instanz, und die wird genutzt werden“, so Flüchtlingsbetreuer, Christian
Schörkhuber.
Schönborn: Zogajs sollen bleiben
Am Freitagabend schlug sich
Kardinal Christoph Schönborn auf die Seite der Familie Zogaj. Er hält ein
humanitäres Bleiberecht für völlig in Österreich integrierte Familien für
angebracht. Somit sollten die Zogajs in Österreich bleiben können. "Es würde
dem Land keinen Schaden zufügen, wenn diese Familie bleiben könnte", sagte
er in der "ZiB 2". Es habe sich eine Reihe von sehr verantwortungsbewussten
Menschen dafür ausgesprochen, den Zogajs humanitäres Bleiberecht zu
gewähren, betonte Schönborn.
Zogaj-Anwalt
Helmut Blum wird sich in den nächsten zwei Wochen an den Asylgerichtshof
wenden. Der könnte entscheiden, dass die Abschiebung
aus humanitären Gründen nicht möglich sei. Die Berufung hat in
jedem Fall aufschiebende Wirkung.
Schubhaft?
Dennoch lebt Familie Zogaj jetzt in Angst. Kein
Wunder: Der zuständige Bezirkshauptmann Peter Salinger sagt offen, wie die
übliche Vorgangsweise wäre: Reisen die Betroffenen nicht freiwillig aus,
müssen sie in Schubhaft genommen und abgeschoben werden.
In einer ersten Reaktion gegenüber ÖSTERREICH sagte Arigona: „Ich werde
nicht aufgeben. Ich muss stark sein, damit ich für meine Mama und meine
Geschwister da sein kann.“
Auszug
aus dem Abschiebebescheid.