Schönborn: Zogajs sollen bleiben

Drohende Abschiebung

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Schönborn: Zogajs sollen bleiben

Arigona Zogaj (17) glaubte, in Österreich ein neues, sicheres Leben gefunden zu haben. Donnerstagfrüh wurde diese Illusion mit dem Inhalt einer SMS ausgelöscht. Es war 7 Uhr, Arigona zog sich gerade für den Schulweg an, als die Nachricht ankam. Sie und ihre Familie sollen in den Kosovo abgeschoben werden, warnte ein Bekannter.

Es war ein Schock ohne Vorwarnung: Weder die Familie Zogaj noch deren Anwalt Helmut Blum hatten den 140-Seiten-Bescheid vorher zu Gesicht bekommen. Das Dokument wurde erst gestern Vormittag per Post zugestellt. Arigona brach weinend zusammen. Sie versuchte mit letzter Kraft sich an ihr neues Leben in Österreich zu klammern und so zu tun, als existiere der Bescheid nicht. Sie packte ihre Tasche und ging tapfer in die Schule. Starke Medikamente verhinderten dabei einen schlimmeren Zusammenbruch.

Suizidgefahr
Arigona muss schon seit längerer Zeit Psychopharmaka nehmen. Dreieinhalb Wochen wurde sie wegen eines Nervenzusammenbruchs und Suizidgefahr in der geschlossenen Anstalt der Linzer Kinderklinik behandelt. Ihr Zustand wird nach wie vor als äußerst labil beschrieben.

Pfarrer Josef Friedl, der sich seit jetzt schon zwei Jahren um die Familie kümmert: „Das ist eine menschliche Katastrophe.“ Er fürchte nun um das Leben der 17-Jährigen und ihrer Mutter Nurie. Unterstützer der Familie wollen jetzt weiterkämpfen: „Es gibt die Möglichkeit der Berufung in der zweiten Instanz, und die wird genutzt werden“, so Flüchtlingsbetreuer, Christian Schörkhuber.

Schönborn: Zogajs sollen bleiben
Am Freitagabend schlug sich Kardinal Christoph Schönborn auf die Seite der Familie Zogaj. Er hält ein humanitäres Bleiberecht für völlig in Österreich integrierte Familien für angebracht. Somit sollten die Zogajs in Österreich bleiben können. "Es würde dem Land keinen Schaden zufügen, wenn diese Familie bleiben könnte", sagte er in der "ZiB 2". Es habe sich eine Reihe von sehr verantwortungsbewussten Menschen dafür ausgesprochen, den Zogajs humanitäres Bleiberecht zu gewähren, betonte Schönborn.

Zogaj-Anwalt Helmut Blum wird sich in den nächsten zwei Wochen an den Asylgerichtshof wenden. Der könnte entscheiden, dass die Abschiebung aus humanitären Gründen nicht möglich sei. Die Berufung hat in jedem Fall aufschiebende Wirkung.

Schubhaft?
Dennoch lebt Familie Zogaj jetzt in Angst. Kein Wunder: Der zuständige Bezirkshauptmann Peter Salinger sagt offen, wie die übliche Vorgangsweise wäre: Reisen die Betroffenen nicht freiwillig aus, müssen sie in Schubhaft genommen und abgeschoben werden.

In einer ersten Reaktion gegenüber ÖSTERREICH sagte Arigona: „Ich werde nicht aufgeben. Ich muss stark sein, damit ich für meine Mama und meine Geschwister da sein kann.“

arigona_bescheid
Auszug aus dem Abschiebebescheid.

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