Schönborn

Aus fürs Zölibat

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Schönborn "nicht unbedingt" Ibys Meinung

Kardinal Christoph Schönborn hat am Montag Verständnis für den vor der Pension stehenden Eisenstädter Bischof Paul Iby gezeigt, der den Pflichtzölibat infrage gestellt hatte. "Die Sorgen, die Bischof Iby hier zum Ausdruck gebracht hat, sind unser aller Sorgen", so Schönborn nach dem Pfarrgemeinderats-Kongress, allerdings teile man nicht unbedingt immer die Lösungsansätze. Mit dem Kongress in Mariazell zeigte sich der Kardinal zufrieden und kündigte weitere derartige Treffen an.

Schweigen zu Ibys heißem Eisen
Die Aufhebung des Pflichtzölibats wäre für die Weltpriester sicher eine Erleichterung, hatte Iby gemeint und gleichzeitig auch die Priesterweihe für Frauen für überlegenswert befunden. Bisher hatten sich die heimischen Bischöfe schweigsam zu den "heißen Eisen" gezeigt, dessen Behandlung auch in der Pfarrgemeinderäte-Konferenz angekündigt wurde, dann aber doch nicht öffentlich stattfand.

"Rede- und Meinungsfreiheit"
"Ich bin froh, in einer Kirche zu leben, in der es Rede- und Meinungsfreiheit gibt", sagte Schönborn nun zu Ibys Vorstoß, auch wenn "nicht unbedingt" alle die Lösungsansätze teilen würden. Schönborn verordnete sich und der heimischen Kirche nach der Konferenz auch allgemein ein "kritisches Gegenlesen".

Transparente Nachbesetzung
Zur Nachfolge Ibys als Eisenstädter Bischof merkte Schönborn an, dass der Prozess "ganz normal" laufe. Der Kardinal vermittelte auch, dass die Neubesetzung diesmal wohl transparenter ablaufen werde als etwa beim verhinderten Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner. Diesbezüglich übte Schönborn im Namen der österreichischen Kirche Selbstkritik: In den letzten Jahrzehnten hätten es die Bischöfe "sträflich vernachlässigt", Rom regelmäßig Namen - also eine Art "Kandidaten-Pool" - zu nennen. Das versuche man nun aufzuholen.

Missbrauch und Gewalt
Als "konkretes Ergebnis" der Konferenz bezeichnete Schönborn die erneute Ankündigung, österreichweit verbindliche Richtlinien für die Verhinderung von sexuellem Missbrauch und Gewalt bis zur nächsten Vollversammlung der Bischofskonferenz im Juni zu erarbeiten. Dabei würden auch "klare Verantwortungsbereiche" für die Pfarrgemeinden geregelt, offizielle Ansprechpartner seien die Pfarrgemeinderäte allerdings "nicht unbedingt". Schönborns Kollege, der Gurker Bischof Alois Schwarz, meinte allerdings, den Pfarrgemeinderäten komme eine "korrektive Aufgabe" zu. So gelte es etwa zu schauen, wie der jeweilige Pfarrer lebe und ob dieser "isoliert" sei.

Wiederholung in 2 Jahren
Auch dem Dauerbrenner der geschiedenen Wiederverheirateten wollen sich die Bischöfe nun ernsthaft annehmen, so ein Ergebnis des Kongresses. Wie bereits angekündigt wurde eine Kommission unter der Leitung des Salzburger Erzbischofs Alois Kothgasser eingesetzt, die bis zur Vollversammlung im November Vorschläge für die "seelsorgliche Begleitung" erarbeiten soll. Ansonsten betonte Schönborn, dass das Ziel des Treffens nicht "Resolutionen, Beschlüsse, Protokolle, Pastoralprogramme" gewesen seien. Man habe einen "Dialog auf Augenhöhe" führen können, der nach der kommenden Pfarrgemeinderatswahl am 18. März 2012 in derselben Form wiederholt werde.

Zufrieden mit dem Kongress zeigte sich auch Wolfgang Müller, Sprecher der diözesanen Pfarrgemeinderats-Verantwortlichen aus der Erzdiözese Salzburg. Pfarrgemeinderäte seien "ein Stück gelebte Demokratie in der österreichischen Kirche", meinte er. Helene Honrich, Pfarrgemeinderätin aus Wien, berichtete, dass die "heißen Eisen" die Konferenz überhaupt nicht dominiert hatten - es seien vor allem "eigene Sachen" zu besprechen gegeben.

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