Schüler können nicht mehr lesen

PISA-Debakel

Schüler können nicht mehr lesen

Dieser Witz könnte populär werden: "Österreich hat beim heurigen PISA-Test schlecht abgeschnitten. - Macht nix, kann eh keiner lesen."

Das böse Erwachen kommt am 7. Dezember: Dann werden die Ergebnisse der Bildungsstudie PISA präsentiert (67 Länder nehmen teil), doch schon jetzt ist klar: Österreich wurde vom Mittelfeld nach unten durchgereicht. Das ist Wasser auf die Mühlen der ÖVP, die eine Gelegenheit gekommen sieht, der unbequemen SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied eins auszuwischen.

Die OECD-Studie PISA testet die Fähigkeiten der Schüler in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften im Alter von 15 Jahren. 2009 fanden die Tests statt, die Auswertung dauerte bis jetzt. Details sind noch nicht bekannt, doch die vier wesentlichsten Ergebnisse sickerten durch (ÖSTERREICH berichtete):

  • Im Lesen soll es nach den letzten beiden für Österreich unerfreulich ausgefallenen PISA-Studien einen neuerlichen Rückschlag geben. Sinnerfassendes Lesen - Fehlanzeige. "Österreichs Schüler begreifen nicht, was sie lesen." Ein Insider, der die Testergebnisse kennt: "Man kann nicht mehr von Lesefähigkeiten sprechen, sondern nur mehr von Leseschwächen."
  • In Mathematik soll es eine (wenn auch leichte) Verschlechterung geben.
  • In den Naturwissenschaften sind die Leistungen weitgehend gleich geblieben.
  • Besonders schlecht ist das Ergebnis bei Kindern mit Migrationshintergrund. Sie fallen in allen Gegenständen zurück.


Schmied schuld?
Jetzt ist die Schlacht um die Verantwortung entbrannt: Niederösterreichs Landeschef Erwin Pröll sieht die Schuld bei Schmied. Sein Neffe, VP-Chef Josef Pröll, sagt: "Schmied ist seit vier Jahren im Amt, jeder Minister ist für sein Ressort verantwortlich."

Schmied kontert: "Einen Zusammenhang zu meinen Reformen herzustellen, geht sich nicht aus, weil der getestete Jahrgang 1993 noch nicht von den Reformen profitiert hat. Die werden erst 2015 PISA-wirksam", sagt sie im ÖSTERREICH-Interview.

Experten, wie Andreas Salcher, sehen freilich strukturelle Probleme, zu deren Beseitigung nur eine umfassende Bildungsreform führen kann.

Dabei wollte die Koalition gestern beim Bildungsgipfel einen Durchbruch feiern. Man einigte sich auf 80 Millionen Euro jährlich für den Ausbau der Ganztagsschulen von derzeit 120. 000 auf 200. 000 Plätze, stritt aber öffentlich darüber, wer die Macht über die Lehrer haben soll: Bund oder Länder. Ein Konflikt, der heute bei der Landeshauptleutekonferenz weitergeht

Autor: K. Nagele
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