Salcher:

Schule um neun?

Salcher: "Erwarte eine Revolte an Schulen"

Andreas Salcher, Autor des Bestsellers Der talentierte Schüler und seine Feinde, will nicht nur den Schulunterricht erst um 9 Uhr beginnen lassen. Im Interview mit ÖSTERREICH fordert er sogar: „Die 50-Minuten-Unterrichtsstunde gehört ersatzlos abgeschafft.“

Er rechnet auch mit der jüngst beschlossenen Neuen Mittelschule ab, die ab Herbst schrittweise alle Hauptschulen ersetzen soll. „Die Neue Mittelschule zementiert das jetzige System ein: sozial ungerecht und leistungsfeindlich“, sagt Salcher über das Prestigeprojekt von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). Die Politik sei festgefahren, Salcher setzt auf die neue Macht der Schüler: „Es wird zur Revolution der Schüler und Eltern kommen.“ In seinem neuesten Buch Ich habe es nicht gewusst widmet der Autor der Revolution an der Schule ein ganzes Kapitel – so könnte die neue Schule aussehen:

  • Alle Macht der Schule. Direktoren sollen sich die Lehrer aussuchen können. Diese brauchen mehr Freiheit im Unterricht und einen Arbeitsplatz an der Schule.
  • Volksschule 6 Jahre. Der Schuleinstieg soll zwei Jahre länger dauern.
  • Lehrplan. Nach der Volksschule soll es für jedes Kind einen individuellen Lehrplan geben.
  • Ende der Unterrichtsstunde. Die 50-Minuten-Unterrichtsstunde wird abgeschafft, die Einheiten werden je nach Thema kürzer oder länger und über den Tag verteilt.
  • Start um 9 Uhr. Um 16 Uhr ist Schluss mit Schule – ohne Hausübung.
  • Gesamtschule. Salcher will ebenso wie Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) die gemeinsame Volksschule auf sechs Jahre ausdehnen, danach sollen die Schüler im Kurssystem lernen.

 

Salcher: "10 Minuten Pause sind zu wenig"

ÖSTERREICH: Sie wollen, dass der Unterricht erst um 9 Uhr beginnt und erregen damit die Gemüter.
Andreas Salcher: Zur Beruhigung aller berufstätigen Eltern: Natürlich wäre die Schule von 8 bis 9 Uhr geöffnet, aber der eigentliche Unterricht soll erst ab 9 Uhr beginnen. Das Gehirn von Kindern ist davor nicht aufnahmefähig. Der Unterricht muss dadurch nicht länger sein. Die Kinder könnten in kürzerer Zeit mehr erreichen.

Soll es weniger Schulstunden geben?
Nein, ich bin Anhänger der Ganztagsschule. Aber die Zeitstruktur muss sich ändern: Die 50-Minuten-Unterrichtsstunde gehört abgeschafft. 10 Minuten Pause sind viel zu wenig. Umgekehrt haben Kinder oft kein Problem, an Projekten zwei Stunden zu arbeiten. Anderswo schafft ein Kind nur 30 Minuten. Auf jedes Kind sollte individuell eingegangen werden, es sollte seinen eigenen Lehrplan haben und sich zu Beginn jedes Schuljahres seine Ziele selbst stecken.

 Aber gewisse Lernziele müssen doch alle Kinder erreichen.
Eben das geht im jetzigen System nicht. 21 % aller 15-Jährigen sind funktionelle Analphabeten! Die Lernziele erreicht man nur durch Individualisierung.

Was muss sich ändern?
Schulen brauchen mehr Entscheidungsmacht, Direktoren müssen sich die Lehrer aussuchen können. Bei reinen Strukturreformen bleiben die Lehrer dieselben. Fair wäre ein eigener Lehrplan für jedes Kind. Es sollte sechs Jahre lang eine gemeinsame Volksschule geben, dann ein Kurssystem.

Was halten Sie von der Neuen Mittelschule?
Sie zementiert das jetzige System ein – sozial ungerecht und leistungsfeindlich.

Was sollte die Politik tun?
Da habe ich die Hoffnung aufgegeben, SPÖ und ÖVP hängen in ideologischen Fixierungen fest. Aber unter der Decke brodelt es. Die Schüler werden sich das nicht länger gefallen lassen. Es wird zur Revolution der Schüler und Eltern kommen. Zur Demonstration gegen die Verkürzung der Ferien kamen über Facebook in kürzester Zeit 100.000 Schüler.

Autor: Katharina Nagele
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