16. Februar 2010 08:01
Helmut Graupner, Rechtsanwalt und Mastermind des Rechtskomitees Lambda, hat
in komplizierten Klagen sehr viel Routine – immerhin ging er als
Rechtsvertreter von Homosexuellen schon mehrfach bis zum Europäischen und
zum Menschenrechtsgerichtshof. Bis Ende Februar will er gleich fünf Mal mit
neuen Verfahren starten:
- „Ein homosexuelles Paar wird in Wien eine standesamtliche Trauung
beantragen“, kündigt er als ersten Schritt an.
- „Am selben Tag soll zumindest ein heterosexuelles Paar eine
eingetragene Partnerschaft, wie sie derzeit nur für Homosexuelle möglich
ist, beantragen“, droht Graupner den Behörden mit neuem
Ungemach. Denn: „Beide werden wohl abgewiesen. Dann steht Klagen
bis hin zum EuGH nichts mehr im Weg.“
- Ebenfalls eingeklagt wird die Durchführung einer Zeremonie auch außerhalb
von Standesämtern und Bezirkshauptmannschaften.
- Dazu kommt eine Musterklage wegen der „Diskriminierung im
Namensrecht“. Hier sieht Graupner extrem hohe Erfolgschancen: „Soeben
wurde das Religionsbekenntnis in Standesurkunden als
menschenrechtswidrig verurteilt. Das sollte doch auch für die
sexuelle Orientierung von Menschen gelten, die da in der Rubrik
Namensrecht eindeutig zuordenbar ist“, erklärt Graupner.
- Schlussendlich wird ein Paar die Möglichkeit der „medizinisch
unterstützten Fortpflanzung“ einklagen, also der künstlichen
Befruchtung, die vor allem bei lesbischen Lebensgemeinschaften erwünscht
ist.
Graupner: „Wir lassen uns nicht mehr pflanzen“
Die
Motivation für diese Serie von Verfassungsklagen gegen das erst seit Anfang
Jänner in Kraft befindliche Gesetz ist für den Anwalt klar: „Wir sind damit
zwar im Klub jener 18 Staaten, die eine Art Homo-Ehe zulassen. Aber
nirgendwo sind die versteckten Diskriminierungen dabei so groß wie in
Österreich. Wir lassen uns nicht mehr pflanzen“, meint Graupner.
Dass die eingetragene Partnerschaft nur ein Randphänomen sei, weil sich erst
76 Paare getraut haben, will der Aktivist nicht gelten lassen: „In Wien gab
es im Jänner 318 Ehen und 43 Partnerschaften. Das ist doch ein sehr, sehr
ordentlicher Anteil.“