17. November 2009 20:34
Die Einigung auf eine Eingetragene
Partnerschaft für Homosexuelle ist der Regierung sichtlich
schwergefallen. Bis 6.30 Uhr früh wurde am Dienstag verhandelt, um die
Homo-Ehe am Vormittag im Ministerrat einbringen zu können. Der Pakt kann
allerdings nicht am Standesamt geschlossen werden, so wie das die
Perspektivengruppe unter Josef Pröll vor zwei Jahren vorgeschlagen hatte.
Konservative ÖVP-Kreise sperrten sich bis zuletzt dagegen.
Laden Sie sich hier das Eingetragene-Partnerschafts-Gesetz
(EPG) und die Erläuterungen
herunter.
Homo-Szene gespalten: „Gesetz ist ein 1. Schritt“
Schwule
und Lesben nehmen die Einigung gespalten auf. Zufrieden ist Moderator Alfons
Haider. „Es ist ein fantastisches Zeichen, dass Josef Pröll ein Politiker
ist, der nicht nur Zukunftsperspektiven vor der Wahl in den Raum stellt,
sondern diese auch ausführt. Unter Wolfgang Schüssel wäre das noch undenkbar
gewesen. Ich begrüße das Gesetz außerordentlich. Wie bei allen Gesetzen wird
man aber auch hier nachjustieren müssen“, so Haider im Gespräch mit
ÖSTERREICH. Er würde, sofern das private Umfeld passt, mit diesem Gesetz
eine Eingetragene Partnerschaft eingehen.
Ganz anders sehen das der Musical-Star Uwe Kröger und sein Partner, der Arzt
Christopher Wolf. „Wir wollen heiraten, aber an diesem Gesetz und dieser
Diskriminierung nehmen wir nicht teil“, sagt Wolf zu ÖSTERREICH. Er versteht
nicht, warum die Partnerschaft nicht auch vorm Standesamt eingegangen werden
kann. Wolf: „Wir überlegen nun eine Hochzeit in Frankfurt als Zeichen gegen
dieses Gesetz.“ Sein Partner Kröger findet es „schade, dass die Politiker
ihre eigenen Wähler so unterschätzen“.
Grünen-Chefin Eva Glawischnig hält die Entscheidung, dass homosexuellen
Paaren das Standesamt weiterhin verwehrt bleibt, ebenfalls „vollkommen
unverständlich und absurd“. Zudem kritisiert sie das Verbot der
Stiefkindadoption für Homosexuelle.

Benachteiligung: Kind des Partners nicht adoptierbar
Im
Extremfall könnte das dazu führen, dass etwa bei einem Todesfall des
Partners dessen Kind zu einer fremden Person kommen würde, anstatt bei dem
Menschen bleiben zu können, den es als Teil seiner Familie erlebt hat. Wie
etwa beim Linzer Paar Rainer Bartel und Karl Sibelius mit Töchterchen Ella
(4). „Wenn wir die Eingetragene Partnerschaft eingehen und mein Partner
stirbt, dürfte ich zwar jedes Kind der Welt, aber nicht Ella von meinem
Partner adoptieren. Damit ist das Gesetz eine Verschlechterung der
bestehenden Situation“, so Bartel zu ÖSTERREICH.
Trotz des „nicht optimalen Gesetzes“ wollen der Musiker Simon Vosecek und
der Lehrer Johannes Langer kommendes Jahr „Ja“ sagen. „Wir prüfen jetzt aber
noch das Gesetz, um in keine Falle zu tappen“, sagt Vosecek. Die Justiz
rechnet mit 2.000 heiratswilligen Paaren im Jahr 2010.