07. Februar 2010 09:50
Im Ernstfall soll das Bundesheer Österreich verteidigen, doch in seinen
Spitälern gibt es teilweise noch nicht einmal Lifte für verletzte Soldaten.
Jetzt schlägt auch die Volksanwaltschaft Alarm: In einem neuen Prüfbericht
(siehe unten) ist die Rede von „teilweise vollkommen desolaten
Mannschaftsunterkünften“, veralteter Bausubstanz und einer „inakzeptablen
Situation“. Zwei Beispiele für den desolaten Zustand des Bundesheeres:
- Benedek-Kaserne in Bruckneudorf: Für eine Unterkunft mit 36 Betten
befinden sich die Duschräume in einem anderen Gebäude im
Keller, 200 Meter entfernt. Freilich wurden dort vor wenigen Tagen auch
zwei generalsanierte Häuser mit Dusche und WC im Zimmer eröffnet.
- Khevenhüller-Kaserne in Klagenfurt: Das gesamte Gebäude wurde
seit 70 Jahren nicht renoviert, im Spitalsgebäude gibt es keinen
Lift, getrennte Umkleidemöglichkeiten für Männer und
Frauen fehlen ebenso.
Verteidigungsminister Norbert Darabos weist gegenüber ÖSTERREICH diese
Kritik zurück: „Das Thema wird von der Volksanwaltschaft selektiv
wahrgenommen. Die Sanierung der Liegenschaften hat oberste Priorität, aber
man kann nicht alles sofort renovieren.“
Fest steht: Seit Darabos’ Amtsantritt im Jahr 2007 seien bislang rund 311
Mio. Euro in die Kasernen-Sanierung geflossen. „Bei so einem winzigen Budget
kann ich mich über solche Zustände nicht wundern“, meint hingegen
Militärexperte Gerald Karner.
Fettleibig
Die baufälligen Kasernen sind nicht das einzige
Problem des Bundesheers. Denn auch um ihren Nachwuchs müssen sich die
Militärs ernsthaft sorgen. Gleich 14 Prozent der Stellungspflichtigen waren
im Vorjahr für den Grundwehrdienst untauglich und wurden ausgemustert. 1996
lag der Anteil noch bei 10,2 Prozent.
Jeder 7. Rekrut ist untauglich fürs Heer
Erschreckend:
Österreichs Rekruten werden immer dicker. In den letzten zehn Jahren stieg
das Durchschnittsgewicht der jungen Männer gleich um drei Kilo auf 75
Kilogramm. Der Anteil der Stellungspflichtigen mit mehr als 100 Kilo
Körpergewicht habe sich sogar mehr als verdoppelt, so Militärmediziner
Wolfgang Gertl.