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Spindis "Wunder-Waffe" für Frauen

Dass sie nicht dem klassischen Frauenbild der VP-Kernschicht entspricht, weiß Sophie Karmasin wohl selbst: Die ehemalige Unternehmerin und Meinungsforscherin will sich denn auch in der Regierung für eine „bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen“, sagt sie im ÖSTERREICH-Interview.

Tochter von berühmten Marktforschern
Die 46-Jährige ist die Personalüberraschung im ÖVP-Team. VP-Chef Michael Spindelegger hatte der neuen – parteifreien – Familienministerin 23 Stunden Bedenkzeit gegeben. Die Mutter von zwei Söhnen (10 und 13 Jahre) hat „aus dem Bauch heraus Ja“ gesagt.

Bislang hatte die Wienerin aus der prominenten Marktforschungsfamilie – Vater Fritz galt als Pionier der Meinungsforschung in Österreich, Mutter Helene ist anerkannte Motivforscherin – die Politik nur von der anderen Seite gekannt. Im Wahlkampf hatte sie etwa für die ZiB2 die ORF-Wahlduelle analysiert und da durchaus auch Kritik an VP-Chef Michael Spindelegger geübt.

Die Unternehmen – Gallup und ihr Karmasin-Institut – hat sie an die Familie übergeben. Sie selbst sieht sich als Liberale. Spindelegger will sie denn auch als „Wunderwaffe“ gegen die NEOS einsetzen. Die ÖVP hatte zuletzt bekanntlich ein massives Problem bei Frauen und im städtischen Bereich.

Ihr neues Büro im Dachgeschoss am Franz-Josefs-Kai hat sie noch nicht eingerichtet. Das habe Zeit. In der Politik will sie sich jedenfalls „treu bleiben“. Genau das könnte ihr Erfolgsrezept werden …

Karmasin: »Bleibe mir selbst treu«
ÖSTERREICH: Wen haben Sie um Rat gefragt, ob Sie Ministerin werden sollen?
Sophie Karmasin: Ich hatte 23 Stunden Zeit und habe besonders intensiv mit meinem Mann und meiner Mutter geredet. Und ich habe auch meine Kinder gefragt.

ÖSTERREICH:
Haben Ihnen alle zugeraten?
Sophie Karmasin: Meine Familie hat mich gefragt: „Möchtest du es machen?“ Und ich habe Ja gesagt. Wir sind nicht naiv, wir haben darüber gesprochen, was wir mit den Firmen machen, was das für unsere Zeit bedeutet, aber sie haben mich bestärkt und gesagt: „Wir stehen zu 100 Prozent hinter dir. Es ist wichtig, dass Menschen wie du auch in die Politik gehen.“

ÖSTERREICH: Und Ihre Söhne?
Sophie Karmasin: Denen ist die Tragweite wohl nicht ganz klar. Aber der ältere (13 Jahre) hat gesagt: „Das ist gescheit, wenn du das machst, Mama, weil dann kannst du etwas für uns tun.“ Genau das habe ich vor: Ich möchte, aus der Praxis kommend, mich für Familien einsetzen.

ÖSTERREICH: Wie sollen Sie das verstaubte ÖVP-Familienbild modernisieren?
Sophie Karmasin: Ich kenne aus eigener Erfahrung, aber auch von Studien, die wir gemacht haben, die Herausforderungen und Probleme für Familien. Michael Spindelegger gibt mir die Chance, meine Erkenntnisse einzubringen, darüber bin ich sehr froh. Ich möchte die Vereinbarkeit von ­Familie und Beruf verbessern. Aber ich werde sicher nicht moralische Instanz spielen, die erklärt, wie ­Familien zu sein haben. Es gibt unterschiedlichste Modelle von Familien.

ÖSTERREICH: Kinderbetreuungseinrichtungen hinken hinterher, oder?
Sophie Karmasin: Im europaweiten Vergleich haben wir gerade im Kleinkindbereich Defizite. Wir haben zwar rund 90 Prozent, der 3 bis 6-Jährigen, die in Kindergärten gehen, aber mit sehr unterschiedlichen Öffnungszeiten …

ÖSTERREICH: … über die die Länder entscheiden …
Sophie Karmasin: Ich möchte mich keinesfalls über die Länder hinwegsetzen, aber mit ihnen gemeinsam auf die Bedürfnisse der Familien aufmerksam machen. Ich freue mich sehr, dass das Budget im Familienministerium mehr wird, etwa durch die Erhöhung der Familienbeihilfe. Das zeigt, dass die Verhandler ein familienfreundlicheres Klima schaffen wollen. Das hilft dann vielleicht, auch mehr Frauen in Führungspositionen zu sehen. Derzeit gibt es von den Top-200-Unternehmen in unserem Land nur ganz wenige Frauen in der Geschäftsführung. Ich möchte da Ressort- und Parteiübergreifend mit anderen Ministern zusammenarbeiten, um das zu verbessern.

ÖSTERREICH: Wie gut kennen Sie Spindelegger?
Sophie Karmasin: Ich habe ihn erst durch die Wahlkonfrontationen im ORF wirklich kennengelernt. Er hat mich erst vergangenen Mittwoch gefragt.

ÖSTERREICH: Sie sollen für die ÖVP die Flanke gegen die NEOS schließen, nicht?
Sophie Karmasin: Ich kann nicht beurteilen, was jemand in mich hineininterpretiert. Ich bin parteineutral, weltoffen, leistungsorientiert und liberal. Ich werde mir da treu bleiben. Wenn das der ÖVP helfen sollte, dann habe ich nichts dagegen.

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