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Standing Ovations für Kanzler Kern

"Robin Hood"-Rede

Standing Ovations für Kanzler Kern

SPÖ-Chef Bundeskanzler Christian Kern hat am Donnerstag bei einem Bundesparteirat versucht, seine Genossen für den anlaufenden Wahlkampf zu motivieren. "Ich werde kämpfen", gab sich Kern trotz interner Turbulenzen und bescheidener Umfragewerte zuversichtlich für den 15. Oktober. "Dieses Land braucht einen Plan und wir haben einen", versicherte er und vergaß auch nicht auf Spitzen gegen die ÖVP.

Angriffig gegenüber den Schwarzen zeigte sich Kern vor über 600 Delegierten und Gästen in der Messe Wien etwa mit Kritik an deren Großspendern."Die Förderer öffnen nicht ihre Herzen, sondern ihre Geldbörsen", aber hinter der "Fassade" gehe es immer um ganz konkrete Interessen, warnte er. "Eure Finanzkraft beeindruckt mich nicht", meinte Kern Richtung ÖVP, und "eure Zeitungsfreunde beeindrucken mich noch weniger", übte sich der SPÖ-Chef auch in Medien-Bashing.

Die SPÖ brauche kein "Popstar-Casting" für die Wahllisten und müsse sich auch nicht als neu darstellen. "Wir sind nämlich nicht neu - im Gegenteil, unsere Idee hat eine stolze Geschichte", nämlich "dass alle Menschen gleich viel wert sind" und "alle das Recht haben auf ein gutes Leben". Wenn man sich nur um sein Einkommen als Chef einer Bank oder eines Konzerns schere und "kein soziales Gewissen" habe, "dann wählen Sie am besten die Schwarz-Türkisen oder die Blauen", empfahl Kern. "Ich kämpfe jeden Tag dafür, dass vom Aufschwung alle in diesem Land profitieren und nicht nur einige wenige."

Veränderung mit "Fingerspitzengefühl"

Das Land brauche Veränderung, aber mit "Verantwortung", "Fingerspitzengefühl und "Kompetenz", meinte Kern. Die SPÖ habe einen Plan - einen solchen zu entwickeln, sei "aufwändiger als mit Schlagworten und Schlagzeilen zu provozieren", richtete er ÖVP-Chef Sebastian Kurz aus. Mit dem roten Plan werde man Österreich in den nächsten zehn Jahren "zu einer modernen Vorzeigenation" machen, glaubt Kern. Darum gehe es am 15. Oktober: "Ein paar flotte Sager oder ein ernsthafter Plan." Er werde jedenfalls "nicht zulassen, dass diese Politspielchen auf Österreichs Rücken ausgetragen werden - mit Österreich spielt man nicht", betonte der Kanzler.

Hatte er am Vortag noch gegenüber Journalisten behauptet, der Wahlkampf habe noch gar nicht begonnen, räumte Kern am Donnerstag ein: "Ja, es ist Wahlkampf. Und er wird noch weit intensiver werden. Wir werden für unsere Ideen rennen und die Menschen von unseren Plänen überzeugen." Von Umfragen will er sich nicht demotivieren lassen: "Ich halt's mit den Umfragen wie mit dem Horoskop, ich glaub an beide nicht. Aber ich hab' gelernt, die statistische Wahrscheinlichkeit, dass das Horoskop stimmt, ist größer."

Auch auf Skepsis in eigenen Reihen eingegangen

Auch ging Kern auf Skepsis in den eigenen Reihen ein. "Nein, das wird nicht leicht, diesen Kampf zu gewinnen", glaubt auch der Parteichef - das sei es für andere im täglichen Leben aber auch nicht, befand er sinngemäß. Man könne "diesen Kampf mit reinem Herzen und mit einem Lächeln im Gesicht führen, weil wir für die richtige Sache eintreten", zeigte sich Kern überzeugt. Man kämpfe für jene, "die uns brauchen", "die zu kurz gekommen sind". Es gehe etwa um die, "die auf ihre Arbeit angewiesen sind und keine Millionen erben" oder Frauen, die noch immer nicht gleich viel verdienten wie die Männer.

"Wer diesen Kampf nicht führen will, der soll es jetzt sagen", sprach Kern indirekt Quertreiber in den eigenen Reihen an. Zuletzt hatte Kern unter anderem damit zu kämpfen, dass interne Informationen oder auch das Wahlprogramm an die Medien gespielt wurden. Wer nicht mitmachen wolle, "der soll das jetzt sagen. Denn diese Menschen zählen auf uns und ich werde sie nicht enttäuschen", meinte Kern. "Ich werde kämpfen", rief der Kanzler unter tosendem Applaus. "Das ist unsere gemeinsame Auseinandersetzung", deshalb wolle er von seinen Genossen wissen: "Werdet ihr mit mir rennen? Werdet ihr mit mir für diese Menschen kämpfen?" Das Publikum antwortete mit Jubelrufen und Klatschern, vereinzelt wurden rot-weiß-rote Fähnchen geschwungen.

Gemäß dem Kampagnen-Slogan bekräftigte Kern: "Es ist an der Zeit, dass die Menschen in diesem Land bekommen, was ihnen zusteht." Die roten Funktionäre sollten die nächsten Wochen jeden einzelnen Tag dafür nützen, "eine einzige Botschaft unter die Leute zu bringen: Holt euch, was euch zusteht." Die Wahlkämpfer sollen bei Arbeitern, Studenten, Frauen, Pensionisten, Lehrlingen und Unternehmern dafür werben, bat Kern. "Geht zu allen Menschen dieses Landes, die sich so schwertun, über die Runden kommen, während andere sich die Taschen vollstopfen", gab er sich klassenkämpferisch.

Er wolle, dass in den nächsten Monaten klar werde, dass der 15. Oktober der Tag sei, "an dem sich die Österreicherinnen und Österreicher holen, was ihnen zusteht", versuchte Kern, seine Mannschaft für den Wahlkampf zu motivieren. Das waren die Genossen offenbar zumindest nach der 40-minütigen Rede, die sie mit minutenlangen Standing Ovations bedachten. Kern versicherte sogleich, dass man für 15. Oktober ohnehin schon ein "großes Partyzelt" angemietet habe.

Top 20 der SPÖ-Bundesliste zur Nationalratwahl 2017

1.  Christian Kern
2.  Joy Pamela Rendi-Wagner
3.  Wolfgang Katzian
4.  Gabriele Heinisch-Hosek
5.  Thomas Drozda
6.  Doris Bures
7.  Andreas Schieder
8.  Muna Duzdar
9.  Georg Niedermühlbichler
10. Elisabeth Feichtinger
11. Mario Lindner
12. Renate Anderl
13. Rainer Wimmer
14. Katharina Kucharowits
15. Oliver Stauber
16. Julia Elisabeth Herr
17. Christoph Matznetter
18. Doris Margreiter
19. Wolfgang Moitzi
20. Eva-Maria Holzleitner
 

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