Strache:

ÖSTERREICH-Interview

Strache: "Auch als Zweiter in die Regierung"

Er ist braun gebrannt – und nach dem ÖSTERREICH-Interview hat sich Heinz-Christian Strache trotz der Hitze gleich ins Fitnessstudio begeben. Strache ist eben von seinem Ibiza-Urlaub zurückgekehrt; in der letzten Woche standen auch Foto-Shootings für Plakate an.

FPÖ geht mit "Österreich zuerst" in die Wahl

Das Motto der Wahlkampagne steht schon fest: ­„Österreich zuerst“. Mitte August wird sich der FPÖ-Chef inoffiziell dann so richtig in den Wahlkampf werfen. Beschei­dene Umfragewerte haben Strache zurückhaltend gemacht. Kanzleranspruch ist ihm derzeit keiner zu entlocken, sogar als Zweiter in die Regierung würde er gehen, wenn nur die Inhalte stimmen …

ÖSTERREICH: Sie starten offiziell erst am 16. September den Wahlkampf. Ist das nicht ein bisschen spät?

HC STRACHE: Ich sage mir mit Blick auf SPÖ und ÖVP: Lasst die anderen streiten. Wer zu früh kommt, den bestraft oft die Geschichte.

ÖSTERREICH: Wer zu spät kommt, den bestraft sie auch.

STRACHE: Deshalb muss man immer zum richtigen Zeitpunkt kommen.

ÖSTERREICH: Was ist von Ihrem Wahlkampf zu erwarten? Sie trommeln „Österreich zuerst“.

STRACHE: Ganz einfach: Seit zehn Jahren sind SPÖ und ÖVP an der Regierung – sie sind zuständig für massive Missstände. Etwa die illegale Einreisewelle 2015. Der Herr Kurz war damals schon in der Regierung. Wie sie uns diffamiert und beschimpft haben, weil wir damals auf die Missstände aufmerksam gemacht haben!

ÖSTERREICH: Kurz führt in den Umfragen und nimmt Ihnen thematisch die Butter vom Brot. Was tun Sie dagegen?

STRACHE: Er kupfert von uns doch nur ab. Umsetzung gibt es bis heute keine. Beispiel: Wir fordern den Abbruch der EU-Verhandlungen mit der Türkei. Was erleben wir? Kurz kopiert mich – in der Realität stimmt die ÖVP im EU-Parlament dagegen.

ÖSTERREICH: Das nennen Sie …

STRACHE: … nicht ehrlich nenne ich das. Das ist doch alles Show bei ihm.

ÖSTERREICH: Ist Kurz Ihr Hauptgegner? Wie wollen Sie Nummer 1 werden?

STRACHE: Darum geht es nicht. Sondern es geht darum, wie man in Österreich die notwendige Zeitenwende sicherstellen kann. Wir starten auf der dritten Position bei 20,5 % und wollen so stark zulegen, dass Rot-Schwarz oder Schwarz-Rot keine Mehrheit hat.

ÖSTERREICH: Wollen Sie Kanzler werden? Ist das Ihr Ziel?

STRACHE: Es gibt keine Kanzlerwahl, es gibt eine Parteienwahl. Es wird einen Zweikampf geben – den Zweikampf HC Strache mit der FPÖ gegen Rot-Schwarz. Das ist der Zweikampf.

ÖSTERREICH: Ihr Stellvertreter Norbert Hofer sagt: Eigentlich super: Kurz nimmt unsere Inhalte auf, dann fällt es uns nach der Wahl leichter, das in Koalitionsverhandlungen umzusetzen.

STRACHE: Das kann man so sehen.

ÖSTERREICH: Also geht es leichter mit Kurz?

STRACHE: Nein, den Schaden hat er in den letzten sechs Jahren als Regierungsverantwortlicher angerichtet. Glauben Sie wirklich, dass derjenige, der den Brand gelegt hat, letztendlich auch der Brandlöscher ist?

ÖSTERREICH: Drei Bedingungen, unter denen Sie in die Regierung gehen?

STRACHE: Punkt 1: Die direkte Demokratie muss nach Schweizer Vorbild ausgebaut werden. Punkt 2 ist der Kampf gegen Parallelgesellschaften. Alles, was mit dem politischen Islam zu tun hat, gehört verboten. Es geht aber auch um Sicherung der EU-Außengrenzen. Und wenn diese nicht klappt, müssen Kontrollen bei uns her. Da reicht es nicht, wie der Herr Kurz über eine Schließung der Mittelmeerroute zu reden.

ÖSTERREICH: Also Kontrollen am Brenner …

STRACHE: Ja, und wir brauchen in Wahrheit eine Flücht­lings-Nullquote, und nicht jene 35.000, die die Regierung einplant.

ÖSTERREICH: Punkt 3 ist wohl die Steuersenkung?

STRACHE: Zuerst eine Staats- und Verwaltungsreform, von der wir seit Jahren hören. Wir müssen die Abgaben­quote deutlich unter 40 % treiben. Eine Absenkung auf 40 %, wie Kurz sie will, ist zu wenig. Arbeiter, Angestellte und Unternehmer, das sind die Leistungsträger – sie müssen entlastet werden.

ÖSTERREICH: Gingen Sie auch als Zweiter in die Regierung?

Strache: Selbstverständlich. Das ist keine Frage des Platzes, sondern eine Frage des Rückhalts in der Bevölkerung. Und am Ende wird immer das Verhandlungsergebnis entscheidend sein.

ÖSTERREICH: Begrüßen Sie den Rückzug von Johannes Hübner?

STRACHE: Ich nehme seine persönliche Entscheidung respektvoll an. Er hat erkannt, dass hier eine Kampagnisierung gegen ihn in Vorbereitung war.

ÖSTERREICH: Was er gesagt hat, kritisieren Sie nicht? Dass unser Verfassungsvater Kelsen eigentlich Kohn geheißen habe?

STRACHE: Das ist so ein Geheimcode, von dem keiner Bescheid weiß. Auch ich selbst musste das recherchieren. Faktum ist, Kelsen hieß immer Kelsen – nie Kohn.

ÖSTERREICH: Und dafür kommt jetzt Martin Graf?

STRACHE: Ich kann diese Aufregung nicht verstehen. Alle Vorwürfe gegen ihn wurden fallen gelassen. Er ist ein unbescholtener Staatsbürger.

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