Skandal um "Juden"-Spruch

Skandal um "Juden"-Spruch

Strache: "Politische Schlammschlacht"

Bundespräsident Fischer stoppt nun Ordensverleihung für Strache. Wie der FPÖ-Chef seine umstrittenen Juden-Vergleiche rechtfertigt.

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Das gab es in der Zweiten Republik wohl noch nie: Ein Bundespräsident höchstpersönlich stoppt eine Ordensverleihung an einen aktiven Spitzen-Politiker. Nach dem Eklat um HC Strache am Burschenschafterball („wir sind die neuen Juden“) zog Heinz Fischer die Notbremse. Er werde „die geplante Verleihung eines hohen Ehrenzeichens der Republik an Heinz-Christian Strache zurückstellen“, verkündete er gestern trocken in einer Aussendung.

Das heißt: Bis auf Weiteres wird der FPÖ-Chef doch keinen Orden („Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern“) erhalten. Grund: Straches Ball-Talk vergangenen Freitag in der Hofburg. Die Demos gegen seine Kameraden am WKR-Ball hatte Strache da mit der mörderischen November-Pogromnacht der Nazis gleichgesetzt. Die Burschenschafter soll er gar als „neue Juden“ bezeichnet haben. Für Fischer – und nicht nur für ihn – hat Strache damit sämtliche Grenzen überschritten. Hätte der FP-Chef tatsächlich noch diese Woche wie geplant das Ehrenzeichen erhalten, wäre der Wirbel (national und international) perfekt gewesen.

Schließlich hatte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, schon angekündigt, eine Anzeige wegen des Verdachtes des Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz gegen Strache einbringen zu wollen.

Diashow Strache am WKR-Ball

WKR-Ball in Wiener Hofburg

WKR-Ball in Wiener Hofburg

WKR-Ball in Wiener Hofburg

WKR-Ball in Wiener Hofburg

WKR-Ball in Wiener Hofburg

WKR-Ball in Wiener Hofburg

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VP-Chef attackiert Strache, internationale Schlagzeilen

SPÖ, Grüne, ÖVP und selbst das BZÖ verurteilen die Strache-Sager deutlich.  VP-Chef Michael Spindel­egger kritisierte den Ober-Blauen noch gestern ungewohnt scharf („innerlich empört“). Internationale Medien wiederum berichten empört über den Burschenschafterball just am Holocaust-Gedenktag. Selbst die ABCNews – eine der größten US-Nachrichten-Sendungen – berichteten: „Während ein Teil des Landes der Holocaust-Opfer gedenkt, tanzen andere auf rechtem Ball.“

Die FPÖ-Maschinerie ritt naturgemäß zur Verteidigung aus. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl ätzte, dass Fischer „auf Zuruf der linken Jagdgesellschaft“ agiere.Strache selbst sieht sich – frei nach Idol Jörg Haider – als armes, missverstandenes „Opfer“ einer „Jagdgesellschaft“.

Der FPÖ-Obmann, der nach der nächsten Nationalratswahl gerne mitregieren würde, versucht zudem, seine Vergleiche zu relativieren. Er habe nicht versucht, Gräueltaten der Nazis zu verharmlosen.

Aber: Selbst Straches Ball-Gast, Frankreichs extrem rechte Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen, muss sich nun für ihren Besuch an Straches Seite in ihrer Heimat rechtfertigen. „Natürlich gebe es unter den Burschenschaftern auch Nazis, aber Madame Le Pen war Straches Gast“.                  

Strache: "Alles wurde verdreht"

Frage: Wollen Sie sich für den Vergleich entschuldigen?
Heinz-Christian Strache: Ich bin entsetzt und empört, dass Aussagen von mir von einem Standard-Journalisten völlig verdreht wiedergegeben worden sind. Ich habe tiefstes Mitgefühl mit den Opfern des Holocausts. Aber: Gibt es etwas Schlimmeres als das Beschimpfen von anständigen Ballgästen als Nazis? Wenn Frauen bespuckt, sogar geschlagen werden, dann ist das eine Entwicklung, die schrecklich ist, und darüber haben wir am Ball ausführlich diskutiert.

Frage: Sie haben die Burschenschafter also nicht als „neue Juden“ bezeichnet?
Strache: Ich bin empört, wie die Dinge verdreht werden. Solche Vergleiche habe ich nicht angestellt. Das Zitat „Wir sind die neuen Juden“ stammt von Jörg Haider, der hat das einmal gesagt und über diesen Satz haben wir auch diskutiert. Wenn das die neue Ethik des Journalismus ist, dann ist das schon ein sehr bezeichnender Zustand.

Frage: Bundespräsident Heinz Fischer will Ihnen nun keinen Orden verleihen?
Strache: Der Herr Bundespräsident hat mich weder angerufen noch befragt. Mir geht es auch nicht um den Orden, sondern darum, wie die höchste Instanz des Landes mit dieser Situation umgeht. Ich finde es als verharmlosend und verletzend, dass man anständige Ballbesucher als Nazis beschimpft.

Frage: Warum haben Sie den Begriff Reichskristallnacht verwendet?
Strache: Das Wort ist in einem anderen Zusammenhang gefallen.

Frage: Warum, glauben Sie, wird immer Ihre Partei in die rechte Ecke gedrängt?
Strache: Ich bin doch der, der seit Jahren eine klare Abgrenzung verlangt. Meine Partei hat mit Nazis nichts zu tun. Provokationen gibt es auch in anderen Parteien.

Autor: (isa)
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