05. Mai 2010 19:21
© Lisi Niesner/TZ ÖSTERREICH
Sie ist knapp 30 Jahre alt – und sitzt erst seit einer Woche im Zimmer 153
des Wiener Neustädter Gerichts. Katharina E. (voller Name der Redaktion
bekannt) wird von Gerichtssprecher Hans Barwitzius abgeschirmt wie ein
Staatsoberhaupt nach einer Terrordrohung.
Denn die blutjunge Richterin Katharina E. hat den derzeit brisantesten Fall
des Wiener Neustädter Straflandesgerichts übernommen – die Ermittlungen nach
der Anzeige von FP-Chef Heinz-Christian Strache gegen ORF-Redakteur Ed
Moschitz und zwei junge Skinheads, die Strache mit „Sieg Heil“-Rufen
provoziert haben sollen.
Richterin ist erst seit einer Woche in Amt und Würden
Weil
der Staatsanwaltschaft der glamouröse Fall gar zu heikel war, warf sie die
brennheiße Kartoffel jetzt dem Gericht zu. Wo Katharina E. per
Geschäftsordnung zuständig ist. Und die Jungrichterin für Medien-,
Sittlichkeits- und Jugendverfahren erhielt mit dieser Polit-Causa ihren
allerersten Fall.
„Ich kann und darf mich zur Causa überhaupt nicht äußern. Bitte, bitte
wenden Sie sich an den Gerichtssprecher“, sagt sie leicht verzweifelt, als
sie von ÖSTERREICH angerufen wird. Es ist schließlich mehr als heikel,
darauf zu antworten, ob sie auch so weit gehen würde, Beugehaft über die
ORF-Bosse von Alexander Wrabetz über Elmar Oberhauser bis zu Magazinchef
Johannes Fischer zu verhängen.
Denn die hatten sich geweigert, bei einer Razzia des Verfassungsschutzes das
Videoband herauszugeben, obwohl darauf – entgegen Straches Aussage – keine
Spur von „Sieg Heil“-Rufen zu finden war.
Statt der Richterin antwortet Sprecher Barwitzius: „Es wird für niemand
Extrawürste geben. Alle, von Strache bis zu den ORF-Mitarbeitern, können zum
Verhör vorgeladen werden. Und dann werden natürlich auch entsprechende
Maßnahmen durchgesetzt.“ Die allerletzte Entscheidung über eine Anklage
liegt dann aber wieder bei der Staatsanwaltschaft.