13. März 2010 17:48
Es hätte das Jahr des Heinz-Christian Strache werden sollen. Auf einer Welle
von Stimmen enttäuschter ÖVP-Wähler wollte der FPÖ-Chef von der
Präsidentschaftswahl am 25. April zur Wien-Wahl im Oktober zum Erfolg
surfen: Doch der Zick-Zack-Kurs seiner Präsidentschaftskandidatin Barbara
Rosenkranz in Sachen NS-Vergangenheit und Verbotsgesetz schadet nicht nur
ihr, wie in der aktuellen ÖSTERREICH-Gallup-Umfrage
zu sehen ist.
Josef Pröll: „Unsaubere Haltung zu NS-Ideologie“
Laut
einer profil-Erhebung glauben 37% der Österreicher, die Kandidatur der
zehnfachen Mutter aus Niederösterreich schade längst Strache selbst und
seinen Ambitionen, im Oktober den Wiener Bürgermeister Michael Häupl ins
Straucheln zu bringen.
Tatsächlich wird die Ablehnung gegen Rosenkranz immer vehementer: Bis auf
die FPÖ haben sich alle Parteien klar gegen Rosenkranz ausgesprochen.
ÖVP-Chef Josef Pröll antwortet gegenüber ÖSTERREICH für einen Politiker
ungewöhnlich direkt: „Frau Rosenkranz ist für mich aufgrund ihrer unsauberen
Haltung zur NS-Ideologie nicht wählbar.“
Und auch in der Wirtschaft bildet sich eine breite Front gegen Rosenkranz:
Siemens-Generaldirektorin Brigitte Ederer meint in MADONNA: „Wer zu einem
Bekenntnis zur Republik erst mit Nachdruck gedrängt werden muss, sollte über
seine Befähigung für das höchste Amt im Lande nachdenken.“
Und was tut Strache? Seine Rechnung, mit Rosenkranz vor allem bei den
ländlichen Kirchengängern zu punkten, ist spektakulär gescheitert.
Jetzt versucht er eine Doppelstrategie: In ÖSTERREICH stellt er sich zwar
hinter Rosenkranz, attackiert Bundespräsident Fischer und gibt für den
Wahlkampf die Parole „Jetzt erst recht“ aus. Auf der anderen Seite
distanziert er sich vorsichtig von Rosenkranz. So sei die Wiener Wahl
wichtiger, und: „Ich glaube, dass die Österreicher genau zwischen den
unterschiedlichsten Wahlen differenzieren.“
Jubelte der ORF Strache drei Skinheads unter?
Gleichzeitig
begibt sich der FPÖ-Chef in die Opferrolle: Ihm seien, so wetterte Strache
am Samstag, bei einer Wahlveranstaltung in Wiener Neustadt drei Skinheads
untergejubelt worden. Die drei hätten sich mit ihm filmen lassen wollen und
auf Aufforderung eine ORF-Redakteurs („Sagt’s es endlich!“) hätten sie „Sieg
Heil“ gerufen. Strache fordert jetzt den Rücktritt von ORF-Info-Direktor
Elmar Oberhauser. Der konterte: „Ich gehe davon aus, dass alles
journalistisch korrekt abgelaufen ist. Die Vorwürfe werden untersucht.“
UMFRAGE: Rosenkranz ohne Chance
Fünf Prozentpunkte minus in zwei Wochen – das gibt es in der
Meinungsforschung nicht oft. FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara
Rosenkranz legt noch vor Beginn des Wahlkampfs einen veritablen
Fehlstart hin: War sie im direkten Vergleich mit Bundespräsident Heinz
Fischer vor zwei Wochen noch auf 21 Prozent gekommen, so stürzt sie in der aktuellen
ÖSTERREICH-Gallup-Umfrage auf 16 Prozent ab – Fischer läge damit im
Direktvergleich bei sage und schreibe 84 Prozent.
Der Grund: Die Österreicher nehmen der FPÖ-Kandidatin ihre Distanzierung vom
Nationalsozialismus und von ihrer noch vor wenigen Tagen aufgestellten
Kritik am NS-Verbotsgesetz nicht ab. Immerhin 63 Prozent sehen die zehnfache
Mutter mit betont nationalem Hintergrund und rechtsrechtem Ehemann „nahe dem
NS-Gedankengut“.
Das macht Rosenkranz nicht nur für Anhänger der ÖVP unattraktiv: Nur 20
Prozent der Befragten halten Rosenkranz für „grundsätzlich“ wählbar, die
überwältigende Mehrheit von 72 Prozent nicht. Bürgerliche (ÖVP-)Wähler
würden Rosenkranz nur zu 18 Prozent ankreuzen. Im Gegenzug schadet
Rosenkranz ihre Distanzierung vom rechten Rand bei der eigenen Klientel:
Denn auch bei den FPÖ-Wählern können sich 29 Prozent jetzt nicht mehr nicht
vorstellen, ihr Kreuz bei der eigenen Kandidatin zu machen.