16. Dezember 2009 17:16
Heinz-Christian Strache ist am Mittwoch wohl der größte Coup seiner
Karriere geglückt. Viereinhalb Jahre nach der Abspaltung des BZÖ kehrt die
mit Abstand stärkste Landesgruppe des Bündnisses, jene aus Kärnten, in den
freiheitlichen Schoß zurück. Damit ist das BZÖ massiv geschwächt, das
freiheitliche Lager fast geeint.
Werben um das BZÖ seit Haiders Tod
Strache arbeitete
unterstützt von Generalsekretär Herbert Kickl schon lange an diesem Modell.
Schon nach dem Tod von Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider warf er erstmals
die Angel nach den Kärntner Orangen aus, damals war es noch zu früh. Jedoch
fand er alsbald im mächtigen Kärntner Bündnis-Obmann Uwe Scheuch einen
kongenialen Partner, der sich im Rahmen der Fusionsgespräche eine Autonomie
für seine Landesgruppe sicherte. Der Rest des BZÖ - allen voran alte Feinde
wie Peter Westenthaler oder Ewald Stadler - waren von der Bundes-FPÖ ohnehin
nie erwünscht.
Dass man überhaupt wieder auf die Kärntner zurückgreift, hat praktische
Gründe. Denn das BZÖ stellt in Kärnten immerhin den Landeshauptmann, während
die FPÖ heuer sogar am Einzug in den Landtag scheiterte. Und auch bei der
letzten Nationalratswahl nahm das Bündnis damals noch unter Jörg Haider den
Freiheitlichen wichtige Stimmen weg.
Düstere Prognosen
Als Strache an die Spitze der Partei
kletterte, sah es noch gar nichts danach aus, als könnte er seinem Ruf als
freiheitlichem Hoffnungsträger gerecht werden. Eben hatte sich die
Ministerriege gemeinsam mit der Kärntner Landesgruppe und dem größten Teil
des Parlamentsklubs ins BZÖ abgesetzt, schon musste er das blaue Steuer
übernehmen. Die Prognosen waren düster.
Doch Strache konnte unterstützt von seinen Generalsekretären Herbert
Kickl und Harald Vilimsky die Partei wieder ordnen. Bei seinem ersten
Antritt als Spitzenkandidat in Wien holte er 2005 fast 15 Prozent, was zwar
Verluste bedeutete - aber lange nicht so hohe wie erwartet. 2006 bei der
Nationalratswahl reichte es immerhin zu elf Prozent, ehe die Freiheitlichen
dank Neuwahl im Vorjahr 17,5 Prozent und damit wieder Rang drei in der
Wählergunst eroberten. Damit gewann er auch das einzige direkte Duell mit
seinem früheren Vorbild Jörg Haider. In Umfrage liegt die FPÖ längst wieder
über 20 Prozent.
Foto-Affäre
Das erstaunliche an Straches Aufstieg ist, dass
er durchaus Tiefen zu überwinden hatte. Da waren etwa Fotos des FPÖ-Chefs
aus seiner Jugend, die ihn bei "Waldspielen" zeigten. Strache spricht bis
heute von Paintball-Spielen und Jugendsünden, an Wehrsportübungen habe er
nie teilgenommen. Strache gab freilich im Zuge der Affäre Kontakte zur
neonazistischen Jugendorganisation "Wiking Jugend", die 1994 in Deutschland
verboten wurde, zu. Neonazi will Strache aber nie gewesen sein.
Rustikale Zweikämpfe sind dem blauen Frontmann, Mitglied der
deutschnationalen schlagenden Burschenschaft Vandalia, freilich nicht fremd.
Er hat schon zweimal mit der Forderung nach Satisfaktion - einmal von einem
Salzburger Arzt und ein anderes Mal von einem 17-jährigen
oberösterreichischen Burschenschafter - für Spott gesorgt.
Anti-Ausländer-Kurs
Zuletzt eckte Strache, der einen
strammen Anti-Ausländer-Kurs fährt, an, als er mit dem Kreuz in der Hand
gegen ein islamisches Gebetszentrum in Wien zu Felde zog. Das war auch der
katholischen Kirche zu viel, die öffentlich Kritik übte. Ebenfalls auf
kirchlichen Widerstand stießen Slogans wie "Daham statt Islam" oder
"Heimatflug statt Asylbetrug".
Geboren wurde der zweifache Vater Strache am 12. Juni 1969 in Wien. Nach
Abschluss seiner Zahntechniker-Lehre wurde er 1991 mit nur 21 Jahren
Bezirksrat. Von seiner aus der Gastronomen-Familie Plachutta stammenden Frau
Daniela ist er geschieden, kürzlich endete auch die Beziehung zu Freundin
Andrea.
Damit kann Strache wieder als fescher Single in den Discos punkten. Schon
in den letzten Wahlkämpfen war ihm der Kontakt zur Jugend nicht fremd.
Autogramme gab es auf Wunsch sogar auf Dekolletes. Bei den Jungwählern
punktete Strache mit diesen Auftritten aber offenbar ebenso wie mit seinen
Comics, die ihn als HC-Man durch die Welt fliegen lassen. Seine große
Schlacht findet im kommenden Jahr statt. 2010 will Strache Bürgermeister von
Wien werden. Das wird schwierig, aber Sorgen wird er der SPÖ wohl einige
bereiten, umso mehr als die Heimkehr der Kärntner sein Macher-Image wohl
weiter aufpoliert.