Streit um Lehrer-Gagen

Neues Dienstrecht

Streit um Lehrer-Gagen

Der Beruf des Lehrers soll völlig umgekrempelt werden. Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) startet mit ihrer Charmeoffensive bei Junglehrern (sie besucht die Pädak in Wien) – und lässt die Gewerkschaft links liegen. Diese schießt bereits aus allen Rohren – hält Protestveranstaltungen an 600 Schulen ab – und warnt vor „Grauslichkeiten“.

Die Stimmung ist explosiv. Schmied will mit den Gewerkschaftern derzeit nicht reden, denn diese stehen vor Personalvertretungswahlen im November – die Ministerin will nicht in den Wahlkampf gezogen werden.

Verhandlungen mit Lehrern ab Jänner 2010
Aber: Erste Details des neuen Dienstrechts für Lehrer sickern schon durch:

  • 400 Euro mehr
    Ein Volksschullehrer bekommt derzeit rund 1.800 Euro als Brutto-Einstiegsgehalt, AHS-Lehrer 2.000 Euro (unter EU-Schnitt). Am Ende der Berufskarriere verabschieden sich AHS-Lehrer mit rund 5.000 Euro (über EU-Schnitt) in die Pension. In Zukunft soll die Gehaltskurve flacher gestaltet werden – heißt: Junge Lehrer bekommen ein höheres Einstiegsgehalt auf Akademikerniveau von 2.200 Euro, ältere Lehrer werden künftig weniger verdienen. Das Gehalt soll sich auch am Leistungsprinzip orientieren: Wer sich mehr engagiert, bekommt mehr Geld aufs Konto. Vom Feedback der Schüler und von der Direktion soll das abhängig gemacht werden.
  • Arbeitszeit: 8 bis 16 Uhr
    Ganztagsschulen werden österreichweit ausgebaut. Dafür müssen die Lehrer aber auch mehr Zeit in der Schule verbringen. Aus einer Lehrverpflichtung von 20 Stunden wird auch für die Lehrer die 40-Stunden-Woche am Arbeitsplatz üblich. Und: Nachmittagsbetreuung und Förderunterricht sind künftig keine Überstunden mehr.
  • Gemeinsame Lehrerausbildung
    Die derzeit völlig unterschiedlichen Ausbildungswege für Pädagogen sollen unter ein Dach kommen: Eine gemeinsame Basis-Ausbildung auf universitärem Niveau ist geplant.

Pensionierungswelle ermöglicht Neuanfang
Schmied sieht nun den besten Zeitpunkt, um ein völlig neues Dienstrecht und eine gemeinsame Lehrerausbildung zu schaffen. Denn durch die Pensionierungswelle ab 2013 kommt es zu einem Generationenwechsel. Sie hofft auf junge, leistungsorientierte Lehrer, die mit dem Denken der Gewerkschaft nichts am Hut haben. „Aus dem Halbtagsjob Lehrer muss ein richtiger Ganztagsjob werden“, heißt es aus dem Ministerium.

Hintergrund: Der Ausbau der Ganztagsschulen ist mit dem bestehenden Dienstrecht nicht leistbar: Nachmittagsbetreuung sowie Förderunterricht werden als Überstunden bezahlt. Das Ministerium wendet dafür pro Jahr zehn Millionen Euro auf.

Die Gewerkschaft befürchtet schmerzhafte Einschnitte und drängt auf Verhandlungen noch vor den Wahlen Ende November. „Sie kann nur extreme Grauslichkeiten vorhaben, denn warum sonst verhandelt sie nicht jetzt schon mit uns?“, fragt AHS-Gewerkschafterin Eva Scholik. Die Ministerin wolle eine Debatte vermeiden, um die rote Lehrerfraktion (FSG) nicht zu schwächen, mutmaßt Scholik.

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