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Traiskirchen im Ausnahme-Zustand

Asyl-Debatte

Traiskirchen im Ausnahme-Zustand

1.600 Flüchtlinge in einem Gebäude, das eigentlich für maximal 400 bestimmt gewesen wäre. Das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen platzt seit Monaten aus allen Nähten. „Seit März sind wir ein Massenlager“, ist Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ) wütend und traurig zugleich.

Asylwerber soll sich im ­Lager erschossen haben
„Massenzimmer“. Zusammengepfercht auf engstem Raum teilen sich Syrer, Afghanen, Tschetschenen und Somalis das Erstaufnahmezentrum. Konflikte sind programmiert: „Die Asylwerber haben kaum Privatsphäre, müssen teilweise im Freien für ihr Essen anstehen, sind in Massenzimmern untergebracht. Da reicht der kleinste Wirbel aus, und die Situation eskaliert. Das sind menschenunwürdige Bedingungen“, schäumt Babler. So menschenunwürdig, dass sich zwei Asylwerber bereits das Leben nehmen wollten. Einem weiteren soll das sogar gelungen sein; bestätigt wurde das nicht. Nicht nur der Bürgermeister fordert seit Monaten die Schließung des Massenlagers Traiskirchen, auch die Bevölkerung ist ähnlicher Meinung: „Dass so viele hier leben, finde ich nicht gut. Die anderen Länder müssen in die Pflicht genommen werden“, so der alt eingesessene Traiskirchner Alexander Sieghardt.

VIDEO: Der Bürgermeister wendet sich an die Öffentlichkeit

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Aufteilung
Die anderen Bundesländer in die Pflicht zu nehmen, ist auch im ­Sinne des Stadtchefs: „Es braucht ein Aufteilungs- und Betreuungsgesetz bis auf die Kommunen heruntergebrochen. Jede Gemeinde sollte Flüchtlinge bei sich aufnehmen. Dabei muss es aber eine Obergrenze von einem Prozent der Bevölkerung geben.“ Diese und weitere Forderungen wurden am vergangenen Freitag am SPÖ-Landesparteitag eingebracht. Am 28. November wird darüber beim SPÖ-Bundesparteitag abgestimmt. Ziel ist es, Druck auf die Regierung zu machen.

Marsch auf Ministerium
Sollten bis Jahresende keine weiteren Erstaufnahmezentren geschaffen werden, droht der Bürgermeister mit Protesten: „Dann werden die Traiskirchner in Wien vor dem Innenministerium demonstrieren.“

ÖSTERREICH: Herr Babler, das Asylzentrum Traiskirchen platzt aus allen Nähten: Wie hoch ist das Konfliktpotenzial vor Ort?
Andreas Babler: Die Flüchtlinge sind auf engstem Raum zusammengepfercht. Sie haben kaum Privatsphäre. Da reicht schon ein kleiner Wirbel in der Nacht aus, und die Situation eskaliert.

ÖSTERREICH: Wie oft kommt es zu Auseinandersetzungen?
Babler: Verbale Auseinandersetzungen gibt es laufend. Zu richtigen Handgreiflichkeiten kommt es für diese Masse an Menschen aber eher selten.

ÖSTERREICH: Wie soll es jetzt weitergehen?
Babler: Die Innenministerin muss bis Jahresende weitere Erstaufnahmezentren schaffen. Sie ist weisungsbefugt. Mikl-Leitner verarscht Landeshauptmann Pröll, indem sie seinen Aufnahmestopp einfach umgeht.

ÖSTERREICH: Und was passiert, wenn Mikl-Leitner keine weiteren Erstaufnahmezenten bis Jahresende schafft?
Babler: Dann werden die Traiskirchner in Wien vor dem Innenministerium demonstrieren.

ÖSTERREICH: Wie viele Erstaufnahmezentren müssten denn geschaffen werden?
Babler: Mindestens vier bis fünf.

Interview: Sarah Wallmann

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