Türkischer Film sorgt für Aufregung

"Tal der Wölfe"

© dpa/A3922 Britta Pedersen

Türkischer Film sorgt für Aufregung

Noch vor seinem offiziellen Filmstart am Donnerstag hat der türkische Film "Tal der Wölfe - Palästina" weiter für scharfe Kritik von Religionsvertretern - aber auch von politischer Seite - gesorgt. Die Vorwürfe gegen den Streifen, der den israelischen Angriff auf eine türkische Hilfsgüter-Lieferung in den Gaza-Streifen thematisiert, reichen von "gewaltverherrlichend", "antisemitisch", "rassistisch" und "geschichtsverdrehend". Die Kritiker fordern - nach deutschem Vorbild - den Film auch in österreichischen Kinos nicht zu zeigen.

Antisemitismus
Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bewertete den Film am Donnerstag als "offenkundig gewaltverherrlichend und vom Geist des Antisemitismus durchzogen". Er schüre das alte Vorurteil einer "jüdischen Weltverschwörung" und stelle die Existenz des Staates Israel infrage, wie Kathpress den Bischof in einer Aussendung zitierte. Ähnliche Kritik kam auch seitens des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Ausschusspräsident Helmut Nausner lehnt den Film strikt ab: "Die Freiheit der Kunst und Fiktion haben dort ihre Grenze, wo rassistische, antisemitische Stereotypen präsentiert werden und alte Vorurteile neue Nahrung erhalten."

Aufführungsverbot
So ein Film habe laut Bünker in den heimischen Kinos "nichts verloren". In Österreich solle es - wie auch in Deutschland - zu einem Aufführungsverbot kommen, forderte Bünker ebenso wie zuvor auch die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) und die Grünen. Für Nausner blockiert der Film des Regisseurs Zübeyr Sasmaz zudem die Friedensbemühungen im Nahen Osten, und er "vergiftet auch das Klima in Europa. Er vertieft Grenzen und schürt Hass."

SPÖ-Nationalratsabgeordnete Petra Bayr bezeichnete den Film als "geschichtsverdrehend" und mit "antisemitischer Propaganda aus dem letzten Jahrhundert" arbeitend. Der "antisemitischen Hetze" müsse man eine "Absage erteilen", so Bayr.

Kinostart
Dass der Kinostart für "Tal der Wölfe - Palästina" am Tag des Internationalen Holocaust-Gedenktag (27. Jänner) angesetzt ist, stößt bei allen Kritikern auf Unverständnis. Die "Türkische Kulturgemeinde in Österreich" hat laut Kathpress anlässlich des Kinostarts einen Trauertag angekündigt und sich in scharfer Form von dem "brandstiftenden" Film distanziert.

In Deutschland wurde der Kino-Start des Action-Films aus der Türkei von der Kölner Verleihfirma Pera Film bereits am Dienstag zurückgezogen. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) gab den Streifen nicht frei. In Österreich gebe es dagegen "keine Probleme, die Kinos werden den Film daher einsetzen", heißt es vonseiten von Pera Film auf Anfrage der APA.

"Tal der Wölfe" war zunächst eine türkische Fernsehserie über einen fiktiven türkischen Nachrichtendienst, der politische Machenschaften zur Strecke bringt. 2006 kam der daran anschließende Kinofilm "Tal der Wölfe - Irak" in die Kinos, dem weitere Fortsetzungen und jetzt ein Teil über Palästina folgten. Dieser behandelt den israelischen Angriff auf das türkische Hilfsschiff Mavi Marmara vom Mai 2010. In dem Film macht sich der türkische Geheimagent Polat Alemdar auf, um sich blutig und brutal an den Verantwortlichen für die Angriffe zu rächen. Die Filmreihe "Tal der Wölfe" hatte in den vergangenen Jahren bereits mehrmals wegen antiisraelischer und antiamerikanischer Botschaften für Empörung gesorgt.

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