Verteidigungsminister holt Tschad-Soldaten zurück

ÖSTERREICH exklusiv

© ÖSTERREICH/ Kernmayer

Verteidigungsminister holt Tschad-Soldaten zurück

ÖSTERREICH: Unsere Soldaten sind gleich am ersten Tag in den Bürgerkrieg geraten ...

Norbert Darabos: Die Rebellen sind in die Hauptstadt des Tschad vorgedrungen, die Bevölkerung ist auf die Seite der Rebellen umgeschwenkt – das konnte niemand, auch nicht die Geheimdienste, in dieser Schnelligkeit erwarten.

ÖSTERREICH: Stellt das unseren Einsatz infrage?

Darabos: Am Einsatz im Tschad ändert sich nichts, solange sich die Franzosen neutral verhalten. Der Bürgerkrieg hat mit unserem Einsatz nur sehr bedingt zu tun – unsere Aufgabe wäre es ja, die Flüchtlingslager im Osten des Landes zu schützen. Nur machen die Ereignisse von gestern den Transport unserer Soldaten in ihr Einsatzgebiet praktisch unmöglich. Deshalb überlegen wir sehr ernsthaft, die 14 Soldaten, die derzeit in der Hauptstadt im Hotel sind, kurzfristig zurückzuholen.

ÖSTERREICH: Das heißt: Unser Vorauskommando im Tschad kehrt in die Heimat zurück?

Darabos: Das ist die Option, richtig. Wir warten zunächst die Analyse des EUFOR-Hauptquartiers in Brüssel ab. Dort wird die Lage noch heute Nacht erörtert. Wir warten auch, wie sich die Lage morgen entwickelt. Aber derzeit spricht alles dafür, dass wir unser Vorauskommando von derzeit 14 Soldaten, sobald der Flughafen wieder in Betrieb ist, aus dem Tschad zurückholen.


Hier geht's zum Live-Report aus dem Tschad.

ÖSTERREICH: Erfolgt die Rückholung, weil der Einsatz zu gefährlich ist?

Darabos: Eine direkte Gefährdung unseres Vorauskommandos besteht nach allen Informationen nicht, trotzdem wollen wir kein unnötiges Risiko eingehen und planen die Rückholung unserer Soldaten, weil es – wie gesagt – auch keine Möglichkeit gibt, derzeit einen Transport in das Einsatzgebiet im Osten durchzuführen.

ÖSTERREICH: Die Abreise der nächsten Soldaten war ja schon für kommenden Dienstag geplant.

Darabos: Wir warten die Entwicklung der Lage in der nächsten Woche ab – und stoppen die Flüge für zumindest fünf Tage. Nächste Woche senden wir sicher keine weiteren Soldaten in den Tschad – auch weil es keinen Sinn macht, weil derzeit auch noch keine anderen EUFOR-Truppen vor Ort sind.

ÖSTERREICH: Haben Sie Angst um unsere Soldaten?

Darabos: Bisher ist alles unblutig verlaufen, ich sehe für unser Vorauskommando keine Gefahr. Wir sind in ständigem Kontakt mit unseren Soldaten, auch in ständiger Sorge. Aber das sind erfahrene Soldaten mit exzellenter Ausrüstung. Sie sind in Sicherheit.

ÖSTERREICH: War es ein Fehler, die Soldaten in eine so chaotische Region zu entsenden?

Darabos: Das ist ja der Sinn des Einsatzes, dass wir dieses Chaos befrieden wollen. Es gibt auch keinen Grund zur Panik, unsere Soldaten sind in Sicherheit. Eine Rückholung ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, damit wir alle weiteren Aktivitäten in Abstimmung mit unseren europäischen Partnern setzen können.

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