Vorarlberg: Watsche für die ÖVP

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Vorarlberg: Watsche für die ÖVP

Die brutalste Watsche kassierte die ÖVP in ihrer einstigen Hochburg Vorarlberg: Minus 8 % für die Schwarzen - nur noch 36,7 %.

Das ist besonders brutal, weil Vorarlberg in diesem Herbst wählt und der VP ein Debakel droht.

Stark die Grünen mit Plus 10 % (und schon 23 % der Stimmen) und die NEOS, die auf Anhieb 14 % schaffen.

Die SPÖ hat nur 10 %.

Die Vorarlberger Landespolitiker zeigten abgesehen von der ÖVP am Sonntagabend nach dem Bekanntwerden der EU-Wahl-Resultate zum Großteil offene Freude und Zufriedenheit. Einzig die ÖVP, die in Vorarlberg ein Wahldebakel zu verkraften hatte, reagierte mit Unzufriedenheit. Als Stimmungsbarometer für die Landtagswahl funktioniere die EU-Wahl nur bedingt, so die Parteichefs.

Wallner nicht zufrieden
Vorarlbergs Landeshauptmann und ÖVP-Chef Markus Wallner sprach von einem "respektablen Ergebnis" auf Bundesebene, das man vor allem Othmar Karas zu verdanken habe. Mit dem Abschneiden im Land - ein Rückgang von fast acht Prozentpunkten - sei er jedoch "absolut nicht zufrieden". Gründe seien eine kritische Grundstimmung gegenüber dem Bund und die geringe Wahlbeteiligung. "Hier ist auch im eigenen Bereich die Mobilisierung nicht gelungen", so Wallner. Daraus könne man lernen.

Für die Landtagswahl stehe "ein hartes Stück Arbeit bevor". Aber die Bevölkerung unterscheide stark bei den Wahlgängen. "Wir müssen klar machen, dass es ums Land geht. Wir werden die Sacharbeit fortsetzen, in einen intensiven Wahlkampf einsteigen und die Kräfte bündeln. Wir lassen uns nicht vom Weg abbringen", so seine Strategie. Vor allem den Grünen zollte Wallner für ihren Erfolg Respekt, "so fair bin ich".

Grüne mit "hervorragenden Ergebnis"
Die stellvertretende Landessprecherin der Grünen Katharina Wiesflecker freute sich über das "hervorragende" Ergebnis ihrer Partei in Vorarlberg, wo die Grünen als zweitstärkste Partei aus der Wahl hervorgingen. Das sei eine gute Ausgangsposition für die Landtagswahl im Herbst. Das EU-Wahlergebnis sei auf jeden Fall sehr motivierend. Das gute Abschneiden ihrer Partei führte Wiesflecker auf die Wahlkampfthemen der Grünen zurück. "Saatgutverordnung,TTIP und Fracking: Die Themen haben die Menschen sehr beschäftigt." Die Wähler hätten erkannt, dass Europa etwas mit ihnen selbst und mit der Region zu tun habe. Die NEOS, die vor allem Stimmen der ÖVP abgeschöpft hätten, seien für die Landtagswahl eine ernst zu nehmende Konkurrenz. Im EU-Wahlkampf hätten sich aber die Unterschiede zwischen NEOS und Grünen immer deutlicher herauskristallisiert.

   SPÖ-Landesparteichef Michael Ritsch sprach von einem "respektablen Ergebnis" und gratulierte Eugen Freund. "Platz eins wäre mir aber natürlich lieber gewesen", so Ritsch. Immerhin habe man den Mandatsstand gehalten. Für Vorarlberg habe er sich ein besseres Ergebnis gewünscht. Er beglückwünschte die Grünen zu ihren "sensationellen" 22,8 Prozent in Vorarlberg, denn die Proteststimmen seien ihm dort lieber als bei der FPÖ. Das Ergebnis sei aber "sicher nicht eins zu eins auf die Landtagswahl übertragbar", war Ritsch überzeugt. Angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung verlangte er einmal mehr die Wiedereinführung der Wahlpflicht. "Wählen zu gehen gehört zu den Bürgerpflichten. Über Politiker schimpfen und dann nicht wählen gehen - hier braucht es ein Umdenken", so der SPÖ-Chef.

Freude bei der FPÖ
Große Freude über das EU-Wahlergebnis herrschte auch bei der Vorarlberger FPÖ und den NEOS. FPÖ-Landesparteichef Dieter Egger sah die Wahl vor allem als eine Absage an die Politik der EU. Zwei Drittel der Wähler seien in Vorarlberg nicht zu den Urnen gegangen. Es sei demnach für EU-Kritiker viel schwieriger gewesen, ihre Wähler zu mobilisieren. Umso erfreuter sei er über die Zugewinne seiner Partei österreichweit und in Vorarlberg. Für die FPÖ habe sich bei der Nationalratswahl und der EU-Wahl ein klarer Aufwärtstrend gezeigt, diesen wolle er bis zur Landtagswahl im Herbst mitnehmen. Als Gegenmittel für die schlechte Wahlbeteiligung sieht Egger den Ausbau direktdemokratischer Mittel.

NEOS "sehr zufrieden"

Bei den NEOS sei man vor allem mit dem Vorarlberger Stimmenanteil von 14,2 Prozent "sehr zufrieden", sagte Landessprecherin Sabine Scheffknecht. Die starke Pro-EU-Ausrichtung habe viele Menschen motiviert für die junge Partei zu stimmen. In Vorarlberg wertete Scheffknecht das Ergebnis als eine Honorierung für die Bürgernähe ihrer Partei. Man habe im Vorfeld der Wahl sehr viel mit Vorarlberger Bürgern auch auf der Straße diskutiert und sich sehr bemüht, alle schriftlichen Anfragen zu beantworten. Mit der gleichen Begeisterung werde man in Vorarlberg auch weitermachen. Das EU-Wahlergebnis sei eine "super Motivation".


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