Voves schafft

Attacken abgewehrt

© APA/Markus Leodolter

Voves schafft "das Unglaubliche"

Franz Voves hat es selbst als "das Unglaubliche" bezeichnet, das er "noch einmal schaffen" wollte - das Amt des Landeshauptmannes in der Steiermark gegen die ÖVP zu verteidigen. Zumindest Platz eins ist ihm schon geblieben. Ob es auch mit dem Landeshauptmann-Sessel noch einmal etwas wird, hängt von Wohl und Wehe der Freiheitlichen oder der Bereitschaft der ÖVP, als Juniorpartner zu fungieren, ab.

Voves als Quereinsteiger
Die von der ÖVP stark gepushte SPÖ-Stiftungsaffäre konnte Voves offenbar ebenso wie die Grazer Turbulenzen bei den Sozialdemokraten nichts anhaben, im Wahlkampf hat er offensichtlich den besseren Draht zu den Wählern gefunden als die ÖVP mit ihrer "Rückkehr zur Steiermark"-Kampagne. Möglich, dass auch seine Drohung, bei Platz zwei aus der Politik abzutreten, gefruchtet hat.

Voves war 2002 als Quereinsteiger in die Landespolitik gekommen und hatte 2005 der 60 Jahre lang regierenden ÖVP die Mehrheit im Landtag und den Landeshauptmann abgenommen. Leicht gemacht wurde es dem aus einer Arbeiterfamilie stammenden früheren Versicherungsmanager danach nicht.

Immer mehr Wunden
Voves musste sich fast vier von fünf Regierungsjahren mit einer ÖVP auseinandersetzen, die ihm Umfärbeln und Wortbruch sowie mangelnde Verlässlichkeit vorwarf. Erstmals angeschlagen wirkte Voves, als er sich im Frühjahr 2009 mit seinem Wirtschaftsprogramm "NEW" und seiner Forderung nach Vermögenssteuern stark gegen die Bundes-SPÖ exponierte und sich - zunächst - kalte Füße holte. Gleichzeitig fiel ihm seine Forderung nach Abschaffung von Stiftungsprivilegien auf den Kopf, weil just auch seine eigene Partei eine Stiftung unterhielt. Die Umgründung in eine gemeinnützige GmbH beherrschte über Monate die Debatte und reichte - sehr zum Unwillen von Voves - in den Wahlkampf.

Im letzten Jahr vor der Wahl kamen immer mehr Wunden hinzu, in die die ÖVP genüsslich den Finger zu legen versucht hatte: Die Selbstzerfleischung der Grazer SPÖ, die Trennung von seinem Linksausleger, Landtagspräsident Kurt Flecker, Zahlungsboykotte der steirischen Nationalratsabgeordneten, Verzögerungen in der Bauvergabe des Koralmtunnel oder von SPÖ-Staatssekretär Andreas Schieder ventilierte Spitälerschließungen zwangen ihn eher zum Reagieren denn zum Regieren. Die Umfragedaten wie auch die Ergebnisse der Kommunalwahlen im März zeigten für die SPÖ deutlich nach unten, bis sich im Laufe des Sommers die Situation zu verbessern begann.

FPÖ wird ihn wohl wählen

Mit der Gitarre in der Hand zog Voves ins letzte Gefecht, und das hat er zumindest fürs erste gewonnen. Zum Landeshauptmann wählen lassen würde er sich auch von der FPÖ, selbst wenn das innerparteilich nicht ganz unproblematisch wäre. Bevor man das Land wieder der ÖVP zurückgibt, wird die SPÖ diese Hürde aber wohl nehmen, wenn sich nicht doch die Volkspartei als Mehrheitshelferin bereitstellt.

Geboren am 28. Februar 1953 in Graz, war die Jugend von Voves vom Sport geprägt: Beim "Arbeiter Turn- und Sportverein Eggenberg" (ATSE) wagte der Sohn eines Puch-Arbeiters - eine Herkunft, die er gerne betont - die ersten Schritte aufs Eis. Mit seinem Verein wurde er zweimal österreichischer Eishockey-Meister, spielte als Mittelstürmer im Nationalteam bei sieben Weltmeisterschaften und bei den Olympischen Spielen in Innsbruck 1976. Nach der Matura studierte Voves Betriebswirtschaft, schloss 1978 ab und begann in einem Grazer Steuerberaterbüro zu arbeiten. 1979 wechselte er zur Merkur-Versicherung, wo er 1989 in den Vorstand aufstieg. Als Quereinsteiger beerbte er 2002 Peter Schachner-Blazizek an der Spitze der steirischen Sozialdemokraten. Im Oktober 2005 drehte er die Mehrheitsverhältnisse im Land um und wurde der erste Sozialdemokrat, der als gewählter LH der Steiermark in die Grazer Burg einzog. Voves hat eine erwachsene Tochter und lebt mit seiner Frau Ingrid in Vasoldsberg bei Graz.
 

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