Wahlkampf: Das letzte Duell um Wien

Häupl vs. Strache

© chrissinger.com/REUTERS

Wahlkampf: Das letzte Duell um Wien

Unglaublich, aber wahr: Einen Tag vor der Wahl sind laut neuester Gallup-Umfrage nach wie vor 27 % der Wiener unentschlossen, welche Partei sie Sonntag wählen. Heißt: Exakt 300.000 Stimmen sind noch zu haben – werden erst in letzter Sekunde vergeben.

Das Überraschendste: Die letzte Wahlkampf-Woche mit drei TV-Duellen hat an der Zahl der Unentschlossenen nichts verändert. So wie vor einer Woche bleiben 27 % ohne Präferenz.

Drei Zielgruppen sind in besonders hohem Maß unentschlossen: Die Jungen (zu 32 %), die Arbeiter (zu 38 %) und erstmals auch die Pensionisten (zu 31 %).

Letzte Umfrage sieht Häupl unter der Absoluten
In diesen Zielgruppen entscheidet sich das Match Häupl gegen Strache. Laut letzter Gallup-Umfrage vom Mittwoch (6. 10.) lag Häupl bei 44–45 %, also klar unter der Absoluten, die bei 47,5 % erwartet wird.

Strache dagegen kam bereits auf 23–24 %, nur noch knapp unter seinem Traumergebnis von 25 %, das ein Polit-Erdbeben bedeutet.

Zwar liegt die ÖVP nur bei 16–17 %, doch kann das locker für eine rot-schwarze Koalition reichen.

Die Grünen liegen mit 12–13 % nicht nur klar unter dem Ergebnis von 2005 – sie sind auch im Koali­tions-Poker nahezu chancenlos.

Die Entscheidung fällt bei den Unentschlossenen. Hier liegt Häupl klar in Führung: 35 % der Unentschlossenen würden Häupl, nur 18 % Strache wählen.

Weitere 25 % der Unentschlossenen tendieren zu den Grünen, überlegen aber bis zuletzt, ob sie – um einen Strache-Sieg zu verhindern – zu Häupl wechseln sollen.

Wählen mehr als 63 % siegt Häupl, unter 62 % Strache
Damit hängt Häupls Ergebnis vor allem von der Wahlbeteiligung ab – und davon, ob er die Unentschlossenen zur Stimmabgabe bringt. Gehen mehr als 63 % wählen, kann Häupl die Absolute schaffen. Fällt die Wahlbeteiligung unter 62 %, ist ein blauer Erdrutsch fast sicher.

Häupls Erfolg hängt also davon ab, ob die SPÖ ihre Zielgruppen der Arbeiter und Pensionisten voll mobilisieren kann.

Dafür ging der Bürgermeister gestern wortgewaltig in die Offensive. Bei der Schlusskundgebung in einem Zelt vor der SPÖ-Zentrale attackierte er die FPÖ („Strache schaut nur auf die Reichen!“) und dann Innenministerin Fekter: „Wer glaubt, es notwendig zu haben, achtjährige Dirndln wie Terroristen zu behandeln, tickt nicht richtig.“

Fekter, die im Finale für Marek wahlkämpft, entgegnete: „Bei Häupl liegen jetzt die Nerven blank.“

HC Strache ließ – zur Empörung vieler Katholiken – bei der Schlusskundgebung den Stephansdom blau beleuchten und donnerte zu 1.500 Fans: „Sonntag wird das rote Wien abgewählt.“

Häupl: "Strache sät Hass und ruft zu Gewalt auf"

ÖSTERREICH-Interview

 

ÖSTERREICH: Was unterscheidet Sie von Strache?

Michael Häupl: Rein äußerlich: So blaue Haftschalen-Augen kriege ich mein Leben lang nicht hin. Macht aber nichts. Mit Kontaktlinsen helfen auch viele Schauspieler nach – das ist aber das geringste Problem, das man mit Strache haben kann.

ÖSTERREICH: Gibt es politisch irgendeine Übereinstimmung mit Strache?

Häupl: Das ist das wahre Problem: Die Übereinstimmung gibt es nicht. Wir stehen uns diametral gegenüber. Ich stehe für ein friedliches Zusammenleben nach klar definierten Regeln, er sieht viele andere Menschen als Feinde, sät Hass und ruft mehr oder weniger offen zu Gewalt auf.

ÖSTERREICH: Sie wollten beide mehr Polizisten, oder?

Häupl: Er hat damals bei Schwarz-Blau zugestimmt, dass es 1.000 Polizisten weniger werden, ich hole sie zurück. Ich bin etwa für, er ist gegen eine Mindestsicherung von 744 Euro pro Monat. Obwohl er gemeinsam mit seinen Freunden oft für ein Abendessen mehr ausgibt.

Strache: "Rot-Blau in Wien gibt es nur mit mir"

ÖSTERREICH-Interview

 

ÖSTERREICH: Wenn eine rot-blaue Koalition in Wien an Häupls „Nein“ zu Strache scheitert, würden Sie einem Parteikollegen den Vortritt lassen?

HC Strache: Nein! Ich könnte mir nur vorstellen, dass Häupl zurücktritt, wenn er seine absolute Mehrheit verliert.

ÖSTERREICH: Das Duell Häupl – Strache war teilweise sehr untergriffig, glauben Sie nicht, dass das die Wähler langsam nervt?

Strache: Die FPÖ hat keinen untergriffigen Wahlkampf geführt, sondern einen sehr fairen und inhaltlich harten. Umgekehrt haben Sie recht: Die Untergriffigkeit der SPÖ empört viele Wiener und Wienerinnen. Man hat versucht, mit Diffamierungen aus der SPÖ-Sudelküche gegen mich vorzugehen.

ÖSTERREICH: Sie gaben zu, einen Joint gepafft zu haben, sagen aber gleichzeitig, mit Drogen nichts zu tun zu haben.

Strache: Wenn man gepafft hat, hat man nicht inhaliert und daher nie Drogen konsumiert. So habe ich das damals gesagt.

Autor: (kiu)
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