Wanze in Darabos-Büro entdeckt

Spionage-Fall

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Wanze in Darabos-Büro entdeckt

Spionagealarm im österreichischen Verteidigungsministerium: Bei einer Routineüberprüfung wurde im Büro von Minister Norbert Darabos eine Wanze gefunden. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins profil fanden die Experten des Abwehramtes bereits im Mai 2008 das Abhörgerät in dem Festnetz-Telefonapparat von Ex-Pressesprecher Answer Lang. Der militärische Inlandsnachrichtendienst habe „unverzüglich“ mit Untersuchungen begonnen, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Die Frage, wie diese Wanze in das Kabinettstelefon von Darabos gelangen konnte, ist seitdem unbeantwortet. „Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass mit dem manipulierten Telefon tatsächlich jemand abgehört wurde. Als Sofortmaßnahme wurden die Sicherheitsüberprüfungen intensiviert. Es wurden jedoch keine weiteren Manipulationen festgestellt.“

Enger Vertrauter
Answer Lang ist seit Jahresbeginn nicht mehr Sprecher bei Darabos. Er will zu der Causa keinen Kommentar abgeben. Nur so viel: „Mein Abgang aus dem Ministerium hat damit absolut nichts zu tun.“ Er ist derzeit bei seiner kleinen Tochter in Karenz. Als enger Vertrauter von Darabos – er war schon sein Sprecher als SPÖ-Bundesgeschäftsführer – hatte Lang Zugang zu vielen Informationen. Der jetzige Sprecher Stefan Hirsch gibt sich ebenfalls zugeknöpft – mit dem Hinweis, dass es sich hier um eine geheimdienstliche Einrichtung handelt. Derartige Kontrollen auf Spionage und Sabotage würden aber regelmäßig, mehr als einmal jährlich durchgeführt.

Interner Angriff?
Der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz hat von der Angelegenheit schon vor längerer Zeit gehört. „Es ist mir aber so absurd vorgekommen, dass ich es gar nicht glauben konnte.“ Einen politischen Hintergrund der möglichen Abhöraktion sieht er vorerst nicht. Er will sich die Sache aber in den nächsten Tagen genauer ansehen. Offen ist derzeit, ob die Wanze von Personen von außen montiert wurde oder von Leuten im Ministerium. FPÖ-Wehrsprecher Peter Fichtenbauer fordert Aufklärung: „Es muss jemand sein, der Zutritt ins Kabinett hat“. Die FPÖ will eine parlamentarische Anfrage an Darabos stellen.

Gegenseitige Bespitzelung
Fakt ist: Abwehramts-Chef Brigardier Schneider hat in einem Interview Ende 2008 über offene Probleme gesprochen, die er von seinem Vorgänger übernommen habe. „Die Dimension der Herausforderung hat alles übertroffen, was ich mir erwartet habe. Von der Aufgabe und vom Zustand her. Es gab gewaltige Altlasten.“ Damit meinte er: „Gegenseitiges Bespitzeln, anonyme Anzeigen, nicht abgeschlossene Großfälle.“

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