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Weniger Lohn für mehr Arbeitsplätze

Arbeitsmarkt-Paket

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Weniger Lohn für mehr Arbeitsplätze

Die Wirtschaftskrise nagt sich unerbittlich durch den heimischen Arbeitsmarkt, das zeigt alleine der Kahlfraß am „schwarzen Donnerstag“: Der Leobener Leiterplattenhersteller AT&S kündigt 300 Mitarbeiter, die Osttiroler Firma Liebherr schickt 1.100 Angestellte in Kurzarbeit.

304.000 Österreicher waren im Mai ohne Job, 57.000 Menschen verrichten Kurzarbeit. Die Zeit drängt. Deshalb will Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) noch vor der Sommerpause ein zweites Arbeitsmarkt-Paket schnüren. Derzeit sei man mit dem Wirtschaftsministerium in der Endphase der Verhandlungen, heißt es aus Hundstorfers Büro. Das sind die Eckpunkte des Pakets:

Solidaritäts-Prämienmodell
Ziel dieser wesentlichen Säule ist die Schaffung von Arbeitsplätzen durch die Aufteilung der Arbeitszeit. Das System ist flexibel: So können etwa vier Angestellte einer Firma nur mehr 80 Prozent ihrer Arbeitszeit verrichten, um einen fünften Arbeitsplatz zu ermöglichen. Möglich ist aber auch, dass etwa neun Mitarbeiter 90 Prozent arbeiten, um einen neuen Job zu schaffen. In Summe muss die Reduktion 100 Prozent ergeben

(9 x 10 % = 1 neuer Job, dessen Arbeitszeit ebenfalls um 10 % verkürzt ist). Ein Rechenspiel. Die Hälfte der entfallenden Gage wird vom AMS für die Dauer von zwei Jahren zurückerstattet. Neu ist, dass in dieses System auch Lehrlinge aufgenommen werden können.

Altersteilzeit
Derzeit können Frauen ab 53 und Männer ab 58 Jahren in Altersteilzeit gehen. Die Altersgrenze wird jährlich um ein halbes Jahr angehoben. Diese Anhebung soll jetzt bis 2012 eingefroren werden. Bei einer Arbeitszeit-Reduktion um 50 Prozent werden 75 Prozent des Lohns ausgezahlt, großteils bezuschusst vom AMS. Neu ist auch, dass kleine Betriebe dafür keine Ersatzkraft mehr einstellen müssen.

Arbeitsstiftung für Junge
Adressaten der Stiftung sind junge Menschen (19 bis 24 Jahre), die ihren Job verlieren und davor zumindest drei Monate in kleinen Betrieben oder Leiharbeitsfirmen beschäftigt waren. Bis zu vier Jahre lang können die Jungen dann Ausbildungen nachholen – vom Lehrlings- bis zum Fachhochschul-Abschluss.

Finanzierung nicht fix
Die Sozialpartner haben das Paket bereits durchgewunken, scheitern kann es allerdings noch an der Finanzierung. Der strittigste Punkt ist die Altersteilzeit. Denn dafür ist im derzeitigen Sozial-Budget kein Geld vorhanden. Die fehlenden Mittel will sich Hundstorfer von Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) holen. Darüber werde derzeit noch verhandelt, heißt es aus dem Sozialministerium.

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