Wer folgt Spindelegger nach?

Drei Kandidaten

Wer folgt Spindelegger nach?

 

Rupprechter

Nach drei Jahren als Vizekanzler und ÖVP-Obmann und nicht einmal einem Jahr als Finanzminister ist Michael Spindelegger zurückgetreten. Nun tobt hinter den Kulissen ein Machtkampf: Wer wird Spindelegger nachfolgen?

Die ÖVP berief noch für Dienstagabend (19.00 Uhr) einen Parteivorstand in der Parteizentrale Wien ein, bei dem sich entscheiden soll, wer Vizekanzler und Parteichef wird. Es gibt drei heiße Kandidaten: Reinhold Mitterlehner, Johanna Mikl-Leitner und Sebastian Kurz.

Die Bundesländer favorisieren Wirtschaftminister Mitterlehner. Der wichtigste Landeschef, Erwin Pröll, will unbedingt Innenministerin Mikl-Leitner. Außenminister Kurz wäre ein Zeichen für den Neuanfang, er will jedoch nicht. Kurz würde laut Vertrauten nur im Fall einer Neuwahl den Parteichef-Posten übernehmen - und dann als Spitzenkandidat in die Wahl gehen.

Mitterlehner: "Diskutieren das intern"

Mitterlehner hielt sich im Vorfeld bedeckt: "Bei uns ist üblich, dass wir das intern diskutieren." Nötig sei aber eine rasche Klärung, um die Handlungsfähigkeit der Regierung sicherzustellen. Die Regierungsbeteiligung der ÖVP sieht Mitterlehner nicht infrage gestellt, vielmehr gehe es um Kontinuität und Stabilität.

Die restlichen ÖVP-Minister nahmen indessen hinter Mitterlehner Aufstellung und hielten sich selbst mit Kommentaren zur Lage der Partei zurück. Es sei alles gesagt, meinte Mikl-Leitner.

Wird Amt von Parteichef und Vizekanzler getrennt?

Zuletzt kam jedoch auch eine weitere Variante auf: Die Ämter von Parteichef und Vizekanzler könnten getrennt werden. Laut ÖVP-Insidern wäre in diesem Fall auch der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer eine Option als ÖVP-Chef. Das wäre ein Zeichen für die zuletzt besonders kritischen West-Landeshauptleute.

Obmann Nummer 16

Die ÖVP erhält also demnächst ihren 16. Obmann seit 1945. Spindelegger war im Mai 2011 die Nachfolge von Josef Pröll an der Spitze der ÖVP angetreten. Bisheriger Rekordhalter als Parteichef ist Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel, der mit insgesamt zwölf Jahren (1995 bis 2007) längst dienender Chef war.

Die ÖVP erhält somit seit Schüssels Abgang 2007 schon den vierten Parteichef. Schüssels Nachfolger Wilhelm Molterer war nach dem Wahldesaster der ÖVP bei der Nationalratswahl im Herbst 2008 abgetreten und hatte an Pröll übergeben.

An der ÖVP-Spitze stand als erster für einige Monate Leopold Kunschak, der später Nationalratspräsident wurde. Ihm folgten Leopold Figl (1945-1952), Julius Raab (1952-1960), Alfons Gorbach (1960-1963), Josef Klaus (1963-1970) und Hermann Withalm (1970-1971). 1971 übernahm Karl Schleinzer die Parteiführung. Dieser verunglückte allerdings im Sommer 1975 und die ÖVP bestellte Josef Taus, der schon 1971 im Gespräch war, zum neuen Obmann. Nach verlorenen Wahlen in den Jahren 1975 und 1979 stellte sich Taus nicht mehr der Wiederkandidatur. Ihm folgte Alois Mock.

Mock wurde 1989 von Josef Riegler abgelöst, dessen Nachfolger war Erhard Busek. 1995 übernahm Rekordhalter Schüssel.

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Diashow Bilder: Michael Spindelegger tritt zurück

Spindelegger tritt ab

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