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WKÖ-Vize Amann tritt zurück

Nach Tagelöhner-Sager

WKÖ-Vize Amann tritt zurück

Der Druck auf WKÖ-Vize Fritz Amann vom blauen RfW wurde schließlich doch zu groß. Nach zahlreichen Rücktrittsforderungen - auch von WKÖ-Chef Christoph Leitl -  und Kritik auch aus den eigenen Reihen wegen seines "Tagelöhner"-Sagers über Ein-Personen-Unternehmen erklärte Amann am Donnerstag seinen Rücktritt.

"Tagelöhner"-Sager
Amann hatte mit einem am Dienstag erschienenen Kommentar im "WirtschaftsBlatt" einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Er hatte darin Ein-Personen-Unternehmer (EPU) als "Tagelöhner" bezeichnet. "Die Gruppierung, die so vehement ums Überleben kämpft, sind Arbeitslose die - aufgrund der Versagenspolitik von Rot-Schwarz - in die Scheinselbstständigkeit gedrängt wurden", schrieb er.

Die rund 267.000 Einzelunternehmer stellen mittlerweile die Mehrheit der aktiven - und zahlenden - Wirtschaftskammer-Mitglieder (57,3 Prozent).

Bereits gestern hatte sich Amann scharfe Kritik von Kammervertretern, Betroffenen und Politikern eingehandelt. Leitl versuchte zu besänftigen, die Kammer vertrete sowohl die Interessen von kleinen als auch großen Unternehmen.

Heute schließlich redete der Wirtschaftskammer-Chef Tacheles: "Ich hätte mir in den vergangenen Stunden eine Entschuldigung erwartet, diese ist aber leider ausgeblieben", so Leitl in einer Aussendung. "Ich habe daher heute früh mit dem Bundesobmann des RfW, Matthias Krenn, Kontakt aufgenommen und ihn ersucht, für das seiner politischen Gruppierung zustehende Amt des WKÖ-Vizepräsidenten eine Neunominierung vorzunehmen."

Auch im Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender selbst brodelt es. Krenn ließ in einer knappen Aussendung mitteilen, dass der RfW die "Privatmeinung" von Amann verurteile. "Als RfW-Bundesobmann möchte ich klarstellen, dass die im WirtschaftsBlatt-Kommentar geäußerte Privatmeinung von Fritz Amann von mir nicht geteilt wird! Der RfW distanziert sich von dieser Haltung und betont, dass die EPU eine wichtige und unverzichtbare Säule der heimischen Unternehmerlandschaft darstellen."

Kammerchef Leitl machte klar, dass jeder Unternehmer von Funktionären und Mitarbeitern der Wirtschaftskammer mit größtem Respekt behandelt werden müsse. Diese Prinzipien seien verletzt worden. Daher fordere er jetzt Konsequenzen ein.

Amann hatte in einem Brief an die Zeitung gemeint, Einzelpersonenunternehmer seien keine Unternehmer, sondern eine "Art der Arbeitslosenentsorgung". Diese Gruppierung ist in seinen Augen "eine Beleidigung für alle Einzelunternehmer wie Friseure, Einzelhändler oder Handwerker, die seit Jahrzehnten unternehmerisch tätig sind und auch ihren Platz in der Wirtschaftskammer haben." Amann sprach von "modernem Sklaventum mit Billigung der Sozialpartner".
 

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