Wrabetz als ORF-General wiedergewählt

Keine Überraschung

Wrabetz als ORF-General wiedergewählt

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ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz (51) ist erwartungsgemäß mit breiter Mehrheit vom ORF-Stiftungsrat wiederbestellt worden - ohne eine einzige Gegenstimme. 29 Gremienmitglieder wählten Wrabetz für weitere fünf Jahre, 6 enthielten sich. Der einzige Gegenkandidat, ORF-Balkankorrespondent Christian Wehrschütz, ging leer aus. Wrabetz ist damit nach Gerd Bacher der erste ORF-Chef, der wiedergewählt wurde. Über sein Direktorium wird am 15. September entschieden.

Feilschen um den "Freundeskreis"
Bis zuletzt wurde um die Stimmen des ÖVP-"Freundeskreises" gefeilscht, der sich Montagabend auf eine geteilte Vorgehensweise einigte. Ergebnis der Beratungen: Sieben ÖVP-nahe Räte stimmten für Wrabetz, fünf enthielten sich, gleiches tat der unabhängige Stiftungsrat Alexander Hartig. Wrabetz zeigte sich über das breite Votum ohne Gegenstimme erfreut, wie er vor Journalisten sagte. "Ich bin bewegt, dass es doch eine sehr große Mehrheit geworden ist", sagte er, nachdem er die Wahl angenommen hatte, was von den Stiftungsräten mit Applaus quittiert wurde. Es sei "ein gutes Gefühl, mit so großer Mehrheit ausgestattet an der Spitze des ORF zu stehen".

Dass die Zustimmung quer durch die Fraktionen auch durch personelle Zugeständnisse an einzelne Fraktionen errungen wurde, stellte Wrabetz vehement in Abrede. "Im Gegensatz zu anderen Mitbewerbern habe ich nicht mit der Politik verhandelt", erklärte er. Demgegenüber standen Informationen aus politischen Kreisen, wonach der ORF-Chef persönlich mit den Parteien verhandelt habe und es Absprachen um Landesdirektoren sowie Posten auf der zweiten und dritten Managementebene gegeben habe.

Neben Gratulationen begleiteten Wrabetz am Dienstag vor allem Fragen zu seinen Telefonaten mit SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter Niko Pelinka, dem ein geplanter Wechsel in den ORF nachgesagt wird. Pelinka hatte in den vergangenen Tagen für Aufregung gesorgt, als er von einem Magazin sinngemäß dahingehend zitiert wurde, sich mit Wrabetz über die Gästeliste von Diskussionssendungen abzusprechen. "Er hat es für sich ausgeschlossen. Dem ist nichts hinzuzufügen", meinte Wrabetz nach seiner Kür zu möglichen ORF-Ambitionen Pelinkas. Es sei auch "klar gestellt, dass es keine Absprache in diesem Zusammenhang gegeben hat". Weiter gelte, "dass ich für irgendwelche Zurufe von Unzuständigen auch nicht zur Verfügung stehe".

Ob ein Wechsel Pelinkas in den ORF damit für ihn optisch verträglich wäre, kommentierte der neue alte ORF-Chef nur mit den Worten, dass Pelinka dies für sich immer ausgeschlossen hätte. Der SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter selbst wirkte von der Aufregung der vergangenen Tage etwas mitgenommen und wich längeren Journalistenfragen hartnäckig aus. Die Wiederwahl Wrabetz' bezeichnete er immerhin als "ein gutes Ergebnis für das Unternehmen".

Reaktionen
Die politischen Reaktionen auf die wenig überraschende Wiederwahl, die de facto seit Wochen feststand, fielen mehrheitlich positiv aus, skeptische Stimmen kamen vor allem von der ÖVP. Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (S) gratulierte dem ORF-Chef ebenso wie SPÖ-Mediensprecher Josef Cap. ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch betonte, Wrabetz müsse "seine neue Amtszeit nutzen, um den ORF zu einem tragfähigen Unternehmen zu machen". Er sprach ebenso wie der Stiftungsrat und ÖVP-"Freundeskreis"-Leiter Franz Medwenitsch von "einer neuen Chance" für Wrabetz.

Quer durch alle Fraktionen stimmten Stiftungsräte für die Wiederwahl von Wrabetz. FPÖ-Vertreter Norbert Steger bezeichnete es "als unmöglich für mich, keinen Generaldirektor zu wählen, wenn es nur einen Kandidaten gibt". Hätte es einen ernsthaften Gegenkandidaten gegeben, wäre er dafür "offen gewesen", so Steger und kündigte an, Wrabetz kritisch zu beobachten. BZÖ-Stiftungsrätin Huberta Gheneff zeigte sich erfreut, "dass der, der gesagt hat, er würde es machen, auch eine breite Mehrheit bekommen hat. Jetzt stehen wir vor neuen Herausforderungen. Man muss auch sagen, dass in Zeiten, denen wir entgegen gehen, Kontinuität schon ein Wert ist." Der unabhängige Kirchenvertreter Franz Küberl sah ein "überraschend überzeugendes Votum für Wrabetz. Ich glaube, dass die sehr lange Debatte im Hearing gezeigt hat, dass Stiftungsrat und Generaldirektor durchaus zusammenkommen können."

Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser, der Wrabetz ebenfalls gewählt hatte, lobte dessen "Mobilmachung gegen den Paragrafen 31, die er in seinem Konzept vorsieht", sowie den angekündigten Turnaround in der Personalpolitik. Der ORF-Chef hatte ja angekündigt, dass es ab 2012 wieder zu einer Personalaufstockung kommen müsse. Für den Grünen Stiftungsrat Wilfried Embacher war es wichtig, dass die Kontinuität an der Spitze des ORF gewahrt bleibt. Er traue es Wrabetz zu, die Herausforderungen, die vor ihm liegen, mit seiner Vorerfahrung gut zu meistern. Die breite Mehrheit, mit der er gewählt wurde, sei ein Zeichen für den Vertrauensvorschuss, den ihm der Stiftungsrat entgegenbringe. Dass der wiedergewählte General für die TV-Direktion eine Person vorschlagen will, die nicht aus dem eigenen Haus kommt, findet Embacher "wichtig und richtig".

Der einzige Gegenkandidat, Christian Wehrschütz, zeigte sich "nicht enttäuscht", dass er keine einzige Stimme erhalten hatte. Dafür habe er viele positive Rückmeldungen bekommen, sagte er. "Wenn alle, sich bei mir für mein Antreten bedankt haben, mich anschließend gewählt hätten, wäre ich heute Generaldirektor geworden", scherzte er.

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