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Bei Hofer-Sieg hätte Südtirol ein Problem

Hofburg-Wahl

Bei Hofer-Sieg hätte Südtirol ein Problem

Der Ausgang der Bundespräsidentenwahl wird in Südtirol mit angespannter Zurückhaltung beobachtet. FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer präsentiert sich zwar als Südtirol-Freund, löst damit aber südlich des Brenners eher Unbehagen aus. Befürchtet wird im Fall eines FPÖ-Bundespräsidenten, dass heikle emotionale Themen wie Selbstbestimmung oder Doppelstaatsbürgerschaft wieder aufkochen.

Während die rechten Oppositionsparteien Hofer die Daumen drücken und sich im Falle eines Wahlsiegs Rückenwind erhoffen, hält sich die Südtiroler Landesregierung derzeit mit Kommentaren zu den österreichischen Präsidentschaftskandidaten zurück. Landeshauptmann Arno Kompatscher hat aber bereits sehr deutlich gemacht, dass er den Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen in der Hofburg bevorzugen würden.

Für Van der Bellen

"Sollte die FPÖ in die Hochburg einziehen, hätte nicht nur Österreich, sondern auch Südtirol Probleme", warnte Kompatscher im Sommer. Denn die Südtiroler Autonomie könne sich nur mit guten Beziehungen zwischen Staaten, die an Europa glauben, entwickeln. Ende Mai hatte der Landeshauptmann bereits den Wahlsieg Van der Bellens mit den Worten begrüßt: "Ich bin sehr erfreut, dass eine derart offene Person an die Spitze Österreichs gewählt worden ist."

Hofer, der in seinem Parlamentsbüro ein Porträt vom Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer hängen hat, hatte im Laufe des Wahlkampfs in Bozen für Unmut gesorgt, weil er sich für eine Wiedereingliederung Südtirols in den österreichischen Staat stark machte. "Südtiroler, eure Heimat ist Österreich. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist durch die Autonomie auf keinen Fall enderledigt", erklärte Hofer in einer Rede in Meran.

Rückkehr zu Österreich

Im von Hofer mitverfassten FPÖ-Parteiprogramm heißt es wörtlich: "Wir streben die Einheit Tirols an und bekennen uns zum Selbstbestimmungsrecht Südtirols." In einem Interview mit dem Südtiroler Nachrichtenportal "salto" sprach sich Hofer auch für eine Volksabstimmung über eine Rückkehr nach Österreich aus. Nach heftiger Kritik an der Forderung seines Parteichefs Heinz-Christian Strache nach einer Wiedervereinigung Tirols distanzierte sich Hofer im Laufe des Wahlkampfs allerdings davon. Die Frage müsse in Rom entschieden werden, erklärte er. Der FPÖ-Kandidat setzt sich aber weiterhin für eine italienisch-österreichische Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler ein.

Van der Bellen zeigt sich dagegen zurückhaltend diplomatisch zu Doppelstaatsbürgerschaften. "Die Möglichkeit einer Doppelstaatsbürgerschaft steht in Österreich derzeit nur Menschen offen, die diese aufgrund herausragender Leistungen, etwa im Bereich von Kultur und Sport, zuerkannt bekommen. Eine Diskussion zur Erweiterung des Staatsbürgerschaftsrechts kann eine sinnvolle Perspektive sein, das ist aber Sache der Bundesregierung und des Parlaments", erklärte er in einer Stellungnahme gegenüber APA.

Sollte der FPÖ-Kandidat die Wahl gewinnen, könnte sich dies negativ auf das internationale Klima für die Provinz südlich des Brenners auswirken, meint der Politologe von der Universität Innsbruck, Günther Pallaver, gegenüber der APA. Erwartet wird, dass Hofer heikle Themen wie Selbstbestimmung oder Doppelstaatsbürgerschaft in Österreich wieder stärker thematisiert würden.

Dies würde innerhalb Südtirols zu einer Polarisierung und neuen Konflikten führen, aber wohl auch die Beziehungen zwischen Wien und Rom belasten. Das wiederum sei nicht im Interesse der Südtiroler, meint der Politologe. "Es ist immer negativ für Südtirol, wenn sich das gute Einvernehmen zwischen Österreich und Italien ändert", erklärt er.
 

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