Experten sagen niedrige Wahlbeteiligung voraus

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Experten sagen niedrige Wahlbeteiligung voraus

Der lange Wahlkampf, die allgemeine Wahlmüdigkeit und der ungünstige Wahltermin dürften die Wahlbeteiligung bei der Bundespräsidentenwahl am Sonntag niedriger ausfallen lassen als bei der aufgehobenen Stichwahl im Mai. "Dass die Wahlbeteiligung sinkt, hat primär mit dem endlosen Wahlkampf und letztlich auch mit dem Termin mitten im Advent zu tun", sagte OGM-Chef Wolfgang Bachmayer der APA.

Niedrigere Wahlbeteiligung erwartet
Der Meinungsforscher geht deshalb "auf jeden Fall" von einer niedrigeren Beteiligung als im Mai aus. Damals lag diese bei 72,65 Prozent. Der Politikberater Thomas Hofer erwartet darüber hinaus einen negativen Einfluss durch die jüngsten Kontroversen zwischen den Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer. "Die Wahlbeteiligung hat man mit dieser Vorstellung nicht gerade nach oben getrieben", meinte der Politikberater im ORF-Radio im Hinblick auf das letzte TV-Duell mit dem ehemaligen Grünen-Chef und dem FPÖ-Kandidaten.

Traurige Wahlkampf-Bilanz
Die Wahlkampfbilanz der Experten fällt ernüchternd aus. "Die lange Dauer und die Polarisierung haben die Wähler eher weiter von der Politik wegrücken lassen. Die Skepsis Richtung Politik wurde eher vergrößert als verringert - zum Abgewöhnen", so Bachmayer. Hofer sprach von einem "unfassbar langen" und "schädlichen Wahlkampf". Durch den "Brandbeschleuniger soziale Medien" seien Rolle und Amt des Bundespräsidenten beschädigt worden.

In der Wahl am Sonntag sieht Bachmayer den "Auftakt zum Umbruch der politischen Landschaft in Österreich". Erstmals in der Zweiten Republik wird der Bundespräsident nicht von einer der beiden Großparteien gestellt, deren Kandidaten schon im ersten Wahlgang ausgeschieden sind. "Dieses absolute Novum ist das Signal einer politischen Zeitenwenden." Je nach Ausgang rechnet Bachmayer mit "Schockwellen" in ÖVP und SPÖ. "Bei einem Erfolg von Norbert Hofer wird es schneller zu Reaktionen kommen, wenn Van der Bellen gewinnt, kommen diese verzögert."

OGM hat vergangene Woche noch eine letzte Umfrage gemacht, diese aber nicht publiziert und die Ergebnisse auch nicht hochgerechnet. In den Rohdaten habe es dabei einen Prozentpunkt Vorsprung für Van der Bellen gegeben. "Aus unserer jahrzehntelangen Beobachtung wissen wir aber, dass man Rohdaten - vor allem wenn es um Blau und Grün geht - nicht eins zu eins hochrechnen darf", so Bachmayer. Das Problem sei nämlich ein "overreporting bei Grün und ein underreporting bei Blau".

FPÖ im Aufwind
Unabhängig von Umfragen kämen vor dieser Wahl vor allem zwei entscheidende Einflussfaktoren ins Spiel. Zum einen die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, in der Bachmayer eher Rückenwind für Hofer sieht, zum anderen die jüngste Annäherung der SPÖ an die FPÖ mit dem gemeinsamen und amikalen Auftritt von SPÖ-Chef und Bundeskanzler Christian Kern und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, die ebenfalls Hofer helfen könnte.

Kern habe damit den "Status des Unberührbaren" aufgehoben und eine fast 30-jährige Ausgrenzung beendet. "Dieses Signal könnte in roten Wählerkreisen zu Reaktionen im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl führen." Der Meinungsforscher glaubt, dass bei der Stichwahl im Mai Van der Bellens knapper Vorsprung "in hohem Maße" damit zu erklären war, dass es nur kurz vor der Wahl in der SPÖ einen Wechsel von Werner Faymann zu Kern gab. "Der Frustpegel der SPÖ-Wähler wurde dadurch gesenkt. Die damals durch den Kanzlerwechsel eingezahlte Dividende hat Christian Kern jetzt wieder zurückgebucht", so Bachmayer zur APA.

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