Wahl-Marathon endet mit erstem grünen Präsidenten

Van der Bellen-Sieg

Wahl-Marathon endet mit erstem grünen Präsidenten

>>Alle Infos im großen oe24-LIVE-TICKER zur Hofburg-Wahl hier!<<

Der 72-jährige Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hatte im Hofburg-Wahl-Marathon den längeren Atem als der 45-jährige FP-Bewerber Norbert Hofer. Siebeneinhalb Monate nach dem 1. Wahlgang setzte er sich auch in der von der FPÖ angestoßenen Wiederholung der Stichwahl durch. Österreich bekommt somit als achten den ersten Bundespräsidenten aus den Reihen der Grünen.

Bei der Wiederholung fiel die Entscheidung sogar eindeutiger aus als bei der aufgehobenen Stichwahl vom 22. Mai, wo Van der Bellen es mit 50,35 Prozent knapp schaffte. Nicht ganz eindeutig ist, wie sich Van der Bellen altersmäßig bei den nun acht gewählten Bundespräsidenten seit 1951 einreiht. Je nach Betrachtung ist er der zweit- oder drittälteste Präsident.

Mit dann 73 Jahren bei der Angelobung am 26. Jänner ist er zweiältester Bundespräsident zu Beginn der ersten Amtszeit: Nur Theodor Körner war mit 78 Jahren älter. Zu Beginn der zweiten Amtszeit war Adolf Schärf (73) um zwei Wochen älter als Van der Bellen es am 26. Jänner 2017 ist.

Eigentlich ist Van der Bellen auch kein eindeutig "grüner" Bundespräsident: Denn der langjährige Parteichef wurde nicht von den Grünen nominiert, zog als "Unabhängiger" in die Wahl, finanzierte sich die Wahlkämpfe über Spenden Privater, auch von einzelnen Politikern anderen Parteien wie SPÖ und NEOS - aber freilich auch der Grünen, die ihm außerdem mit Infrastruktur, viel unterstützenden Worten und recht zurückhaltendem politischen Agieren während der langen Zeit der Wahlkämpfe unter die Arme griffen.

Klar ist aber, dass mit der Angelobung am 26. Jänner erstmals ein Bewerber in die Hofburg einzieht, den weder die SPÖ noch die ÖVP nominiert haben. Von den bisher sieben direkt gewählten Präsidenten waren fünf SPÖ- und zwei ÖVP-Kandidaten. Seit der ersten Volkswahl am 6. Mai 1951 übten mehr als 47 Jahre Bundespräsidenten das Amt aus, die von der SPÖ ins Rennen geschickt worden waren, und 18 Jahre die siegreichen ÖVP-Bewerber.

Vom Volk gewählt werden die Bundespräsidenten erst seit 1951. Der erste Bundespräsident der Zweiten Republik, Karl Renner, wurde 1945 von der Bundesversammlung gekürt - vor der die Staatsoberhäupter jetzt ihren Amtseid leisten.

   Kurzbiografien der Staatsoberhäupter seit 1945


 Dr. KARL RENNER (Staatskanzler 27.4.1945 bis 20.12.1945, Bundespräsident 20.12.1945 bis 31.12.1950)


Geboren am 14.12.1870 in Untertannowitz (Mähren), gestorben am 31.12.1950 in Wien. Jurist. Führer des gemäßigen Flügels der Sozialdemokratie, ab 1907 Reichtstagsabgeordneter. Vom Oktober 1918 bis Juni 1920 Staatskanzler, 1919 Leiter der Delegation Österreichs bei den Friedensverhandlungen von Saint Germain. Beginn der 20er-Jahre Rückzug aus der Politik, 1930 Wiederkehr als Nationalratspräsident (bis März 1933). 1934 vom Dollfuß-Regime vorübergehend inhaftiert. 1938 Plädoyer für "Ja" in Volksabstimmung über Anschluss an Hitler-Deutschland. 1945 erst als Staatskanzler eingesetzt, dann von Bundesversammlung zum Präsidenten gewählt, im Amt bis zu seinem Tod.

 Dr. h.c. THEODOR KÖRNER (21.6.1951 bis 4.1.1957)


Geboren am 24.4.1873 bei Komarom (Ungarn), gestorben am 4.1.1957 in Wien. Militärlaufbahn. Im Ersten Weltkrieg Generalstabschef der Isonzo-Armee, 1924 als General pensioniert. Widmete sich der Politik - sozialdemokratischer Vertreter der Stadt Wien im Bundesrat, militärischer Berater des Republikanischen Schutzbundes. 1934 für elf Monate inhaftiert; nach Hitler-Attentat 1944 vorübergehend von der Gestapo festgenommen. 1945 Wiener Bürgermeister. 1951 erster vom Volk gewählter Bundespräsident, starb kurz vor Ende der ersten Amtsperiode.

 Dr. ADOLF SCHÄRF (22.5.1957 bis 22.5.1963 und 22.5.1963 bis 28.2.1965)

Geboren am 20.4.1890 in Nikolsburg (Mähren), gestorben am 28.2.1965 in Wien. Rechtsanwalt. Offizier im Ersten Weltkrieg. Sozialdemokrat, 1918 bis 1933 Sekretär der Nationalratspräsidenten. In der NS-Zeit drei Mal verhaftet. 1945 bis 1957 Vorsitzender der SPÖ und Vizekanzler, maßgeblich an Staatsvertragsverhandlungen beteiligt. 1957 Wahl zum Bundespräsidenten. Starb während der zweiten Amtsperiode.

 FRANZ JONAS (9.6.1965 bis 9.6.1971 und 9.6.1971 bis 24.4.1974)

Geboren am 4.10.1899 in Wien, gestorben am 24.4.1974. Buchdrucker. Beteiligte sich am Kärntner Abwehrkampf. Karriere in der Gewerkschaft, 1932 Sekretär der Sozialdemokratischen Partei. 1935/36 verhaftet. 1948 Stadtrat in Wien, 1951 Nachfolger Körners als Bürgermeister. 1965 Wahl zum Bundespräsidenten, lobte 1970 die von ihm mit initiierte SPÖ-Minderheitsregierung an. Starb während der zweiten Amtsperiode an Krebs.

 Dr. RUDOLF KIRCHSCHLÄGER (8.7.1974 bis 8.7.1980 und 8.7.1980 bis 8.7.1986)


Geboren am 20.3.1915 in Niederkappel (Oberösterreich), gestorben am 30.3.2000 in Wien. Jurist. Im Zweiten Weltkrieg schwer verwundet. Nach Kriegsende Richter und vorübergehend ÖVP-Mitglied. 1954 Außenministerium, Mitglied der Delegation für die Staatsvertragsverhandlungen; einer der Väter des Neutralitätsgesetzes. 1968 Gesandter in Prag. 1970 Außenminister im Kabinett Kreisky. Parteiloser, von der SPÖ nominierter Kandidat für die Präsidentschaftswahl 1974. Wiederwahl 1980, ÖVP verzichtete auf Gegenkandidaten. Rückzug ins Privatleben nach der zweiten Periode; starb kurz nach dem 85. Geburtstag in Wien.

 Dr. KURT WALDHEIM (8.7.1986 bis 8.7.1992)

Geboren am 21.12.1918 in St. Andrä-Wördern (NÖ), gestorben am 14.6.2007 in Wien. Jurist. Frontoffizier der Deutschen Wehrmacht. Nach Kriegsende auswärtiger Dienst, u.a. Botschafter in Kanada, bei der UNO. 1968 bis 1970 Außenminister der ÖVP-Alleinregierung. 1971 erster Antritt als ÖVP-Kandidat, unterliegt gegen SPÖ-Präsidentschaftskandidaten Jonas. 1972 bis 1981 UNO-Generalsekretär. 1986 zweiter Antritt als ÖVP-Kandidat; gewinnt trotz heftiger Diskussionen über seine Wehrmachts-Vergangenheit gegen SPÖ-Kandidaten Kurt Steyrer. Als Bundespräsident international isoliert, von USA auf die Watchlist gesetzt. Verzichtete 1991 auf Wiederkandidatur; starb 88-jährig im Juni 2007 - einen Monat vor seinem Gegenkandidaten Steyrer.

Dr. THOMAS KLESTIL (8.7.1992 bis 8.7. 1998 und 8.7.1998 bis 6.7.2004)


Geboren am 4.11.1932 in Wien, gestorben am 6. Juni 2004 in Wien. Studium der Handelswissenschaften. Diplomatenkarriere, u.a. OECD-Delegation in Paris, Botschafter bei der UNO, in Washington. 1987 Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten. ÖVP-Kandidat bei Nationalratswahlen 1986 und 1989. 1992 ÖVP-Bundespräsidenten-Kandidat, gewann gegen SPÖ-Kandidaten Rudolf Streicher. In erster Amtszeit Trennung von Frau Edith, schwere Erkrankung im Herbst 1996. 1998 überparteilicher Kandidat, unterstützt von Komitee mit Helmut Zilk (SPÖ) an der Spitze; Klestil setzte sich im ersten Wahlgang gegen vier Mitbewerber durch. Lobte 2000 wider Willen die schwarz-blaue Koalition an. Starb zwei Tage vor Ende der zweiten Amtsperiode an Organversagen.

Dr. HEINZ FISCHER (8.7.2004 bis 8.7.2010 und 8.7.2010 bis 8.7.2016)

Geboren am 9.10.1938 in Graz. Studium der Rechtswissenschaften. Trat 1962 nach der Gerichtspraxis als Jurist ins Sekretariat des SPÖ-Klubs ein und blieb - mit nur einer Unterbrechung, als er 1983-1987 Wissenschaftsminister war - im Parlament, seit 1971 als Abgeordneter, 1975-1983 geschäftsführender Klubobmann, 1987-1990 Klubobmann, 1990-2002 Nationalratspräsident, 2002-2004 Zweiter Nationalratspräsident. In der SPÖ war Fischer von 1979 bis 2004 stellvertretender Parteivorsitzender; mit seiner Angelobung stellte er die Parteimitgliedschaft ruhend. 2010 wurde er im ersten Wahlgang mit 79,33 Prozent wiedergewählt, die ÖVP hatte keinen Kandidaten nominiert.

ALEXANDER VAN DER BELLEN (ab 26.1.2016)

Geboren am 18. Jänner 1944 in Wien als Sohn estnisch-russischer Flüchtlinge, aufgewachsen im Tiroler Kaunertal. Studierte Volkswirtschaft in Innsbruck und unterrichtete als Universitätsprofessor sowohl in der Tiroler Hauptstadt als auch in Wien. In die Politik stieg er 50-jährig quer ein - 1994 als Nationalratsabgeordneter der Grünen, schon drei Jahre später wurde er Bundessprecher und somit Parteichef, 1999 auch Klubobmann. 2008 zog er sich von der Parteispitze zurück, blieb Nationalratsabgeordneter - und wechselte 2012 in den Wiener Gemeinderat, auf das 2010 eroberte Vorzugsstimmenmandat. 2015 kandidierte er nicht mehr, sondern gab am 8. Jänner 2016 die Kandidatur für die Bundespräsidentenwahl bekannt. Van der Bellen hat aus seiner ersten, im Herbst 2015 geschiedenen Ehe zwei Söhne. Seit Ende 2015 ist er mit Doris Schmidauer, Geschäftsführerin im Grünen Parlamentsklub, verheiratet.

Grafik_Präsidenten.jpg

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden

Anzeigen

Werbung

Jetzt Live
Diese Videos könnten Sie auch interessieren
Wiederholen
Jetzt NEU

oe24.TV im Livestream: 24 Stunden News!

Live auf oe24.TV 1 / 10

Top Gelesen 1 / 10

  Diese Website verwendet Cookies. Durch die Verwendung dieser Website stimmen Sie dem damit verbundenen Einsatz von Cookies zu.

Es gibt neue Nachrichten
auf oe24.at
Jetzt Startseite laden
Abbrechen