Mit Josef Pröll auf letzter Dienstreise

Abschieds-Interview

Mit Josef Pröll auf letzter Dienstreise

Seiten: 12

Er sieht entspannt aus. Gut erholt. Freitag am Wiener Westbahnhof. Ich steige mit Josef Pröll in den Zug Richtung Innsbruck. Um 7.40 Uhr startete er seine letzte politische Dienstreise zum VP-Parteitag in Tirol.

Dort verabschiedete er sich offiziell – unter Standing Ovations – von seiner Partei: "Es ist mir nicht leichtgefallen, aber ich habe mich für meine Familie und Gesundheit entschieden", erklärte der 42-Jährige noch einmal, warum er am 21. April zurücktreten musste. Sein Lungeninfarkt am 17. März im Zillertal hatte ihm keine Wahl mehr gelassen.

Jetzt "habe ich mit der Politik abgeschlossen", sagt der Ex-VP-Chef im ÖSTERREICH-Interview auf der Fahrt nach Innsbruck.

Diashow Pröll: So lief sein politischer Rückzug

13. April 2011 - 06:45 Uhr

Alle glauben, er ist auf ­Reha. Tatsächlich sitzt Pröll ab 6:45 Uhr in 
seinem Büro im 6. Stock des Finanzministeriums 
in Wien-Landstraße.

13. April 2011 - 07:02 Uhr

Mit VP-General Kaltenegger. Er muss 
VP-Sonderparteivorstand vorbereiten.

13. April 2011 - 07:10 Uhr

Pröll bespricht mit Maria Fekter über die VP-Zukunft

13. April 2011 - 08:00 Uhr

Josef Pröll ruft SP-Kanzler Faymann an – zum ersten Mal seit drei Wochen.

13. April 2011 - 09:00 Uhr

Josef Pröll informiert seine Mitarbeiter.

13. April 2011 - 11:00 Uhr

Pröll zischt in den Redesaal. In der Hand hält er das 
Manuskript seiner letzten Rede.

13. April 2011 - 11:03 Uhr

Medienansturm: Pröll 
berichtet im Finanzministerium gefasst von 
seinem 
Rücktritt.

13. April 2011 - 11:09 Uhr

Am Ende seiner Rede sieht man Pröll die Rührung an.

1 / 8

Über seine Zukunft – Pröll verließ den Parteitag, ehe Michael Spindelegger zum Obmann gewählt wurde – will er nicht viel verraten. Aber: "Ich werde sicher keinen Versorgungsjob annehmen. Mit 42 Jahren werde ich mich am Arbeitsmarkt selber behaupten."

Die letzten Wochen hat er "endlich wieder Zeit mit meiner Familie verbringen" können. Mit Ehefrau Gabi – die Prölls sind seit 21 Jahren verheiratet – geht er "so oft wie möglich jagen". Seit dem Polit-Ausstieg arbeitet sie (studierte Bodenkulturwirtin) halbtags in einer Versicherung.

Die politische Zeit will Pröll "nicht missen". Der Rücktritt erfolgte aus gesundheitlichen Gründen – aber seine Enttäuschung über den "Stillstand in der Regierung" hat wohl auch mitgespielt. Enttäuschung über die eigene Partei, die ihn gebremst hat. Enttäuschung auch über SP-Kanzler Werner Faymann, mit dem er einst so etwas wie befreundet war.

Der Abstand von der Politik hat ihn aber auch milder gemacht: "Ich habe keine offenen Rechnungen."

Im Herbst will er in der Wirtschaft neu durchstarten. Und 2013 wirklich mächtig zurückkehren: als Raiffeisen-General …
 

Pröll: "Ich habe mit der Politik abgeschlossen."

Isabelle DANIEL & Josef PRÖLL © chrissinger
                                                                                         © chrissinger

ÖSTERREICH: Sie sind vor gut einem Monat aus allen politischen Ämtern ausgeschieden. War es der richtige Schritt?
Josef Pröll: Es ist mir nicht leichtgefallen, aber ich habe mich für meine Familie und für meine Gesundheit entschieden. Mein Lungeninfarkt hat mir keine andere Wahl gelassen.

ÖSTERREICH: Wann haben Sie für sich diese Entscheidung ­getroffen?
Pröll: Das erste Mal schon im Rettungshubschrauber, der mich nach Innsbruck geflogen hat. Da wurde mir klar, dass ich so nicht weitermachen kann. Als ich dann in der Reha war, die ja mehrere Wochen lang gedauert hat, habe ich mich auch emotional von der Politik zu lösen begonnen.

ÖSTERREICH: Hatten Sie echte Todesangst?
Pröll: Sagen wir so: Ich hatte echte Beklemmungsängste. Und mir wurde klar, dass ich mein Leben ändern muss. Ich glaube fest daran, dass man in der Politik 100 Prozent geben muss. Da kann ich nicht mit angezogener Handbremse weitermachen; und das hätte ich nach dem Lungeninfarkt tun müssen.

ÖSTERREICH: Wo waren Sie auf Reha?
Pröll: Ich war in der Nähe des Starnberger Sees.

ÖSTERREICH: Ist der Abschied aus der Politik eine Trennung auf Zeit oder eine dauerhafte Scheidung?
Pröll: Ich will die politische Zeit nicht missen. Aber klar ist, dass ich gerne mehr weitergebracht hätte. Jetzt habe ich aber mit der Politik abgeschlossen.

ÖSTERREICH: Welche Rolle hat die Familie bei Ihrer Entscheidung gespielt?
Pröll: Die Familie hat mich nicht gezwungen zu gehen, war aber ein Faktor. Sie hat gesagt: Du musst es für dich selber wissen. Das war’s.

ÖSTERREICH: War Ihr Onkel Erwin Pröll in die Entscheidung eingebunden?
Pröll: Er hat mich kurz nach dem Infarkt angerufen, auch später hatten wir Kontakt. Bei der Entscheidung habe ich kein Gespräch mit ihm geführt.
 

Lesen Sie Teil 2 des großen ÖSTERREICH-Interviews auf der nächsten Seite.

Autor: Isabelle Daniel
Seiten: 12
Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden

Anzeigen

Werbung

Jetzt Live
Diese Videos könnten Sie auch interessieren
Wiederholen
Jetzt NEU

oe24.TV im Livestream: 24 Stunden News!

Live auf oe24.TV 1 / 10

Top Gelesen 1 / 10

  Diese Website verwendet Cookies. Durch die Verwendung dieser Website stimmen Sie dem damit verbundenen Einsatz von Cookies zu.

Es gibt neue Nachrichten
auf oe24.at
Jetzt Startseite laden
Abbrechen