Protokoll: Warum der Kanzler ging

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Protokoll: Warum der Kanzler ging

Die Entscheidung fiel erst Sonntagabend – im kleinsten Kreis. Werner Faymann sagte seiner Familie, dass er von sich aus zurücktreten werde, weil er sich nicht weiter öffentlich demontieren lassen wolle. Den Zeitpunkt seines Abschiedes in Würde wollte er selber bestimmen.

  • Häupl: „Bin sprachlos“. Als er gestern um 12.45 Uhr vor die Presse tritt, um seinen Rücktritt zu erklären, wirkt Faymann regelrecht befreit. Immerhin ist ihm davor ein letzter Coup gelungen: Um 12 Uhr hat er sieben Landeschefs zu sich geladen. Nach ein paar Minuten Small Talk sagt der SP-Chef: „Ich trete von allen meinen Funktionen zurück.“ Häupl antwortet fassungslos: „Jetzt bin ich sprachlos. Damit hätte ich nie gerechnet.“ Auch Burgenlands Hans Niessl sagt: „Du hättest im Parteivorstand die Mehrheit.“
  • Faymann designiert Häupl. Faymann setzt zur nächsten Überraschung an: Er „bittet“ Häupl als „Dienstältesten, die interimistische Führung“ der SPÖ zu übernehmen. Häupl will nicht SP-Chef werden, stimmt aber dann bis auf Weiteres zu, zu übernehmen.
  • Rebellen tagen alleine. Zwei Stunden zuvor tagten hingegen noch die SPÖ-„Rebellen“ – die SPÖ-Landesgruppen aus Salzburg, der Steiermark, Kärnten und Vorarlberg. Sie haben einen Antrag vorbereitet, wonach der SPÖ-Parteitag auf Juni vorgezogen werden solle. Dort sollte dann ÖBB-Chef Christian Kern für den SP-Vorsitz kandidieren. Die Rebellen hoffen, dass Häupl sie im Parteivorstand – er soll ab 16 Uhr tagen – unterstützt.
  • Faymann ruft Fischer an. Doch zu diesem Zeitpunkt kontaktiert Faymann bereits den Bundespräsidenten per Telefon: Das Essen in der Hofburg um 13 Uhr werde auch sein Abschiedsessen, erklärt Faymann dem scheidenden Präsidenten.
  • ÖVP völlig überrascht. Zu Mittag findet im Parlament gerade eine Gedenkveranstaltung statt, als VP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner überraschend herausgerufen wird: Der Kanzler müsse ihn „dringend sprechen“, sagt ein Mitarbeiter. Faymann sagt seinem Koalitionspartner, dass er bald seinen Rücktritt offiziell machen werde. Faymann lässt dann den SP-Vorstand sausen und fährt heim zu seiner Familie.
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