09. Oktober 2009 13:59
Großes mediales Interesse hat am Freitag die Eröffnung der Ausstellung über
Jörg Haider im Klagenfurter
Bergbaumuseum hervorgerufen. Die Familie Haiders und zahlreiche
BZÖ-Politiker würdigten den Verstorbenen zwei Tage vor seinem ersten
Todestag. Die Schau ist in drei Bereiche, "Familie", "Landeshauptmann"
und "Tod" gegliedert und besteht hauptsächlich aus Fotos sowie
einigen Videoclips, eine kritische Auseinandersetzung mit dem BZÖ-Gründer
fehlt.
Menschen wollten das
Die Orange-Politiker Landeshauptmann
Gerhard Dörfler, Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider und dessen
Vize Albert Gunzer betonten, die Ausstellung sei auf "tausendfachen
Wunsch" der Bevölkerung gemacht worden. Scheider meinte, es sei ganz
bewusst keine Parteipolitik in die Schau eingeflossen. Es sei ihm klar, dass
auch "Andersdenkende" die Ausstellung besuchen würden, "und
das ist auch gut so". Dabei dürfe aber der Respekt vor einem Toten
nicht vergessen werden.
Neuer Fan des BZÖ
Ausstellungsmacher Gerhard Finding
erklärte, er habe Haider "als wahrscheinlich einziger Kärntner"
nicht gekannt und sei ihm auch kritisch gegenübergestanden. Nach einem
Dreivierteljahr intensiver Beschäftigung mit Haider müsse er nun aber
feststellen, "dass ich seiner Partei beitreten würde". Das
könne er wegen seiner Funktion als Museumsleiter aber leider nicht tun.
Vater als NSDAP-Mitglied
Finding, der die Texte verfasst hat,
unterstrich, dass "alles recherchiert und belegt ist", was auf den
800 Quadratmeter Ausstellungsfläche zu sehen und zu lesen sei. Darauf
angesprochen, dass er die NS-Vergangenheit von Haiders Vater auf eigenartige
Weise präsentiere und dessen illegale NSDAP-Mitgliedschaft völlig
verschweige, meinte er: "Es wird vermerkt, dass Haiders Eltern beide
Nationalsozialisten waren."
Und tatsächlich findet man einen Satz auf einer der Schautafeln über die
Eltern. Er lautet: "Tatsache ist, dass die Eltern Jörg Haiders in der
NS-Zeit, wie Millionen andere auch, Nationalsozialisten waren und beide ihr
Leben lang, nicht zuletzt auch als Eltern des erfolgreichsten Politikers der
2. Republik verleugnet, verfolgt und gedemütigt wurden." Robert
Haiders Flucht nach Deutschland wird allerdings auf einer anderen Tafel mit
dessen "Kampf gegen den Austrofaschismus" begründet, seine
Teilnahme am Nazi-Aufstand im Juli 1934 völlig verschwiegen.
"Meine letzten 32 Jahre"
Bei der offiziellen Eröffnung
war all das aber kein Thema, Claudia Haider bekannte, sie sei "tief
gerührt und bewegt", immerhin begegne sie hier den letzten 32
Jahren ihres Lebens. Haiders 91-jährige Mutter Dorothea war, gemeinsam mit
ihrer Tochter Ursula Haubner, ebenso zur Eröffnung gekommen wie
BZÖ-Bundesobmann Josef Bucher, der orange Generalsekretär Martin Strutz und
Finanzlandesrat Harald Dobernig, Haiders ehemaliger Büroleiter. Die Brüder
Scheuch blieben dem Festakt hingegen fern.