Sonderthema:
Warum Häupl das Duell gewann

Wolfgang Fellner

Warum Häupl das Duell gewann

Die Wien-Wahl ist geschlagen – und buchstäblich an der Wahlurne ist aus dem Kopf-an-Kopf-Rennen von Häupl und Strache ein ganz klarer Last-Minute-Sieg des roten Bürgermeisters geworden. So überraschend war das Ergebnis nicht – in dieser Kolumne habe ich es fast punktgenau vorher­gesagt, weil aus allen Umfragen ersichtlich war, dass Häupl bei den Unentschlossenen besser punkten und auch bei den Stammwählern besser mobilisieren konnte. Warum?

Häupl siegte, weil er ein Duell wollte und auf die Menschlichkeit setzte

Michael Häupl war in diesem Wahlkampf bereits hoffnungslos auf der Ver­liererstraße. Er hatte im ­August Umfragewerte von 33 %. Er hat in dieser dramatischen Situation mit seinem politischen Instinkt auf die richtige Strategie gesetzt – und den Wahlkampf auf das Bürgermeister-Duell „Guter Michl“ gegen „Böser HC“ zugespitzt.

Häupl hat geahnt: Wenn die Wiener zwischen „Er oder Ich“ entscheiden müssen, werden sie den „Burgamasta“ wählen. Erstens: Weil Wien in der Lebensqualität deutlich ­besser ist als sein Ruf …

Und zweitens, weil Häupl das zeigt, was bei Politikern selten ist: Mut und Haltung. Er hat in der Flüchtlings­frage nicht das getan, was seine Amtskollegen – von Niessl bis Seehofer – für das Einfachste gehalten haben: nämlich populistisch nach einem Stopp zu schreien. Sondern er hat auf das „goldene Wiener Herz“, sprich Menschlichkeit, offene Grenzen, Hilfe für die Ärmsten, gesetzt.

Dadurch ist sein bis dahin matter Wahlkampf emotional, menschlich, mutig geworden. In Wahrheit hat Häupl in den letzten Tagen an die besten Zeiten des Polit-Genies Bruno Kreisky erinnert – und erstmals seit Kreisky ist es Häupl wieder gelungen, die ins Koma verfallene SPÖ-­Basis neu zu mobilisieren, zu motivieren, fast zu enthu­siasmieren. Es war wieder „richtig“, SPÖ zu wählen – bei Jungen, bei der frustrierten Basis, sogar bei Grünen.

Strache verlor das Duell, weil er zu erfolgreich und zu hartherzig war

Strache ist in diesem Wahlkampf Opfer seines eigenen Erfolgs, aber auch seiner zu brutalen Anti-Flüchtlings-­Linie geworden.

Strache hat den besten Wahlkampf der FPÖ geführt – er war auch ihr bester Spitzenkandidat. Besser als Haider in seinen besten Zeiten. Aber das war auch sein Problem.

Der Österreicher gibt der FPÖ gerne seine Proteststimme, aber er hat Angst, dass seine Proteststimme zur ­Revolution führen könnte.

Strache war zu nah dran am Umsturz – und viel zu brutal für einen Bürgermeister. Die Wiener wollen keinen Stacheldrahtzaun – sondern ein „goldenes Herz“.

Letztlich hat HC mit seiner Anti-Asyl-Offensive zwar die Arbeiter (etwa in Simmering) erobert, aber mit männlichen Arbeitern allein ist heute keine Wahl zu gewinnen – dafür braucht es Frauen, Junge, auch Besserverdiener – die breite Mitte. Und die hat zu Recht Strache-Angst, solange der den Polit-Brutalo raushängen lässt. Das Schöne an dieser Wahl: Auch in der Politik gewinnt das und der „Gute“ – das muss HC Strache bis zur Wahl 2018 noch lernen …

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