Das sagt Österreich

Wolfgang Fellner

Das sagt Österreich

Gestern habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass die Art, wie sich die Korrup­tionsverfahren in diesem Land in die Länge ziehen, aus Normalbürgern zu Recht Wutbürger macht.

Kein einziger (!) der Korruptionsverdächtigen in diesem Land sitzt derzeit hinter Gittern. Die Herren grüßen aus Brasilien, aus Ibiza, aus New York – oder wie Hypo-Chef Kulterer mit Schulterwehwehchen aus Kärnten.

Wie zum Hohn humpelte Ex-Innenminister Ernst Strasser gestern auf Krücken ins Gericht – und wollte uns erzählen, er ­werde von Geheimdiensten verfolgt. Der Ärmste.

In Wahrheit ist der Fall Strasser ein Sittenbild unserer korrupten Politik.

Strasser, einst Schüssels „Mann fürs Grobe“, hat nach seinem Rücktritt aus der Politik überall für Beratung abkassiert: beim Schmiergeld-Verteiler Hochegger ebenso wie bei der „Tiroler Wasserkraft“, Telekom oder bei den Lotterien.

Die ÖVP wusste über Strassers windige Geschäfte bestens Bescheid.

Trotzdem (oder vielleicht sogar deswegen?) hat sie ihn zum Spitzenkandidaten für die EU-Wahl gemacht und hofiert – bis er in die Lobby-Falle von Journalisten tappte.

Ob Strassers Blödheit, in diese Falle zu tappen, Haft rechtfertigt, wird die Justiz entscheiden.

Jedenfalls zeigt dieser Wiederholungsprozess, wie korrupt die Politik ist.

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