28. Jänner 2010 20:57
Schneemassen, die zu Chaos im ganzen Land führen. Diese Woche wurde die
kälteste Nacht seit 15 Jahren gemessen. Und gleichzeitig warnen
Klimaforscher vor der gefährlichen Erderwärmung – wie passt das zusammen?
Alle Details zum Wetter
Erwin Mayer, denkstatt-Experte für Klimapolitik, erläutert im Gespräch mit
ÖSTERREICH: „Dass es jetzt kalt ist, ist ein Einzelereignis – und damit kann
man nicht auf Trends schließen. Man muss längere Zeiträume anschauen, 2009
war sehr warm. In einer Periode von 20 Jahren zeigt der Temperatur-Trend
klar nach oben, auch wenn es seltener, aber doch kalte Winter geben wird.“
Die aktuelle Kälte täusche daher hier die Menschen.
Mayer kritisiert auch den Zugang mancher, die sagen, ein paar Grad mehr
wären „eh ganz angenehm“. „Fakt ist“, so Mayer: „Wenn ich mir die
Schneebedeckung anschaue, die für Skifahrer so wichtig ist, so geht die
zurück. Bei den Weltcuprennen war bis zur zweiten Jännerwoche hinein nur ein
weißes Schneeband, umgeben mit grüner Wiese, zu sehen.“
Klima ist neu
Stefan Schleicher, Professor am Wegener Zentrum für
Klima und Globalen Wandel an der Uni Graz, erläutert im
ÖSTERREICH-Interview, dass streng zwischen Klima und Wetter zu trennen ist:
„Die Leute müssen den Unterschied lernen. Klima ist ein neues Vokabel,
beschreibt die langfristigen Zustände und soll nicht mit dem Wetter
verwechselt werden.“
Doch Schleicher gibt auch zu, trotz ausgefeilter Computermodelle immer noch
zu wenig über die Details zu wissen, die plötzlich zu einer extrem kalten
Phase führen – wie eben jetzt im Jänner.
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ÖSTERREICH: Bittere Kälte: Sieht so die Klima-Erwärmung
aus? Stefan Schleicher: Das ist kein Argument gegen die
Klimaerwärmung – es gibt ja den großen Unterschied zwischen Wetter und
Klima. Wetter ist die kurzfristige Ausprägung, Klima das
langfristige Phänomen. Da gibt es immer Schwankungen. Das vergangene
Jahrzehnt war seit wir messen das bisher wärmste.
ÖSTERREICH: Ist die Kälte auch als besonderes
Wetterextrem zu deuten? Stefan Schleicher: Extreme
Wetterverhältnisse sind in jedem Fall Bestandteil des Klimawandels –
die derzeitigen Verhältnisse stehen also in keinem Widerspruch. Klar
ist aber, dass kältere Phasen weniger werden.
ÖSTERREICH: Wie kommt es zu solchen Ausnahmen von kalten
Phasen? Stefan Schleicher: Wir verstehen das immer noch zu
wenig, das ist die ehrlichste Antwort.
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