17. Oktober 2008 09:09

Knochenschwund 

700.000 Österreicher leiden unter Osteoporose

Zehn-Jahres-Bericht der EU präsentiert: Gesetzliche Lage in Österreich verbessert, aber Defizite in der Praxis.

700.000 Österreicher leiden unter Osteoporose
© sxc

Geschätzte 700.000 Österreicher sind von Osteoporose betroffen, rund 155 Millionen Menschen in der EU. Alle 30 Sekunden bricht sich ein Europäer durch die Krankheit einen Knochen. EU-weit fallen dadurch jährlich 13,7 Milliarden Euro an Kosten an, in Österreich 133 Millionen - Arbeitsausfall, Pflege und Rehabilitation nicht eingerechnet. Anlässlich des Weltosteoporosetags am 20. Oktober wurde in Wien das Zehn-Jahres-Update des EU-Osteoporose-Berichts von der "Aktion Gesunde Knochen" und der International Osteoporosis Foundation (IOF) präsentiert. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass sich die gesetzliche Lage in Österreich im vergangenen Jahrzehnt stark verbessert hat, es in der Praxis jedoch Defizite gibt.

Als Krankheit anerkannt
Seit dem ersten Bericht aus dem Jahr 1998 habe sich viel getan, resümierte Margaret Walker vom IOF. Osteoporose sei in einigen Staaten als wichtige Krankheiten anerkannt, die Präventionsprogramme ausgebaut, die Dauer der Spitalsaufenthalte verkürzt worden. Dennoch gebe es zwischen den EU-Staaten große Ungleichheiten bei Diagnose, Prävention und Therapie, die noch ausgeglichen werden müssen.

Lage deutlich verbessert
Verglichen mit dem schlechten Ergebnis von 1998 hat sich die Lage in Österreich deutlich verbessert. Sowohl die gesetzlichen Rahmenbedingungen als auch die Möglichkeiten zur Krankheitsabklärung und Therapie sind gegeben, wissenschaftliche Leitlinien zur Diagnostik existieren und auch genügend Instrumente für die Diagnose sind vorhanden. "Hier liegen wir bei einer Versorgung von ungefähr 27 Dexa-Geräten für eine Million Menschen und das ist ziemlich gut verglichen mit anderen Staaten", unterstrich Gerhard Holzer von der Orthopädie an der Medizinischen Universität Wien. Auch die Wartezeiten auf die Knochendichtemessungen seien mit ein bis zwei Wochen recht akzeptabel - in Schweden etwa müsse man durchschnittlich 180 Tage auf die Untersuchung warten. Die Kosten für die Knochendichtemessung übernimmt bei Patienten über 65 Jahren alle zwei Jahre die Krankenkasse, ansonsten werden dafür 35 Euro veranschlagt.

Aktion Gesunde Knochen
Trotz der theoretisch guten Ergebnisse gibt es in der Realität einige Defizite. "Wir haben alle Ressourcen und bei der Bevölkerung hat diese Krankheit einen Bekanntheitsgrad von 95 Prozent, die Abklärung selbst lässt aber stark zu wünschen übrig", fasste Kurt Weber, Internist an der Universitätsklinik Graz, zusammen. Rund 80 Prozent der Patienten werden nach der Versorgung ihrer Fraktur entlassen und nicht weiter behandelt. Daher rief die "Aktion Gesunde Knochen" gemeinsam mit anderen Organisationen das SPORT-Projekt (Strukturprojekt Patientenversorgung nach Osteoporotischen Frakturen - Rehabilitation und Therapie) ins Leben. 934 Patienten mit frischer osteoporotischer Fraktur nahmen daran teil und erhielten ein spezielles Informationspaket und wurden nach drei und 15 Monaten telefonisch über ihr Befinden, die Krankheitsabklärung sowie die Therapie befragt.

Knochendichtemessung
Dabei wurde festgestellt, dass zwar in 75 Prozent der Fälle eine Abklärung stattgefunden hat, die in den Leitlinien geforderten Untersuchungsstandards von einer Knochendichtemessung mittels Dexa-Gerät, einem Wirbelsäulen-Röntgen sowie einer Blutabnahme aber nur bei zwei Patienten eingehalten wurden. Erfreulich war, dass durch die intensivierte Betreuung die Akzeptanz und die Treue zur Therapie auf über 90 Prozent gesteigert wurde.

Für die Zukunft forderte die "Aktion Gesunde Knochen" österreichweite Patientenschulungen, verbindliche Qualitätskriterien für Osteoporoseuntersuchungen und den Ausbau von Rehabilitationseinrichtungen. "Wünschenswert wäre, dass wir die erste Fraktur verhindern, realistisch ist, dass wir die zweite verhindern können", sagte Holzer.

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