05. Jänner 2007 12:58

75% sind unzufrieden 

Ärzte informieren Patienten nicht richtig

Beim Thema Medikamente haben Patienten und Mediziner in Österreich offensichtlich nicht die beste Gesprächsbasis.

Ärzte informieren Patienten nicht richtig
© APA/BARBARA GINDL

In einer am Freitag veröffentlichten Oekonsult-Studie gaben mehr als drei Viertel der Befragten an, nicht ausreichend über Wirkungsweisen, mögliche Unverträglichkeiten sowie über Neben- und Wechselwirkungen in Kenntnis gesetzt zu werden. Nur rund fünf Prozent zeigten sich mit den diesbezüglichen Informationen ihrer Ärzte sehr zufrieden.

Ärzte fragen wenig nach
Zudem würden rund 60 Prozent der Mediziner bei der Verschreibung eines Medikaments nicht nachfragen, ob der Patient bereits eine andere Arznei einnimmt. Knapp über sechs Prozent der Befragten bestätigten, dass sich ihr Arzt immer über deren Medikation erkundigt. In Apotheken wurden Umfrageteilnehmer zu rund 44 Prozent "mehr oder weniger häufig" danach gefragt. 34 Prozent der Apotheker holen laut der Studie darüber keine Informationen beim Patienten ein.

Defizit bei Kommunikation?
"Erhebliche Defizite bei der Kommunikationsfreudigkeit der Mediziner" ortete daher Oekonsult-Chef Joshi Schillhab. "Wenn fast 80 Prozent der Befragten sagen, ihr Arzt würde es wohl nicht sehr begrüßen, wenn er ausführlich um Risiken oder Wechselwirkungen der von ihm verordneten Medikamente befragt würde, sollten im Gesundheitssystem die Alarmglocken schrillen", meinte er.

Betroffene tappen im Dunkeln
Patienten selbst wissen zu rund 43 Prozent "nur ungenau" über ihre eigenen Unverträglichkeiten Bescheid. Auch was Mediziner verschreiben, ist den Betroffenen häufig unklar: Mehr als 60 Prozent können sich laut der Umfrage Einnahmevorschriften und Namen der Arzneien nicht merken.

Aufrüstung der E-Card
Eine vorgeschlagene "Service-Karte" mit Daten zur persönlichen Medikation bezeichnen 84 Prozent der Studienteilnehmer als "gute Idee". Ein solcher Datenträger könne bei der Abgabe einer Arznei Unverträglichkeiten automatisch melden, so das Markt- und Meinungsforschungsinstitut. Zwei Drittel der Befragten präferieren eine "Aufrüstung" der E-Card mit dieser Funktion. Für die Umfrage wurden Ende Dezember 2006 Österreich-weit 1.083 Personen von 16 bis 81 Jahren interviewt.

Stellungnahme der Wiener Ärztekammer
oe24.at hat bei der Wiener Ärztekammer nachgefragt. Gründe warum die Ärzte ihre Patienten nicht informieren sind vielfältig, meint der Obmann der Ärztekammer für Wien, Dr. Rolf Jens. Weiters meint er: "Eine zu ausführliche Aufklärung ist kontraproduktiv, denn wenn ich sämtliche oder seltene Möglichkeiten aufzähle, dann kann das die Ursache sein, dass ein Medikament nicht genommen wird, obwohl es helfen würde."

Hier gibt's die komplette Studie als PDF zum Download.


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