18. Juni 2009 09:01

Alzheimer 

Das hilft gegen Demenz

Körperliche, geistige und soziale Aktivitäten minimieren das Alzheimerrisiko. Krankheit nach wie vor nicht medikamentös heilbar.

Das hilft gegen Demenz
© sxc

Demenzerkrankungen nehmen in Österreich exponentiell zu. Wirksame medikamentöse Therapiemöglichkeiten stehen derzeit keine zur Verfügung. Umso ernster sei daher das rechtzeitige Erkennen von Alzheimer-Pathologien bzw. die Prävention zu nehmen. Darauf hat die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) hingewiesen. Aktuelle internationale Studien belegen, dass körperliche, geistige und soziale Aktivitäten das Risiko reduzieren, dement zu werden.

Vergesslich
Die Angst davor, im Alter vergesslich und nicht mehr leistungsfähig zu sein, ist laut einer Umfrage, besonders im angloamerikanischen und europäischen Raum sehr groß, sagte Reinhold Schmidt, Primar an der Klinischen Abteilung für allgemeine Neurologie an der Medizinischen Universität Graz. Die Befürchtung scheint nicht unbegründet: Immerhin steigt die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen in Österreich an (etwa 25.000). Während unter den 65- bis 74-Jährigen weniger als zwei Prozent an Alzheimerdemenz erkranken, sind es in der Gruppe der 75- bis 84-Jährigen bereits elf Prozent und bei den Über-84-Jährigen schon etwa 30 Prozent.

Bildung
Wer daran erkrankt und wer nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Einen bedeutenden Einfluss dürften laut Schmidt aber "kognitive Reserven" haben. Der wesentlichste Schutzfaktor vor Demenz sei Bildung. "Menschen, die sechs bis acht Jahre lang in Ausbildung waren, erkrankten einer Studie zufolge seltener an Demenz als jene mit weniger als fünfjähriger Ausbildung", so der Primar. Daneben spiele eine Reihe anderer Faktoren wie soziale Kontakte eine Rolle. "Menschen, die gut eingebunden sind, werden bei gleicher Schädigung des Gehirns weniger häufig dement", so Schmidt.

Schach und Co
Regelmäßig betriebene Freizeitaktivitäten schützen vor Alzheimer. Laut einer Studie verringere häufiges Brettspielen das Risiko einer Erkrankung um 74 Prozent, intensives Lesen um 35 Prozent, musizieren um 69 Prozent und das Lösen von Kreuzworträtseln um 41 Prozent. Auch körperliche Aktivität ließ das Demenzrisiko sinken: Tanzen (minus 76 Prozent), Hausarbeit (minus 72 Prozent), Gehen (minus 43 Prozent), Schwimmen (minus 29 Prozent) und Babysitten (minus 19 Prozent).

Wann zum Arzt
Was tun, wenn man merkt, dass die kognitiven Fähigkeiten zunehmend abnehmen? Zum einen, einen Arzt aufsuchen, um abzuklären, ob es sich um eine Alzheimererkrankung handelt. Zum anderen, durch regelmäßige körperliche Tätigkeiten, die auch den Geist fordern, das Gehirn unterstützen. "Das Hirn soll etwas leisten und das regelmäßig", sagte Thomas Benke von der Medizinischen Universität Innsbruck. Es sollte eine verantwortliche Tätigkeit sein, bei der man auch vorausplanen muss, das Gehirn aber nicht überfordert.

Risikofaktoren
Schädigende Faktoren für die Entwicklung einer Alzheimerdemenz sind ähnlich wie beim Schlaganfall vaskuläre Risiken, etwa Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterin. Bereits die Hälfte der 50-Jährigen habe eine Alzheimerpathologie. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer. Demenz ist nach wie vor nicht heilbar. "Zurzeit haben wir keine medikamentöse Therapie zur Verfügung, mit der sich das Voranschreiten des Abbaus der kognitiven Funktion längerfristig positiv beeinflussen lässt", so Benke.


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