30. Juli 2009 11:41

Analogkäse 

Schein beim Lebensmittelkauf trügt

Schummelschinken und Analogkäse: In Österreich herrscht ein Gütesiegeldschungel.

Schein beim Lebensmittelkauf trügt
© sxc

Die Diskussion rund um Analogkäse und Schummelschinken der vergangenen Wochen sei nur die Spitze des Eisberges. "Der Unterschied zwischen Original und Imitat sind selbst für Experten nicht immer einfach sichtbar", erklärte der Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), Franz Floss. Bei einer stichprobenartigen Erhebung von 60 Produkten deckte der "Konsument" viele Mogelpackungen auf.

In vier Supermärkten wurden unter anderem Zitronensäfte, Erdbeerjoghurt, Pesto, Garnelen und Schafskäse in den Warenkorb gelegt und analysiert - mit teils erschreckenden Ergebnissen. Denn sowohl für Billig- als auch für Markenprodukte gelte, dass der Inhalt nicht notwendigerweise mit den Versprechungen auf der Verpackung übereinstimme. So bestehen die angepriesenen Garnelen zum Teil vollständig oder zu einem großen Prozentsatz nur aus Surimi-Imitat.

Formfleisch
Das Problem bei Chicken Nuggets, Schnitzel oder Rindsroulade wird für viele Konsumenten auch erst bei genauerem Hinsehen offensichtlich. Denn die vorgestellten Fertig-Produkte bestehen aus Formfleisch. Bei dem Herstellungsprozess wird geschnittenes, walnussgroßes Muskelfleisch gewürzt bevor es unter Druck in Form zu einem scheinbar natürlich gewachsenen Fleischstück zusammengefügt wird. Zwar seien diese Produkte nicht gesundheitsschädlich, doch die irreführende und viel zu kleine Kennzeichnung und die damit verbundene "mögliche Verbrauchertäuschung und deren Ausmaß" wurde von Birgit Beck, "Konsument"-Ernährungswissenschafterin, kritisiert.

Künstliche Aromen
Großes Täuschungspotenzial gebe es laut der Untersuchung auch bei Aromen. So kommen zum Beispiel viele Vanillejoghurts oder -getränke vollkommen ohne echte Vanilleschoten aus und werden durch Aromen ersetzt. Aber auch Schokolade werde auf Verpackungen von Keksen oder Pudding angepriesen. Stattdessen bekommt der Käufer allerdings nur Kakaopulver und Aroma.

Auch bei der Menge hat das Magazin Unregelmäßigkeiten entdeckt. So kommt ein Erdbeerjoghurt mit nur einem Prozent der Frucht aus. Umgekehrt gibt es auch den Fall, bei dem vermeintlich hochqualitative Produkte mit billigen Zusatzstoffen gestreckt werden. So enthält bei der Erhebung ein Pesto statt Pinienkernen überwiegend Cashewkerne und Olivenöl wurde zum größten Teil durch Rapsöl ersetzt.

Eindeutige Kennzeichnungen
"Die Produkte müssen nicht per se schlecht sein", erklärte Beck, aber die Kennzeichnungen müssen in für alle Konsumenten eindeutig sein. Als Tipp rät die Expertin bei jedem Einkauf den genauen Blick auf die Zutatenliste, denn "je kürzer und einfacher diese ist, umso besser. Je mehr E-Nennungen darauf zu finden sind, desto länger wurde das Produkt verarbeitet". Floss forderte eine einheitliche und verpflichtende europäische Kennzeichnung von Lebensmittelimitaten.


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