09. November 2009 10:08

Erreger 

Immer mehr Antibiotika-Resistenzen

Griechenland besonders betroffen. Österreich liegt an viertbester Stelle.

Immer mehr Antibiotika-Resistenzen
© Getty Images

Zunehmende Antibiotika-Resistenzen bei Krankheitserregern sorgen in Europa immer häufiger für Probleme. Dabei wird eine hohe Prozentzahl laut Dominique Monnet vom Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC) völlig sinnlos, zum Beispiel bei Virusinfektionen, verschrieben. Gegen diese sind die Medikamente aber nicht wirksam. Für mehr Bewusstsein soll der 2008 ins Leben gerufene Europäische Antibiotika-Tag am 18. November sorgen.

Multi-Resistenzen
Im Jahr 2007 mussten in Europa laut einer Untersuchung wegen Multi-Resistenzen 400.000 Infektionen im Krankenhaus behandelt werde, 25.000 Betroffene starben. Bei insgesamt 2,5 Millionen Personen gab es laut ECDC einen verlängerten Spitalsaufenthalt. Die Folge dieser negativen Entwicklung: höhere Spitalkosten in der Größenordnung von zusätzlichen 900 Millionen Euro pro Jahr.

Griechenland schneidet gefolgt von Zypern und Frankreich betreffend dem Auftreten von Antibiotika-Resistenzen besonders schlecht ab. Je mehr die Medikamente eingesetzt werden, desto schlimmer sind die feststellbaren Konsequenzen, so Monnet. Wichtig sei es daher, den bewussten und richtigen Einsatz zu fördern, und zwar für die Fälle bei denen er notwendig sei - zum Beispiel bei Organ-Transplantationen oder in der Intensivmedizin. Bei bestehenden Resistenzen könnten neue wirksame Antibiotika häufig nicht erzeugt werden, warnte er.

Ein Problem stellt laut Monnet auch der Einsatz von Antibiotika in Tierzucht und Landwirtschaft dar. Resistente Keime würden dadurch am Speiseplan der Bevölkerung landen und so ebenfalls für die Wirkungslosigkeit einzelner Medikamente sorgen. Genaue Daten bezüglicher dieser Auswirkungen würden allerdings noch nicht vorliegen.

Österreich liegt an viertbester Stelle
Österreich liegt bezüglich Antibiotika-Resistenzen am viertbesten Platz. Die geringsten Probleme mit Wirkungslosigkeit wurde in einer ECDC-Studie 2006 in den Niederlanden festgestellt. "Österreich hat eine relativ niedrige Pro-Kopf-Quote", meinte auch Hubert Hrabcik, Generaldirektor für öffentliche Gesundheit, über die Situation in der Alpenrepublik. "Es gibt drei bis vier Antibiotika, wo wir sagen, aufgrund eines wahrscheinlich übermäßigen Einsatzes machen uns Resistenzen Probleme. Das ist kein sehr hoher Anteil."

Die heimischen Ärzte würden offenbar über ein gutes Wissen bezüglich sinnvollen Verschreibungen verfügen und seien sich auch des Problems zunehmender Resistenzen bewusst, meinte Hrabcik. Die Arzneimittel seien in Österreich zudem verschreibungspflichtig. In manchen Ländern sind sie ohne Rezept erhältlich.

Ein Beispiel für den sinnvollen Einsatz von Antibiotika zeigt auch die Schweinegrippe: Gegen die Infektion selbst sind die Medikamente wirkungslos, für die Behandlung von möglichen bakteriellen Begleiterkrankungen, die derzeit häufig für Komplikationen sorgen, allerdings notwendig, erklärte Monnet. Neben der richtigen Verwendung erachtete die ECDC das Eindämmen von Infektionen als wichtige Strategie gegen das Fortschreiten von Resistenzen. Maßnahmen seien hier Hygiene und die Isolation von Kranken.


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