27. März 2008 10:36

Information 

Asthma-Tag im Wiener Rathaus

Erkrankungen der Atemwege sind Volkskrankheiten. Stadt Wien setzt auf Information.

Asthma-Tag im Wiener Rathaus
© APA

"Erkrankungen der Atemwege sind zu Volkskrankheiten geworden", erklärte Wiens Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehselyanlässlich des Allergie und Asthma-Tages 2008. So nimmt Lungenkrebs bei Männern den ersten Platz unter den Krebserkrankungen ein, bei Frauen ist das Lungenkarzinom die zweithäufigste Krebserkrankung. An COPD, der "Raucherlunge", leiden heute weltweit rund 600 Millionen Menschen. "Nach Schätzungen wird COPD 2020 die dritthäufigste Todesursache sein, mit etwa 6 Millionen Todesfällen pro Jahr in Europa", so Wehsely. In Österreich leiden etwa 25 Prozent der Menschen an einer Allergie, 20 Prozent der Volksschul-Schulkinder haben allergischen Schnupfen, 6 bis 10 Prozent der Bevölkerung sind AsthmatikerInnen.

Gute Ausstattung
Dass die Wiener Gesundheitspolitik auf die Herausforderung der Atemwegserkrankungen reagiert hat, zeigt die gute Ausstattung mit entsprechenden gesundheitlichen Einrichtungen. Jüngstes Beispiel: Das neu gestaltete Atemphysiologielabor des Otto Wagner-Spitals ist derzeit das größte und modernste kardio-pulmonale Funktionslabor in Österreich.

Aufklärung und Information
Für die Stadt Wien haben aber auch Aufklärung und Information, frühzeitige Diagnose und kompetente Behandlung eine zentrale Bedeutung, um Schädigungen vorzubeugen. "Die Stadt unterstützt daher den 'Allergie- und Asthma-Tag 2008' der Österreichischen Lungenunion, der am kommenden Samstag von 13 bis 18 Uhr im Wiener Rathaus allen BesucherInnen bei freiem Eintritt offen steht", so Wehsely. "Es werden kostenlose Allergietests, Lungenfunktions-Messungen, Ernährungsberatung, individuelle Gespräche mit SpezialistInnen, Vorträge anerkannter ExpertInnen, Informationen an den einzelnen Ständen und vieles mehr", angeboten.

Umfrage und Ergebnisse
Die ÖLU hat bei GfK Austria die "Asthma-Studie Österreich" in Auftrag gegeben. 209 Personen mit schwerem Asthma wurden befragt. "Dabei wurde deutlich, dass Betroffene Asthma als belastende und die Lebensqualität stark reduzierende Krankheit mit weitreichenden gesundheitlichen und psychosozialen Folgen sehen", sagt ÖLU-Sprecher Otto Spranger:

76 Prozent der Befragten beschrieben ihr Asthma als "belastend"
58 Prozent als "lästig"
44 Prozent als "beängstigend"
39 Prozent als "Angst hervorrufend".

"Ein Maßstab für eine angemessene Asthma-Therapie sind die GINA-Richtlinien, die davon ausgehen, dass ein Patient nur dann gut eingestellt ist, wenn er in der Nacht nicht öfter als einmal pro Monat Asthma-bedingt aufwacht", sagt Spranger. "Dies ist jedoch nur bei etwa jedem 5. der Fall." Behandelt wird Asthma in Österreich bei 75 Prozent der Befragten von einem Lungenfacharzt, in 52 Prozent von praktischen Ärzten (Mehrfachantworten möglich). "Allerdings wird die Kompetenz des Allgemeinmediziners im Zusammenhang mit Asthma von vielen Patienten nicht sehr hoch eingeschätzt", berichtet Spranger. Der Feststellung "Mein Arzt weiß sehr viel über Asthma" konnten nur 29 Prozent der PatientInnen, die einen Hausarzt besucht haben, "voll und ganz" zustimmen, hingegen 74 Prozent der PatientInnen von LungenfachärztInnen. Nur 40 Prozent sind dann auch mit ihrer derzeitigen medikamentösen Behandlung "sehr zufrieden". "Aus all dem ergibt sich auch sehr klar die Notwendigkeit zu einer besseren Schulung von AllgemeinmedizinerInnen", folgert Spranger. Allerdings wünschen sich auch die Asthmapatienten zu 83 Prozent "sehr" bzw. "eher" eine "bessere Verfügbarkeit eines AsthmaspezialistInnen, wenn ich einen brauche", und insgesamt 74 Prozent "sehr" oder "eher" eine "Schulung, um besser Bescheid zu wissen und sich richtig verhalten zu können".

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"Das Bewusstsein für Lungenkrebs ist heute in der Öffentlichkeit viel besser verankert als für COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease)", konstatiert Prim. Dr. Norbert Vetter (Pulmologisches Zentrum, Baumgartner Höhe, Otto Wagner Spital). "Bei COPD, der 'Raucherlunge', kommt es zu Atembehinderungen und dadurch zu allgemeiner körperlicher Leistungseinschränkung und stark reduzierter Lebensqualität. Die Schädigung der Lunge beginnt schleichend. Ohne rechtzeitiges Erkennen der Krankheit und frühzeitiger Behandlung führt COPD zu schwerer Invalidität und in vielen Fällen zum vorzeitigen Tod.

Passivrauchen erhöht COPD-Risiko maßgeblich
Neben dem Rauchen sind Luftverschmutzung und Hausbrand Risikofaktoren für COPD. Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Personen, die oft passiv rauchten - etwa 40 Stunden pro Woche während mehr als 5 Jahren - ein um 48 Prozent erhöhtes Risiko auf eine COPD haben (Lancet 2007; 370: 751-757). Prim. Vetter: "Eine Konsequenz daraus ist eine konsequente Früherkennung der COPD mittels Lungenfunktionsmessung bei jeder möglichen Gelegenheit, also bei Vorsorgeuntersuchung, beim Allgemeinmediziner etc. Allerdings muss diese ärztliche Leistung auch bezahlt werden." Es gebe hervorragende medikamentöse Therapien zur Behandlung der COPD, wenn rechtzeitig damit begonnen werde, so Vetter.

Vetter: "Das Wichtigste: PatientInnen müssen über ihre Erkrankung ausreichend informiert sein und darüber hinaus Beratung zum Management ihrer Krankheit erhalten. Diese Beratung schließt auch den richtigen Umgang mit inhalativen Medikamenten ein, insbesondere weil durch die neuen Generika völlig unterschiedliche Inhalationsgeräte zur Verfügung stehen."

COPD kann sich aber auch aus einem Asthma heraus entwickeln. Heute sind sechs bis zehn Prozent der Bevölkerung AsthmatikerInnen, größtenteils AllergikerInnen. Rund 30 Prozent aller AllergikerInnen leiden an Asthma. "Es gilt daher der Grundsatz: Kein Allergiker ohne Lungenfunktionstest - kein Asthmatiker ohne Allergietest", fordert der Pulmologe.

Neue Therapien gegen Allergien
"Allergien sind derzeit (noch) nicht heilbar, doch mit modernen Medikamenten und Therapien gut in den Griff zubekommen", so Dozent Dr. Felix Wantke, Pulmologe am Wilhelminenspital und Floridsdorfer Allergie Zentrum. "Eine völlige Heilung der Allergie zu versprechen wäre unseriös."

Die symptomatische Therapie ist medikamentös und wird in verschiedenen Formen angewandt. Klassisch ist die antiallergische Tablette, aber seit einigen Jahren auch als Augentropfen und Nasenspray, sowie als Gel bei Insektenstichen.


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