31. August 2010 08:25

Atherosklerose 

Dicke Kinder haben schlechte Karten

Sie weisen schon mit zwölf Jahren die Merkmale von Beinahe-Herzkranken auf.

Dicke Kinder haben schlechte Karten
© sxc

Dicke Kinder haben schlechte Karten, was die Gefäßverkalkung (Atherosklerose) betrifft. Sie weisen bereits vor der Pubertät Merkmale auf, wie sie sonst bei Beinahe-Herzkranken festgestellt werden können. Dies hat eine deutsche Studie ergeben, die beim Europäischen Kardiologenkongress in Stockholm präsentiert wird.

Gefäßschäden schon als Kind
"Übergewicht und Fettleibigkeit führen bereits im frühen Kindesalter zu ausgeprägten Stoffwechsel-Veränderungen und generalisierten Gefäßschäden als Frühform einer Atherosklerose", berichtete Sandra Erbs (Klinik für Innere Medizin/Kardiologie, Universität Leipzig - Herzzentrum GmbH). Adipöse Kinder weisen demnach häufig eine Fehlfunktion der Blutgefäß-Innenwand ("Endotheldysfunktion") auf, eine krankhafte Dicke der inneren und mittleren Schicht der Gefäßwand der Halsschlagader (Intima Media-Dicke), sowie eine eingeschränkte Fähigkeit der sogenannten zirkulierenden Endothel-Vorläuferzellen, Blutgefäße zu regenerieren.

Die Untersuchung
Im Rahmen der Leipziger Studie wurden insgesamt 156 Kinder untersucht: 86 adipöse oder übergewichtige mit einem Durchschnittsalter von 12,2 Jahre und einem Durchschnitts-Body-Mass-Index 28,3) sowie 70 normalgewichtige Kontrollkinder. Die Studie ist Teil der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Klinischen Forschergruppe "Atherobesity". Untersuchungsziel war herauszufinden, inwieweit bereits adipöse oder übergewichtige Kinder von Schädigung der Gefäße betroffen sind.

"Das erklärte Ziel muss sein, effiziente Strategien in Bereich der Primär- und Sekundärprävention bereits in früher Kindheit zu etablieren, um die Häufigkeit der Adipositas zu reduzieren", folgerte Erbs aus den Studienergebnissen. "Hier sollte neben einer engen Zusammenarbeit mit Kindergärten, Schulen und Eltern nicht nur das Ernährungsverhalten geschult, sondern insbesondere die körperliche Aktivität erhöht bzw. das Freizeitverhalten der Kinder beeinflusst werden."

Einige Detailergebnisse:

- Adipöse oder übergewichtige Kinder sehen im Gegensatz zu Schlanken signifikant mehr Stunden pro Woche TV und sind signifikant seltener in Sport- und Freizeitvereinen engagiert. Dies spiegelt sich in einer eingeschränkten motorischen Funktion, Körperwahrnehmung und Koordination in nahezu allen Teilbereichen wieder. Es zeigte sich, dass die motorische Fähigkeit mit zunehmendem BMI weiter abnahm.

- Der mittlere systolische Blutdruck (während der Pumpphase des Herzens) war unter Alltagsbedingungen bei adipösen Kindern im Mittel um 8 mmHg höher als bei Normalgewichtigen.

- Im oralen Glukosetoleranz-Test (damit wird die Diabetes-Gefährdung bestimmt) ergaben sich bei den adipösen Kindern Hinweise für einen gestörten Glukose-Stoffwechsel als Vorstufe eines Diabetes mellitus.

- Bereits im Alter von zwölf Jahren zeigte sich bei adipösen oder übergewichtigen Kindern pathologische Veränderungen der Intima Media-Dicke der Halsschlagader als prognostischer Marker für die Entwicklung einer Atherosklerose.

- Die Anzahl der endothelialer Vorläuferzellen (EPC) war bei den adipösen Kindern im Vergleich zu Normalgewichtigen signifikant reduziert.

Metabolisches Syndrom
"Weltweit leiden rund eine Milliarde Menschen an Übergewicht und 300 Millionen an Adipositas. Adipositas und Übergewicht stellen somit eine immense sozioökonomische Herausforderung für das Gesundheitswesen dar. Dieses Jahr sind allein in der EU geschätzt 26 Millionen Kinder und Jugendliche übergewichtig", so Erbs. 50 Prozent der adipösen Kinder haben bereits eine Vorstufe zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen (metabolisches Syndrom).


Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
Facebook Kommentare