16. Dezember 2009 11:56

Erfrierungen 

Bei Wind bereits null Grad gefährlich

Ältere Menschen, Kleinkinder und Alkoholisierte besonders häufig betroffen.

Bei Wind bereits null Grad gefährlich
© sxc

Wenn die Temperatur wie in den vergangenen Tagen immer weiter unter den Gefrierpunkt sinkt, steigt nicht nur der "Fröstl-Faktor" - es drohen auch Erfrierungen und Unterkühlungen. Ab einer Temperatur von minus fünf Grad besteht die Gefahr von Kälteschäden an den Händen und im Gesicht, so das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK). Ein Risikofaktor ist aber vor allem der Wind, der die Temperaturen nicht nur kälter erscheinen lässt, sondern auch das Gesundheitsrisiko erhöht. Bei Böen können laut ÖRK bereits null Grad gefährlich sein.

Dünne schlechter geschützt
Kein Ammenmärchen ist, dass dünne Menschen schlechter gegen Kälte geschützt sind, als Personen mit massiver Körperfülle. Stürzt ein schlanker Mann im Schnee und bleibt bewusstlos liegen, kühlt sein Körper viel rascher aus, als der eines korpulenten Mannes, erklärte ÖRK-Chefarzt Wolfgang Schreiber. Dementsprechend sind auch die gesundheitlichen Folgen massiver.

Ältere Menschen, Kinder und Alkoholisierte
Zu den häufigen Erfrierungs- und Unterkühlungsopfern zählen in Österreich vor allem ältere Menschen, kleine Kinder und Alkoholisierte, so Schreiber. Bei Senioren stelle sich häufig ein spezielles Problem: Sie stürzen in ihrer Wohnung und bleiben unbemerkt stundenlang regungslos liegen, viele haben aus Sparsamkeit unzureichend eingeheizt oder gar ein Fenster offen. Die Folge sind Kälteschäden, die im Spital behandelt werden müssen.

Bei Kindern sei vor allem mangelnde Bewegung die Ursache für Erfrierungen und blaue Lippen, warnte Schreiber. Besonders bei Säuglingen, die unbeweglich im Kinderwagen liegen, ist Vorsicht geboten. Man dürfe nicht vergessen: Als Mutter, die den Kinderwagen schiebt, empfindet man die Minusgrade beim Gehen weniger dramatisch. Bei Betrunkenen ist das Hauptproblem die Weitung der Blutgefäße der Haut, durch die der Körper schneller unbemerkt auskühlt, erklärte der Mediziner. Dieser Faktor sorge auch bei Unterstandslosen häufig für Kälteschäden.

Anzeichen für Erfrierungen
Erste Anzeichen für Erfrierungen sind Schmerzen, Taubheit und Blässe. Menschen mit diesen Symptomen sollten an einem warmen Ort wieder "auftauen". Von einer Unterkühlung spricht man bei einer Körpertemperatur unter 36 Grad, unter 32 Grad wird der Zustand bedrohlich. Betroffene empfinden anfangs Schmerzen, dann werden sie teilnahmslos, müde und schlafen schließlich beschwerdefrei ein. Es drohen Bewusstlosigkeit und in weiterer Folge Atem-Kreislaufstillstand.

Auf keinen Fall sollte man Unterkühlte auffordern zu Gehen, massieren oder viel bewegen, es drohen dadurch Herzkomplikationen wie Kammerflimmern. Die richtige Hilfe ist Wachhalten sowie das Hüllen in warme Decken und Kleidung. Heiße Getränke können angeboten werden.

"Generell sind Erkältungen und Unterkühlungen in Österreich kein relevantes Problem", betonte Schreiber. Über das Jahr gesehen seien beide Folgen von niedrigen Temperaturen selten. Pro Problemgruppe sei er als Arzt jährlich mit "einer Handvoll" Patienten konfrontiert. Die meisten Österreicher würden sich entsprechend warm kleiden und an die Temperaturen anpassen. Für das richtige Verhalten bei Minusgraden hat der Arzt trotzdem drei wichtige Tipps parat: Unbedeckte Hautstellen mit Fettcremes bedecken, abstehende Körperteile wie Nase und Ohren besonders schützen und enge Schuhe meiden, die die Bewegungsfreiheit der Zehen einschränken.


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