07. Mai 2009 10:54

Volkskrankheit 

Bluthochdruck: "Es kriegt ihn ein Jeder"

25 Prozent aller Erwachsenen betroffen. 50 Prozent der 60-Jährigen. Noch immer zu wenige Diagnosen und unzureichende Therapien.

Bluthochdruck: "Es kriegt ihn ein Jeder"
© sxc

"Krankheit Jedermann" in der Industriegesellschaft: die Hypertonie. "Den Bluthochdruck bekommt jeder Mensch, der eine mit 20, der andere mit 40, 80-Jährige haben zu 80 Prozent eine zu hohen Blutdruck", sagte der Wiener Spezialist Dieter Magometschnigg aus Anlass des bevorstehenden Welt-Hypertonie-Tages (17. Mai). Noch immer wird die Erkrankung zu selten diagnostiziert und oft unzureichend behandelt.

Was ist Bluthochdruck?
Die Definition des Bluthochdrucks: sieben oder mehr von 30 Messungen (ambulant bzw. zu Hause) ergeben Werte von mehr als 135/85 mmHg. In Österreich ist jeder vierte Erwachsene betroffen, mit 60 sind es schon 50 Prozent. Der Wiener Kardiologe Jörg Slany über die Ursachen: "Wir leben einer sitzenden Welt, wir leben in einer fetten Welt, wir leben in einer salzigen Welt." In Österreich dürften nur 50 Prozent der Fälle diagnostiziert und nur etwa ein Drittel der Betroffenen behandelt werden.

Tödliche Gefahr
Dabei stellt die Hypertonie eine tödliche Gefahr dar. Sie ist der Hauptrisikofaktor für den Schlaganfall. In Österreich werden davon pro Jahr mindestens 24.000 registriert. Manuela Messmer-Wullen, vor zehn Jahren Schlaganfallpatientin und Vorsitzende der "Schlaganfall-Hilfe Österreich": "Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache. In Österreich sind die Stroke Units hervorragend etabliert. Es gibt auch gute akute Rehabilitationseinrichtungen, aber wir würden mindestens 50 ambulante Therapiestätten für die langfristige ambulante Rehabilitation brauchen."

Prävention
Die Prävention wäre natürlich die beste Möglichkeit, das Problem in den Griff zu bekommen: täglich ausreichend Bewegung, fettarme und salzarme Ernährung. Industriell hergestellte Nahrungsmittel, Halbfertigprodukte und auch Brot sind beispielsweise echte "Salzfässer", welche den Druck in die Höhe treiben und sogar die Medikamente nicht mehr wirken lassen. Statt fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag (ein Teelöffel) nehmen die Menschen derzeit schon neun bis zwölf Gramm zu sich. Laut Schätzungen könnte die Reduktion der Salzmenge um die Hälfte schon pro Jahr 2,5 Millionen Todesfälle weltweit verhindern. An den Folgen der Hypertonie sterben jährlich mehr als sieben Millionen Menschen.

Medikamente
Bei manifestem Bluthochdruck kann eine Lebensstiländerung aber nur noch teilweise zur Kontrolle des Problems beitragen. Der Rest sind ständig einzunehmende Medikamente. Hier gibt es mit Aliskiren nun auch auf Kassenrezept verschreibbar ein neues Wirkprinzip: Einen Hemmstoff des Renin-Enzyms. Das Peptid aus den Nieren steht sozusagen am Ursprung der zweitstärksten körpereigenen blutdrucksteigernden Substanz, Angiotensin-II. Verschrieben werden kann es, wenn Patienten herkömmliche ACE-Hemmer nicht vertragen.

Die übliche Dosis beträgt einmal täglich 300 Milligramm. Es gibt auch eine Kombination mit dem Diuretikum Hydrochlorothiazid. Die Nebenwirkungsrate liegt laut klinischen Studien auf Placebo-Niveau. Der Wiener Nephrologe Walter Hörl: "Das Medikament eignet sich wegen seiner 40 Stunden langen Wirkdauer besonders für Patienten, die nicht sehr therapietreu sind." Binnen eines halben Jahres konnten damit 73 Prozent der Behandelten auf die empfohlenen Zielwerte gebracht werden.

Gute Erfolge hat Magometschnigg mit einem SMS-Blutdruckwerte-Service für seine Patienten erreicht. Sie übermitteln die Werte und bekommen dann Verhaltensratschläge. Statt 40 bis 50 Prozent kamen damit 80 bis 90 Prozent der Betroffenen in den Normbereich.


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